So erleben Autofahrer und Anwohner der Umleitung die A40-Sperrung

Auf der Steeler Straße war am Mittwoch ziemlich viel Stau.
Auf der Steeler Straße war am Mittwoch ziemlich viel Stau.
Foto: WAZ
Die A40-Sperrung sorgt für Stau und zähfließenden Verkehr auf den innerstädtischen Straßen: Huttrop, Steele und Freisenbruch besonders betroffen.

Essen.. Das Gesicht der Krise tragen keine griechischen Spitzenpolitiker, sondern die Autofahrer auf der Steeler Straße. Der Kopf wird gelangweilt von der Hand abgestützt. Auf der Stirn steht eine Runde Schweiß. Der Gesichtsausdruck: mürrisch bis sehr mürrisch.

Die A40 ist gesperrt. Ein guter Teil des Verkehrs quält sich seit Mittwoch über die Steeler Straße durch Huttrop. Auf der Brücke vor dem Franz-Sales-Haus blickt man auf die leere (weil hier gesperrte) A 52. Nur das Hinsehen tut Staugeplagten weh. Glück hat der, der wenige Meter weiter im Schatten der Bäume stehen darf. Davor und dahinter knallt die Sonne erbarmungslos auf die wartenden Autos. So schlimm kann Sommer sein.

Jonas und Leonie, beide 9, haben am Morgen ihren Flohmarkt-Teppich auf dem Bürgersteig vor dem Eulenspiegel-Kino aufgebaut. Trotz der Ferien steht etwas Erdkunde an: Kennzeichen-Raten. Die Autos mit E, WIT, HA, BO, DO kommen aus der Region, die LKW-Kennzeichen NL, LT, SK oder BIH führen durch ganz Europa.

Viele Lastwagen

„Ist mehr los als sonst. Vor allem so viele Lkw. Der Werbung auf den Planen kann ich lesen. Die stehen ja ständig“, sagt Kornelius Theelen, der beim Fleischer Schmidt hinter der Theke steht. Er kommt mit der Straßenbahn aus Frohnhausen zur Arbeit. „Die steht auch im Stau. Deshalb morgen Rad“, sagt er.

Heinz Verhag und Gattin Claudia hatten schon am Mittwoch aufs Zweirad gesetzt. Eine chromglänzende Suzuki. Auch mit dem Motorrad kommen die Duisburger, die zum Kemnader See wollen, nicht am Stau vorbei. Sie müssen gar eine unfreiwillige Pause einlegen. Die Kupplung ist heiß gelaufen. „Ich rufe die gelben Engel. Aber die kommen auch nicht durch“, sagt Heinz Verhag sarkastisch.

Handygespräche zur Ablenkung

Auf der Steeler Straße geht in diesem Moment wenig. Viele Autofahrer führen Selbstgespräche. Oder nutzen per Freisprechanlage ihre unendlich vielen Handyminuten. Eine älteres Ehepaar im kühlen Mercedes hadert mit sich. „Wir kommen von der Margarethenhöhe, wollen nach Überruhr. Eine Stunde sind wir unterwegs. Auf die A 40 zu fahren war nicht clever“, sagt er. Die Beifahrerin nickt. Geduld und Klimaanlage sind besonders gefordert.

Michael Seth, Hauptkommissar und Polizei-Abschnittsleiter, hat am Morgen den Stresstest gemacht. „Wir sind mit dem Auto die Strecke abgefahren, standen auf der A40-Abfahrt im Stau.“ Jetzt schaut er sich im kühlen Schatten des Huttroper Wasserturms die Schlange an. Per Handy erhält er Verkehrsmeldungen, auch ein Polizei-Hubschrauber kreist und informiert. Nadelöhr ist die Bochumer Landstraße, wo die Umleitungen von A40 und A52 zusammenlaufen. „Am Morgen war Steele dicht“, sagt Peter Elke. Der Polizei-Sprecher rät: „Getränke einpacken, kühlen Kopf bewahren, sofern das geht.“

Polizei und Stadt Essen werden Halteverbote ausweiten

Optiker Christoph Hahne blickt aus seinem Schaufenster auf die die Bochumer Landstraße. „Mal steht die Schlange. Mal fährt sie. Morgens und am Nachmittag geht es langsamer“, hat er beobachtet. „Der Berufsverkehr“, erklärt Abschnittsleiter Michael Seth. „Es dauert länger. Aber es ist im Rahmen. Freie Fahrt hat niemand erwartet.“ Offenbar umgehen, wie erhofft, viele der 100. 000 Fahrzeuge die Sperrung großräumig.

Die Polizei wird mit der Stadt Halteverbote erweitern und Ampelschaltungen überprüfen. „Wir beobachten, passen dann an“, erklärt Seth. Dieser Lernprozess gilt auch Stauopfer. „Die, die lange stehen, lernen für die nächsten Tage“, erklärt Michael Seth das Prinzip.

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