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Prozess

Sicherheitspersonal soll Spielautomaten manipuliert haben

17.08.2015 | 13:52 Uhr
Sicherheitspersonal soll Spielautomaten manipuliert haben
Eine Frau bedient in einer Spielhalle einen Spielautomaten. Foto: Symbolfoto: dpa

Essen/Gelsenkirchen.   Ausgerechnet der Sicherheitsbeauftragte soll Geldspielautomaten manipuliert haben und einen Hallenbetreiber um einen Millionenbetrag geprellt haben.

Durch Manipulationen an Geldspielautomaten in Deutschland soll der niederländische Spielhallenbetreiber Casino Royal innerhalb von knapp einem Jahr um 1,5 Millionen Euro betrogen worden sein. Stimmt die Anklage der Staatsanwaltschaft Essen, hat das Unternehmen den Schaden durch eine schlechte Personalauswahl selbst verursacht. Denn der Hauptangeklagte im Betrugsprozess vor dem Landgericht ist der Sicherheitsbeauftragte von Casino Royal, der 54 Jahre alte Ali T. aus Gelsenkirchen.

In Verdacht als Komplizen stehen aber auch der Geschäftsführer und der technische Direktor der Firma, Paul C. und Sander K., beide aus den Niederlanden. Sie sollen ein eigenes Verfahren bekommen.

Auch für die Spieler weniger Geld an den Automaten

Durch die Manipulationen an der Software von Geldspielautomaten der Firma Löwen Entertainment ist laut Anklage aber nicht nur das niederländische Unternehmen geschädigt worden, durch Herabsetzung der Auszahlungsquote dieser Geräte gab es auch für die echten Spieler weniger Geld an den Automaten. Und schließlich sollen auch noch die eigentlichen Betrüger Opfer geworden sein, weil ihre Helfershelfer die Gelder zum Teil in die eigenen Tasche geleitet hatten.

Wie seriöse Geschäftspartner sehen am Montag zum Prozessauftakt die sieben Angeklagten vor der I. Essener Wirtschaftskammer aus. Sie kommen alle aus Gelsenkirchen. Neben Ali T., dem Hauptangeklagten, kommt besonders seinem Schwiegersohn Benjamin P. eine besondere Rolle zu. Denn der 33-Jährige war der Computerfachmann, der die Software des Automatenherstellers mit einer eigenen Programmierung überlistet haben soll. Er hatte im Vorfeld die Vorwürfe eingeräumt und dem Landeskriminalamt bei der Aufklärung geholfen. Sein Anwalt Siegmund Benecken kündigte am Rande des Prozesses ein Geständnis an. Am ersten Prozesstag kam es nur zur Verlesung der 91 Seiten umfassenden Anklageschrift.

Ali T. gilt der Staatsanwaltschaft als “Branchenintimus in Sachen Manipulation/Manipulationsschutz von Geldspielautomaten”. Er soll sich seit mehr als drei Jahrzehnten um die Schwachstellen der anfangs rein mechanischen Automaten gekümmert haben. Schon damals soll er durch Manipulationen Gewinne gemacht und die Probleme anschließend den Herstellern mitgeteilt haben. So kam er wohl an viele Beraterverträge, um Manipulationen zu verhindern.

Schaden in Millionenhöhe

Aber offenbar hatte die Firma Casino Royal mit ihm den Bock zum Gärtner gemacht, als sie ihn als Sicherheitsbeauftragten einsetzte. Anfang 2014 hatte sich beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg ein Informant gemeldet, der Ali T. erheblich belastete. Der Mann, ein Mitarbeiter des Automatenherstellers, gab an, Ali T. verursache durch Manipulationen an der Gerätesoftware einen Schaden in Millionenhöhe.

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Unberechtigt 500 Euro gewonnen

 Polizei und Staatsanwaltschaft Essen nahmen die Ermittlungen auf und gewannen schnell ein klares Bild. Danach wurden die Auszahlungsquoten an den Geldspielautomaten so geändert, dass der Gewinn des Spielhallenbetreibers stieg und die Kunden seltener gewannen.

Besonders lukrativ war aus Sicht der Ermittler aber das System, das Ali T. mit mehreren seiner Bekannten aus Gelsenkirchen aufzog. Er setzte sie nach Polizeierkenntnissen bundesweit als “Läufer” ein. Sie bekamen den Tagescode der manipulierten Geräte mitgeteilt und konnten so an den Automaten illegale Gewinne verbuchen und in Bargeld ausgezahlt bekommen. Mal waren es 400 Euro, mal 1000.

Möglich waren die Softwaremanipulationen laut Anklage aber nur durch die Mitwirkung der Chefs des Spielhallenbetreibers Casino Royal. Die Überwachung von Telefonaten innerhalb der mutmaßlichen Bande zeigte den Ermittlern auch, dass die Betrüger selbst zu Betrogenen wurden. Denn die “Läufer” entwickelten eigenen Geschäftssinn und leiteten nicht alle ausgezahlten Gelder an die Chefs weiter.

Für den Prozess hat die Essener Wirtschaftsstrafkammer zunächst elf Verhandlungstage angesetzt.

Stefan Wette

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