So sieht es hinter den Kulissen des A40-Tunnels in Essen aus

Guido Cherchi von Straßen NRW führte die Lesergruppe durch den A40-Tunnel.
Guido Cherchi von Straßen NRW führte die Lesergruppe durch den A40-Tunnel.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Rund 100.000 Fahrzeuge fahren täglich durch den A40-Tunnel in Essen. Unsere Leser durften hinter die Kulissen des Ruhrschnellwegstunnels blicken.

Essen.. Gut 100.000 Fahrzeuge rollen jeden Tag durch den Ruhrschnellwegtunnel auf der A40. Nur zwei weitere Tunnel in NRW – einer auf der A 46 bei Düsseldorf, der andere auf der A 1 bei Köln – werden mehr befahren. Acht WAZ-Leser durften jetzt hinter die Kulissen dieses spannenden, 1070 Meter langen Bauwerks schauen.

„Das ist sehr informativ“, lobt WAZ-Leser Marcel Rummelshaus. Und Günther Meyer aus Borbeck fügt hinzu: „So intensiv habe ich mir das nicht vorgestellt.“ Geführt wird die Besuchergruppe von zwei kompetenten Führungskräften des Landesbetriebs Straßen NRW: Hans-Gerd Roelofs ist zuständig für die Tunnelleitzentrale Duisburg, Projektingenieur Guido Cherchi gehört der Projektgruppe „Tunnel“ an. „Unser Ziel ist es, die Verkehrsteilnehmer jeden Tag sicher durch die Röhren zu kriegen“, betont Cherchi.

Tunnel für zehn Millionen Euro grundsaniert

Vor der alten, inzwischen menschenleeren Leitwarte geht’s in einen Raum voller Steuerschränke und von dort in ein unterirdisches Labyrinth aus Gängen und Treppen, Leitern und Einstiegen. Sie schreiten Fluchtwege und Notrufkabinen, sehen Feuerlöscher und Notausgänge. Im Medienkanal, der auf Fahrbahnhöhe direkt hinter der Hauptröhre in Fahrtrichtung Duisburg verläuft, passiert die Gruppe dicke Bündel aus Strom- und Steuerungskabel, darunter das schwarze Rohr fürs Löschwasser. Neonröhren tauchen den engen Gang in ein fahles Licht. Die Leser löchern die Experten. „Gibt es hier Bergschäden?“, fragt einer. Ein anderer: „Erfassen die Kameras die Kennzeichen?“. Beide Male lautet die Antwort: „Nein“.

In zwei Phasen hat Straßen NRW den Ruhrschnellweg-Tunnel für rund 10 Millionen Euro grundsaniert: in einer ersten ab 2010 und einer zweiten 2012 mit der spektakulären dreimonatigen Vollsperrung aller Röhren. Seit dem Tag der Wieder-Inbetriebnahme am 30. September 2012 ist die Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 60 Stundenkilometer heruntergefahren worden. „Das haben wir natürlich nicht getan, um die Autofahrer zu schikanieren“, betont Guido Cherchi. Gründliche Verbesserungen bei Brandschutz, Beleuchtung, Schalltechnik und Entwässerung haben dazu geführt, dass die Eingeweide des Tunnels mittlerweile vollgestopft sind mit High-Tech. „Autobahntunnel sind hochkomplexe Gebilde“, sagt Cherchi und verweist darauf, dass 12.000 Datenpunkte zusammengeführt werden mussten. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Verkehrstechnik, wenn das gelöst ist, gibt’s wieder Tempo 80.“ Auf einen präzisen Termin möchten sich die Straßen-NRW-Leute nicht festlegen, aber sie versichern: „Lange wird es nicht mehr dauern.“

Lärm ist ohrenbetäubend

Günther Meyer gesteht, dass auch er zu jenen Essenern gehört, die wegen der Tempo-60-Regelung den Kopf schütteln. Doch die Führung habe ihn klüger gemacht. „Ich fahre jetzt mit anderen Augen durch den Tunnel und werde in Zukunft bestimmt mehr Verständnis für Einschränkungen haben“, sagt auch Wolf-Dietrich Huneke.

Am Ende des schmalen Gangs öffnet Roelofs eine schwere Eisentür. Die Gruppe steht jetzt in der Röhre, durch die sich die Blechlawine schiebt. Der Lärm ist ohrenbetäubend und es weht ein frischer Wind in Fahrtrichtung. Videokamera TV701 schlägt sofort an und meldet der Leitstelle um 11.25 Uhr ein „Ereignis“: „Fußgänger am Notgehweg“.