Siebenkampf für einen Schulstandort
29.01.2009 | 20:23 Uhr 2009-01-29T20:23:40+0100BILDUNG. Die Stadtspitze setzt mit einer Pressekonferenz und einer halben Million Euro ein Signal für die Dürerschule.
Es ist ein hoher Preis, den die Stadt für die Erhaltung der Dürerschule bezahlt. Nicht nur, dass da gleich zwei Beigeordnete, zwei Amtsleiter, der Stadtpressesprecher, eine Schulrätin und die Schulleiterin einen Nachmittag opfern, um die Gemeinschaftsschule in Borbeck, ihr Integrations- und Sprachförderkonzept und die Sanierung in den höchsten Tönen zu loben. Zudem nimmt die Stadt - die Zustimmung des Rates vorausgesetzt - knapp eine weitere halbe Million Euro in die Hand, um das Gebäude der Dürerschule baulich instandzusetzen.
Dafür sitzen den sieben Stadt-Vertretern etwa gleich viele Journalisten gegenüber, dahinter das gesamte Kollegium der Schule, die nur jetzt, in der laublosen Zeit, von der Borbecker Straße aus sichtbar ist - sonst verschwindet das schmucke, denkmalgeschützte Gebäude hinter einem kleinen Wäldchen.
Und das ist augenscheinlich eines der Probleme der Schule - dass sie im Stadtteil von den Eltern nicht so wahrgenommen wird, wie sie es gern hätte, wie sie es nach Meinung der Stadt wohl auch verdient hätte. 22 Anmeldungen für die kommende erste Klasse gibt es derzeit, 40 Kinder sind in der vierten Klasse, also wird die Schule ab August auf dann 118 Schüler schrumpfen. Die Berichterstattung in der ARD-Sendung über die Baustelle Dürerschule hat bei den Stadtoberen die Besorgnis geschürt, dass die Schule endgültig scheitern könnte - nachdem ein paar Monate zuvor öffentlich wurde, dass das einstige Möbellager, das als Turnraum für die Schüler diente, wegen Schimmelbefall geschlossen werden muss.
Also wird jetzt getrommelt für die Dürerschule, die im Fernsehen als Wrack rüberkam, aber im Vergleich mit, sagen wir, der Altendorfer Hüttmannschule innerlich und äußerlich geradezu topfit ist - sieht man mal von den nackten Glühbirnen an den Flurdecken ab. Und von den Balken im Klassenzimmer, die die Dachkonstruktion stützen und dem Raum an der Fensterseite ein paar Dezimeter rauben. Die Kinder haben Zeitungsartikel und Poster daran angeheftet. Fast so, aber eben nur fast, wie die zum Teil historischen Fachwerkbalken, die den Ganztags-Trakt teilen, in dem die große Pressekonferenz stattfindet.
Groß deshalb, so Schuldezernent Peter Renzel, weil die Schule Symbol sei für die Sanierungsbemühungen der Stadt bei den Schulgebäuden, für die die klamme Kommune in den letzten zehn Jahren knapp 300 Millionen Euro investiert hat.
Ob das in allen Fällen - nicht nur in Borbeck - eine Investition in die Zukunft war, werden die Schülerzahlen der kommenden Jahre zeigen. Für Borbeck bleibt der Kommune bei der Fortsetzung der bisherigen Schulpolitik kaum eine andere Wahl: Sie muss der Dürerschule, deren Denkmalwert Baudezernentin Simone Raskob preist, fast um jeden Preis ein schützendes Dach bauen, weil sie in Borbecks Mitte die einzige Gemeinschaftsgrundschule ist - umgeben von städtischen, katholischen Grundschulen.
Schon einmal hat die Kommune eingegriffen, als vor einigen Jahren die Herbartschule in Schonnebeck vor dem Aus stand - damals haben die Politiker die katholische Grundschule nebenan auslaufen lassen und die Gemeinschaftsgrundschule massiv gefördert. Unter anderem durch den Neubau einer Turnhalle. Den aber wird es in Borbeck trotz vehementer Proteste der Eltern nicht geben, machte Peter Renzel gestern nachdrücklich deutlich. Für den Klimmzug reicht es derzeit nicht.
Beim der Sanierung eines Nebengebäudes für die Einrichtung von Räumen für den Offenen Ganztag 2006 treten weitere bauliche Mängel zutage - der marode, denkmalgeschützte Dachstuhl muss mit zusätzlichen Holzträgern abgestützt werden. Im September 2007 stellt der Rat 630 000 Euro bereit, um Mauersockel trocken zu legen, den Brandschutz sicherzustellen und die Dachkonstruktion zu reparieren. Anfang 2008 werden weitere Mängel in der Dachkonstruktion festgestellt, die Bauarbeiten ruhen weitgehend, während ein Gutachterstreit darüber entbrennt, welche Lösung der Statik und dem Denkmalschutz gleichermaßen Rechnung trägt. Bei einer Mustersanierung im Sommer ´08 stellt sich heraus, dass das ins Auge gefasste Konzept nicht funktioniert. Jetzt, so der Leiter der Immobilienwirtschaft, Ingo Penkwitt, hat man eine in jeder Hinsicht tragfähige Lösung. Mit etwa 450 000 Euro, die der Rat noch bewilligen muss, soll die Sanierung bis Ostern 2010 abgeschlossen werden.
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