Senioren in Essen üben das Fahren mit einem Pedelec

Elektrobetriebene Pedelecs sind bei Senioren ein sehr beliebtes Verkehrsmittel geworden.
Elektrobetriebene Pedelecs sind bei Senioren ein sehr beliebtes Verkehrsmittel geworden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Elektroräder sind der Renner auf dem Fahrrad-Markt – auch für Senioren. Doch das Verletzungsrisiko ist groß. Da hilft nur das richtige Training.

Essen.. Diese Gelegenheit ließen sie sich nicht nehmen: 120 Senioren haben ruckzuck ein Angebot der Verkehrswacht, der Polizei und des Energiekonzerns RWE angenommen, um am kommenden Samstag auf dem Verkehrsübungsplatz in Frillendorf das Radeln zu trainieren.

Üben – wie bitte? Nicht sicher auf dem Sattel? Noch nie Fahrrad gefahren? Doch, doch..

Aber kaum auf einem Pedelec. Dort, wo die Kraft nicht vom Muskel, sondern vor allem vom Akku kommt. Und der Biker mit wenigen Tritten schon Tempo 25 erreicht.

Elektroräder sind ein Renner

Elektroräder sind der Renner geworden. Allein im Vorjahr wurden bundesweit fast eine halbe Million Stück verkauft. Gerade Senioren erkaufen sich damit ein Stück mehr an Lebensqualität, weil sie bequem Ausflüge ins Grüne machen und ihre Alltagsgeschäfte erledigen können.

Das Problem ist nur: Der ein oder andere Kunde ist gar kein typischer Radfahrer, sondern steigt direkt vom Auto aufs Elektrorad um. Er muss erstmal die richtige Balance finden, ist aber gleich schneller als ein normaler Radfahrer. Damit steigt die Unfallgefahr mit möglicherweise gravierenden Folgen gerade für die älteren Verkehrsteilnehmer.

„Bei Unfällen mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern können schwere Verletzungen entstehen“, warnt Polizeisprecher Marco Ueberbach. Und welcher Autofahrer ahnt schon, dass der Opa auf dem Fahrrad plötzlich so flink ist? Ueberbach: „Die Geschwindigkeit wird bei den anderen Verkehrsteilnehmer oft unterschätzt.“

Sturzrisiko bei Älteren

Auch von denen, die auf dem Fahrradsattel sitzen. „Ich war anfangs manchmal mit meinem Pedelec schon zu schnell“, glaubt der Vorsitzende der Verkehrswacht, Karl-Heinz Webels. „Gerade bei Älteren ist das Risiko, sich bei einem Sturz die Knochen zu brechen, viel größer.“

Verlässliche Zahlen zu Pedelec-Unfällen gibt es derzeit noch nicht. Die Essener Polizei erfasst sie erst seit 2014 gesondert in ihrer Unfallstatistik. Gerade am Anfang war nicht auszuschließen, dass der ein oder andere verunglückte E-Biker als normaler Radfahrer aufgeführt worden ist.

Etwa ein Dutzend E-Biker verunglückten letztes Jahr auf den Essener Straßen. „Das ist noch eine überschaubare Zahl“, so Polizeisprecher Ueberbach, der allerdings befürchtet, dass diese in Zukunft steigen wird. „Der Boom hat doch gerade erst begonnen. Deshalb müssen wir schon jetzt über die Gefahren aufklären.“

Geschwindigkeit wird unterschätzt

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sieht zwar grundsätzlich kein höheres Unfallrisiko bei E-Bikes gegenüber herkömmlichen Fahrrädern, allerdings gebe es die Tendenz, dass die Annäherungsgeschwindigkeit von Pedelec-Fahrern, (auch gerade bei zunehmendem Alter) von anderen Verkehrsteilnehmern falsch eingeschätzt wird.

Die Essener Polizei fand bei einer ersten Betrachtung der hier 2014 erfassten E-Bike-Unfälle heraus, dass ein „großer Teil“ der Verunglückten über 50 Jahre alt ist. Und: Die Mehrzahl der Pedelec-Fahrer hat den Unfall nicht verursacht.

In einem sind sich alle vom Zweirad-Industrie-Verband bis zur Verkehrswacht und dem Fahrrad-Club ADFC einig. Wer ein E-Bike kauft, sollte sich zuvor gut beraten lassen. Testfahrten machen – und vor allem an einem sicheren Ort üben.

Was ADFC, Polizei und Verkehrwacht sagen

Der ADFC-Essen empfiehlt: Gute Strecken zum Eingewöhnen sind die montags bis freitags nicht so stark frequentierten alten Bahntrassen, vor allem die der Rheinischen Bahn. Und: Vor dem Kauf sollten Senioren für sich selbst grundsätzlich klären, ob das E-Bike-Fahren für sie nicht eine Nummer zu groß ist. „Ziehen sie eine dritte Person zu Rate“, sagt der Vorsitzende Jörg Brinkmann. Er plädiert übrigens für ein Pedelec mit Antrieb im Pedalbereich und einem Akku am Sattelstützrohr. So sei das Gewicht besser verteilt.

Die Polizei Essen hält einen Helm gerade für Pedelec-Fahrer für „unabdingbar.“ Ueberbach: „Mofafahrer sind verpflichtet, einen Helm tragen. Und die fahren ebenfalls höchstens 25 Stundenkilometer.“ Der Helm sollte Reflektorstreifen haben. „Damit wird der Radfahrer auch am Tag besser gesehen.“

Die Verkehrswacht Essen rät dazu, sich vor dem Kauf erst ein Pedelec auszuleihen und Testfahrten zu machen. Generell mahnt Vorsitzender Webels: „Übertreiben Sie es nicht. Sie sind mit einem Schub sofort auf volle Geschwindigkeit.“