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16.10.2008 | 19:30 Uhr

Die Alte Synagoge wird bis Anfang 2010 zu einem "Haus jüdischer Kultur" umgebaut und nicht länger nur Gedenkstätte sein.Das birgt städtebauliche Chancen für das unwirtliche Umfeld: Ein neuer Platz soll entstehen, der diese Bezeichnung auch verdient hat

Für 7,4 Millionen Euro wird die Alte Synagoge an der Steeler Straße, Nähe Porscheplatz, zu einem "Haus jüdischer Kultur" umgebaut. Der offizielle Spatenstich zu den Umbauarbeiten erfolgte gestern. Seit 1980 ist der Bau, der zu den größten und besterhaltenen jüdischen Gebäuden in Deutschland zählt, eine Gedenkstätte. Der Rat hatte im Februar die Neukonzeption beschlossen.

"Wir wollen deutlich machen, dass die Geschichte der Juden in Deutschland mehr ist als die Zeit der schrecklichen Verbrechen zwischen 1933 und 1945", erklärte NRW-Städtebauminister Oliver Wittke (CDU). Das Land übernimmt mit knapp sechs Millionen Euro einen Großteil der Kosten. Der Rest kommt von Sponsoren. "Bis 2010 fehlen uns noch 400 000 Euro", erklärte Edna Brocke, Leiterin der Gedenkstätte.

Seit 1993 habe ihr vorgeschwebt, den monumentalen Bau in ein "Haus jüdischer Kultur" umzuwandeln, berichtete Brocke. Die Funktion als reine Gedenkstätte sei ihr stets als "mentale Einengung" erschienen.

Das neue Konzept sieht fünf Dauerausstellungen vor: zum so genannten jüdischen "Way of Life", zu Aspekten religiösen Lebens, zu zentralen jüdischen Festen, zur Geschichte des Hauses sowie zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Essen. Dazu sind aufwändige Umbau-Arbeiten im Haus erforderlich. Die Verantwortlichen sehen die Institution nach erfolgter Neukonzeption in einer Reihe mit dem Jüdischen Museum in Berlin und dem Jüdischen Zentrum in München. Der Großteil der bisherigen Schau soll umziehen in das neue "Haus der Essener Geschichte", das derzeit am Bismarckplatz im Gebäude der ehemaligen Luisenschule entsteht.

Dorthin zieht auch das Stadtarchiv, das seit 1962 im ehemaligen Rabbinerhaus untergebracht ist, einem Synagogen-Anbau an der Nordseite. Wie das ehemalige Rabbinerhaus später genutzt werden soll, sei derzeit noch unklar, teilte Brocke mit.

Die Neuausrichtung der Synagoge soll auch als städtebauliche Chance genutzt werden. "Wir prüfen zurzeit, ob die Steeler Straße an dieser Stelle gesperrt werden kann, damit zwischen Synagoge und altkatholischer Friedenskirche ein neuer Platz entstehen kann", berichtete Baudezernentin Simone Raskob am Rande der gestrigen Feierlichkeiten. Beide Gotteshäuser waren einst als Ensemble angelegt, hieß es. Mit weiteren umfangreichen Arbeiten (geplante Kosten: 900 000 Euro) soll das Umfeld der Synagoge zu einem Bereich mit deutlich gesteigerter Aufenthaltsqualität werden. Er soll "Edmund-Körner-Platz" getauft werden. Der Hauptausschuss entscheidet darüber nächste Woche.

Der Architekt Körner (1874 - 1940), der einige Jahre auch in Essen lebte,hat viele stadtbildprägende Gebäude errichtet - nicht nur die Synagoge, sondern auch das Haus der Technik, das bis 1927 als Börse diente. Körner schuf ebenfalls das Robert-Schmidt-Berufskolleg (Moltkeviertel, früher "Königliche Baugewerkschule") und das ehemalige Krupp-Ledigenheim in der Seumannstraße (Altenessen).

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