Sexualstraftäter Hans H. - ein Mann mit vielen Gesichtern
12.02.2010 | 21:28 Uhr 2010-02-12T21:28:00+0100
Essen.Die Essener Polizei hat zurzeit eine doppelte Mission - den in Essen aufgetauchten Sexualstraftäter Hans H. vor den Bürgern und die Bürger vor Hans H. zu schützen. Am Freitag siedelte der 62-Jährige von einem Hotel an einen geheimen Ort um. Unser Reporter hat mit ihm gesprochen.
Hans H. (62), verurteilter Sexualtäter und nach einer Justizpanne auf freiem Fuß, ist untergetaucht - und die Polizei hat ihm dabei geholfen. Am Freitagnachmittag wurde H. aus dem Essener Hotel, in dem er am Mittwoch aufgetaucht und am Donnerstag entdeckt worden war, in eine geheime Unterkunft gebracht. Dort kann die Polizei besser ihrem komplizierten Doppel-Auftrag nachkommen: die Bürger vor Hans H. zu beschützen und Hans H. vor den Bürgern.
Das graue Haar, das vor einer Woche noch in Strähnen hing, ist kurz geschoren. Hans H. gibt sich höflich und kooperativ - zeigt den kompletten Gegensatz zu dem Bild, das die Gutachter von ihm zeichnen: Gewalttätig sei er, völlig ohne Schuldbewusstsein, wechselweise von Trieben, Affekten und Verschlagenheit gesteuert. Im karg möblierten Nichtraucher-Hotelzimmer (Ausziehbett, Etagenbett, Mini-Fernseher, Duschecke mit Klo) öffnet der Mann zum Rauchen artig das Fenster.
Kosten trägt im Zweifelsfall die Stadt Marl
Nein, er fühle sich nicht verfolgt von der Polizei. Er habe im Gegenteil seit seiner Entlassung den Kontakt zu ihr gehalten (“oder andersrum“, sagt ein Polizeisprecher dazu). Nach Essen sei er gekommen, um eine Therapie zu machen, nachdem man ihn in Marl ja nicht habe aufnehmen wollen. Und die Hotelrechnung (39 Euro die Nacht)? Die werde ja wohl die Stadt Essen bezahlen. Er habe ja nichts.
Da irrt H. übrigens. Tatsächlich hat sein Bewährungshelfer bei der Stadt einen Antrag auf Kostenübernahme gestellt. Doch die Sozialbehörde hat ihn postwendend abgewiesen. „Der Mann ist hier nicht gemeldet und sein Aufenthalt hier nicht begründet“, sagt Stadtsprecher Detlef Feige. „Also haben wir damit nichts am Hut.“ Wenn H. sich in eine Therapie begebe, müsse die Kosten im Zweifel die Stadt Marl übernehmen, wo er zuletzt gemeldet sei.
„Der Mann gibt sich kooperativ“, sagt Polizeisprecher Peter Elke. Er werde von der Polizei „betreut“ und sei gestern auch willig umgezogen. An seinem neuen Wohnort behalten Beamten in Zivil den Mann 24 Stunden am Tag im Auge. Und das so unauffällig wie möglich. Wenn der Wohnsitz bekannt wird und sich, wie in Heinsberg, Bürgerprotest formiert, würde die Polizei ihre Einsatzkräfte vervielfachen müssen.
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