Seniorin fährt in Imbissstand
21.07.2009 | 18:45 Uhr 2009-07-21T18:45:00+0200Eine 73-Jährige fährt in Werden mit ihrem BMW in einen Imbissstand und verletzt zwei Frauen. Sind Senioren hinterm Steuer eine Gefahr für andere?
Wie konnte so etwas nur passieren? Die Unfallfahrerin konnte es sich selbst nicht recht erklären. Sie muss wohl Bremse und Gaspedal verwechselt haben, sagte die ältere Dame den Polizeibeamten unmittelbar nach dem folgenschweren Crash am Montagabend. Kurz zuvor hatte sie auf dem Parkplatz eines Baumarktes an der Ruhrtalstraße in Werden die Kontrolle über ihren silbergrauen Mittelklasse BMW verloren. Der Wagen durchbrach einen Zaun und krachte in Bänke und Tische vor einem Imbisswagen. Zwei Frauen, die dort saßen, wurden von hinten erfasst: Eine 25-Jährige musste schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden, Lebensgefahr bestehe aber nicht, so die Polizei. Eine 68-Jährige kam mit leichten Verletzungen davon, sie konnte die Klinik nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Die Frau, die den Unfall verursacht hat, ist 73 Jahre alt.
Seit dem tragischen Unglück im sauerländischen Menden, wo ein 79-Jähriger in einen Schützenumzug raste, sind Senioren am Steuer in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Bilanz des schrecklichen Unfalls: zwei Tote, 54 Verletzte.
Die Crash-Fahrt in Werden endete zum Glück vergleichsweise glimpflich. In beiden Fällen ist noch nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Dennoch stellt sich die Frage: Unterschätzen Senioren das Risiko, wenn sie sich hinters Steuer setzen? Gefährden sie gar andere?
Statistisch sind die Fragen schnell beantwortet: In der jährlichen Unfallbilanz der Polizei fallen Senioren nicht aus dem Rahmen. Im vergangenen Jahr zählte die Essener Polizei insgesamt 21 395 Unfälle. Davon waren 994 mal Verkehrsteilnehmer beteiligt, die 65 Jahre oder älter waren. Zum Vergleich: Bei 600 Unfällen waren die Fahrer zwischen 18 und 21 Jahre alt.
Gemessen an der Zahl der Fahrzeughalter sind Senioren damit statistisch sogar unterrepräsentiert. Von rund 254 000 Haltern sind gut 72 000 älter als 60 Jahre, knapp 7000 sind über 80. Ob jeder seinen Wagen auch selbst nutzt oder ihn lieber dem Enkel überlässt? Darüber sagt die Statistik nichts aus.
Dass im Alter Sehkraft und Reaktionsvermögen nachlassen, ist eine Binse. Auch deshalb fordern Straßenverkehrsbehörde und Verkehrswacht ältere Autofahrer regelmäßig auf, das eigenen Fahrvermögen kritisch zu hinterfragen und den Führerschein im Zweifel lieber freiwillig abzugeben. Die Essener Verkehrs-AG lockt dazu mit einem Monatsticket als Schnupperangebot. Die Resonanz liest sich bescheiden: Seit dem Jahr 2001 gab die Evag 90 dieser Schnupper-Tickets aus – als Belohnung, weil Autofahrer auf Bus und Bahn umstiegen.
Die Verkehrswacht bietet seit zwei Jahren ein spezielles Sicherheitstraining für ältere Verkehrsteilnehmer an. Autofahrer ab 50 Jahren werden noch einmal in Theorie und Praxis geschult und einem medizinischen Hirnleistungstest unterzogen. Niemand müsse fürchten, dass ihm der Führerschein abgenommen wird, betont Verkehrswacht-Vorsitzender Karl-Heinz Webels.
150 Fahrer jenseits der 50 ließen sich auf das Training ein. Nur zwei davon seien zu dem Schluss gekommen, es sei besser, wenn sie nicht mehr fahren. Anzeichen, wann es an der Zeit ist, sich selbst kritisch zu hinterfragen seien eindeutig, so Webels: Beim Abbiegen wächst die Unsicherheit, der Körper verkrampft hinter Steuer, immer öfter vergisst man den Blinker zu setzen und das Licht einzuschalten. Das Gehör lässt nach. Dann sei es höchste Zeit für einen Medizin-Check. Bevor die nächste Fahrt mit einem Unfall endet – oder einer Katastrophe.
20:28
Wann endlich müssen auch ALLE Autofahrer zum 2-jährigen TÜV. Es ist völlig unbegreiflich aber total Deutsch, das die Technik geprüft wird, der Mensch ist, nicht nur hier, zimlich uninteressant.
15:09
Meiner meinung ist das ganz einfach Rente mit 68 ist doch Wunderbar nur dumm das es die demnächst auch nicht mehr gibt von daher würdeich als Verkehrspresidengt oder wat weiß einfach den Leuten mit 68 den Führerschein abnehmen. Die Rentner haben doch eh genug Zeit um dannmit dem Bus zu fahren und der Autoverkehr der lamen alten leute würde es dann auch nicht gebenund die Busse fahren dann auch pünktlich von daher Rentenalter=Busfahralter das ist meine meinung
18:01
Nicht überall wo es nach ranzigem Fett riecht ist ein Mc Drive
15:06
Was ist das denn für ein statistischer Maßstab! 18-21 und 65 und älter? Müsste eine saubere Statistik nicht gleiche Grundgesamtheiten vergleichen? Bei der Gruppe der Älteren werden z.B. auch die 90jährigen gezählt. Ein Vergleich 18 Jahre und 70 Jahre wäre klarer? Aber Statistik sagt das,was man fragt, nicht wahr! :-) Außerdem ist der Artiikel doch Regenbogenpressestandard!
14:31
Zitat:
Die Unfallfahrerin konnte es sich selbst nicht recht erklären. Sie muss wohl Bremse und Gaspedal verwechselt haben, sagte die ältere Dame den Polizeibeamten unmittelbar nach dem folgenschweren Crash am Montagabend. Zitat Ende.
O ha - sie weiß es offenbar selbst nicht mehr. Sie wollte bremsen und da machte doch der Wagen einen Satz und durchbrach einen Zaun und krachte in Bänke und Tische vor einem Imbisswagen. Zwei Frauen, die dort saßen, wurden von hinten erfasst:
Eine Vollbremsung - wofür. Für plötzlich über den Weg laufende Einkaufswagen oder tieffliegende Flugzeuge die in Düsseldorf landen wollten?
Oder hat die ältere Dame einfach nur viel zu kräftig Gas gegeben und war über das Resultat ihres ach so schönen silbergrauen Mittelklasse-BMW derart überrascht dass sie gar nicht mehr zum Bremsen kam.
Resultat: eingeschränkte Motorik und eingeschränktes Reaktionsvermögen.
Hoffentlich fährt diese ältere Dame mir nicht über den Weg und verwechselt dann die Bremse mit dem Gaspedal und kann sich dann den entstandenen Bums offenbar selber wieder nicht erklären.
12:58
Wer einen Führerschein auf Probe für Fahranfänger fordert und durchsetzt (was auch gut und nötig ist) muß auch dafür sorgen, daß Menschen, die ab einem gewissen Alter noch motorisiert am Straßenverkehr teilnehmen, getestet werden, ob sie dazu noch in der Lage sind.
Aber wahrscheinlich #11 recht, daß hier einmal mehr Lobbyisten am Werk sind, denen es nur um die Sicherung der eigenen Pfründe geht.
Und außerdem liebe Rentner und Rentnerinnen:
Wenn ihr alle so fahrerfahren und fahrtüchtig seid wie ihr vorgebt zu sein, dann dürfte dieser Test doch für Euch wohl ein Klacks sein.
Meine Beobachtungen als Pendler zwischen E und D zeigen jedoch deutlich, daß man Fahrzeuge mit den berüchtigten Accessoires wie Wackeldackel, Hut, umhäkelte Klorolle und deutlich erkennbaren Abnutzungserscheinungen an stoßfängern, Türen und sonstigen Ecken besser mit Vorsicht beobachtet.
Glück auf!
12:27
Die Kommentare sind alle sehr interessant.
Ich persönlich bin über 50 und hätte nichts dagegen, mich alle 5 Jahre auf meine Fahrtauglichkeit testen zu lassen.
Meiner Meinung nach sind diese obligatorischen Tests schon deshalb erforderlich, um andere Verkehrsteilnehmer und Unbeteiligte zu schützen.
Außerdem vertreten doch unsere maßgeblichen politischen Parteien die Vision Zero im Straßenverkehr, also keine Verkehrstoten mehr, was ich persönlich für utopisch halte.
Wenn diese Parteien dem ernsthaft nachkommen wollten, müssten diese Tauglichkeitstest schon längst verbindend eingeführt werden.
Aber, es stehen knallharte wirtschaftliche Interessen dagegen:
1. Wer fährt denn die teueren deutschen Autos zu einem großen Teil: Die Rentner. Müsste ein prozentualer Anteil wegen erwiesener Nichtfitnessseiner Führerschein abgeben, so fällt er als Kunde weg.
2. Wenn der Rentner keinen Wagen hat, ist er auch nicht mehr Versicherungsnehmer und wird wahrscheinlich auch seine ADAC-Mitgliedschaft aufkündigen.
Es werden also immer starke Lobbiistengruppen gute Gründe dafür finden, dass in unserem Staate Tests nicht vorgeschrieben werden.
Zum Schluss:
Zwar sind ältere Pkw-Führer, -bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil-, prozentual gering an Verkehrsunfällen beteiligt.
Nur, wenn sie als Pkw-Führer an Verkehrsunfällen mit Personenschaden beteiligt sind, dann sind sie nach meinem Kenntnisstand zu 75 bis 84 % als Unfallverursacher anzusehen (2004 - 2008, 75 Jahre und älter; Zahlen aus einer Kreispolizeibehörde im Ruhrgebiet).
Damit ist die Unfallverursacherquote größer bzw. gleich mit der uns wohlbekannten Gruppe der Fahranfänger bzw. Jungen Erwachsenen.
Nur bei denen sind mittlerweile viele gesetzliche Maßnahmen ergriffen worden.
Wann nehmen wir uns endlich des Problems der alten Pkw-Führer und -führerinnen an?
11:29
Am Sonntag am Blumenmarkt erlebt: Rentner, ca. 75 - 80 Jahre alt, schleicht zu seinem Auto und steigt ein. Nach knapp einer Minute merkt er, dass er auf dem Beifahrersitz sitzt und steigt wieder aus. Schleicht um das Auto herum, steigt auf den Fahrersitz und schließt die Tür. Nach ca. 5 Minuten ist es ihm dann gelungen, das Kfz in Betrieb zu setzen, um dann mit ca. 7 km/h los zu düsen. Noch Fragen??
10:49
Gestern noch am Stadtwald erlebt. Erst die Tortur des Einparkens (erst vorwärts und dann unzählige Lenkbewegungen), rückwärts schauen eh nicht möglich (wahrscheinlich steifer Nacken?!) und nach dem Aussteigen 1m in 3 Minuten.
Tut mir leid, aber Mumien sollten keine Fahrzeuge bewegen.
07:41
Es ist wahr, statistisch gesehen sind alte Menschen nur in einem geringen Ausmaß am Gesamtunfallgeschehen beteiligt. Sie fahren aber auch wesentlich weniger, z.B. Wege zur Arbeit etc. entfallen.
Und eines ist doch wohl klar, ob jung oder alt! Wer zu blöd ist Gas mit Bremse zu verwechseln, und noch nicht einmal merkt, dass er eine Imbissbude samt Gästen wegräumt, dem gehört der Führerschein weggenommen.