So organisiert ein Berufskolleg das Lernen ohne Lehrer

Hannah Weise, Ruchan Köseoglu und Sara Moussaoui kommen zweimal die Woche am Nachmittag, um gemeinsam zu lernen.
Hannah Weise, Ruchan Köseoglu und Sara Moussaoui kommen zweimal die Woche am Nachmittag, um gemeinsam zu lernen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Erich-Brost-Kolleg verpflichten sich Jugendliche, sich selbst zu unterstützen. So wird zeitgleich guten und schwachen Schülern geholfen.

Essen.. Das Erich-Brost-Berufskolleg hat in diesem Schuljahr das „Lernen ohne Lehrer“ eingeführt. Schulleiter Hans-Georg Torkel spricht von einer „sozialen Innovation“. Entstanden ist die „Juniorschule“, die alle Schüler des elften Jahrgangs der Höheren Handelsschule verpflichtend besuchen müssen – für zwei Stunden wöchentlich. „Ein Lehrer ist zwar dabei“, erklärt Lehrer Christian Tubbesing, „aber nur als Aufsichtsperson.“ Fachliche Anleitungen gibt er nicht. Für die sorgen die Schüler selbst.

So funktioniert die „Juniorschule“: Schüler tun sich zu Lerngruppen zusammen und bereiten Klausuren vor oder erledigen gemeinsam Hausaufgaben – wer gute Noten im Unterricht hat, kann das Zertifikat „Junior Teacher“ erwerben und seine Mitschüler beim Lernen anleiten.

„Am Anfang war die Begeisterung über die Juniorschule nicht so groß“, berichtet Abteilungsleiter Eckhard Schroder, „doch mittlerweile haben die Schüler gemerkt, wie effektiv diese Art der Förderung ist.“

Zertifikat motiviert

Die Schülerinnen Sophie und Sara (beide 17) bestätigen: „Vorher haben wir allein gelernt, aber so geht es echt viel besser.“ Sie sind „Juniorteacher“ im Fach Mathe. Tatsächlich motiviert das Zertifikat, solche, die es schon haben, im Unterricht noch besser mitzumachen – und „Juniorteacher“ zu werden, ist für solche Jugendliche ein Anreiz, die ansonsten hinter ihren Möglichkeiten bleiben. „Somit werden alle Schüler indviduell gefördert“, erklärt Christian Tubbesing, „und das Stigma vom ,Förderunterricht’, der nur für Problemschüler vorgesehen ist, entfällt.“

Ansonsten loben die Pädagogen die Eigenständigkeit, Teamfähigkeit und die soziale Verantwortung, die die Schüler in der „Juniorschule“ entwickeln: „Das sind Fähigkeiten, auf die die Arbeitnehmer immer mehr Wert legen“, sagt Tubbesing. Die „Juniorschule“ hat sich somit zum zentralen Bestandteil des Förderkonzeptes am Erich-Brost-Berufskolleg entwickelt.

Das Erich-Brost-Berufskolleg an der Sachsenstraße bildet in Fächern der Wirtschaft und Verwaltung aus. Bildungsgänge führen zum Berufsabschluss, zum Fachabitur oder zur Hochschulreife. Derzeit wird die Schule von mehr als 2000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht.