Semesterticket bald abgelaufen

José Luis Castrillo in einem Hörsaal am Campus Essen. Der VRR-Vorstand warb bei den Studenten für den neuen Vertrag zum Semesterticket. Bislang kostet das Ticket 114. Der Preis soll etappenweise auf 160 Euro steigen.
José Luis Castrillo in einem Hörsaal am Campus Essen. Der VRR-Vorstand warb bei den Studenten für den neuen Vertrag zum Semesterticket. Bislang kostet das Ticket 114. Der Preis soll etappenweise auf 160 Euro steigen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Gespräche zwischen VRR und studentischen Hochschulvertretern bleiben ergebnislos. Gegenangebot der Asten mit Hinweis auf fehlende Wirtschaftlichkeit abgelehnt.

Essen.. Schon als VRR-Vorstand José Luis Castrillo am Donnerstagabend den Hörsaal der Uni Duisburg-Essen betrat, war klar: Im Streit um das Semesterticket gibt es nur noch wenig Hoffnung auf ein Happy End. Die Fronten sind verhärtet, daran hat auch das Gespräch zwischen Castrillo und knapp tausend Essener Studenten nichts geändert. Der Verkehrsverbund hofft weiter darauf, dass die Hochschulen an Rhein und Ruhr dem eigenen Vertragsentwurf zustimmen. 15 kleinere von insgesamt 34 Bildungseinrichtungen haben das bereits getan. In 13 dieser Fälle unterschrieb stellvertretend die Universitätsverwaltung.

Die großen Unis und ihre studentischen Vertreter wollten aber nicht so einfach klein bei geben, wie Marcus Lamprecht, zuständiger Asta-Referent an der Uni Duisburg-Essen erklärt. Der 25-jährige Hochschulpolitiker und seine Mitstreiter haben ein Gegenangebot gezimmert. Die Preise sollten steigen, wenn auch nicht in der vom VRR gewünschten Höhe. Lamprecht, der Hochschulpolitiker, glaubte damit den Weg für neue Gespräche ebnen zu können.

Doch spätestens als er José Luis Castrillo die Mappe mit den überarbeiteten Preisvorstellungen überreichte, wurde ihm klar, dass es keine Verhandlungen geben würde. „Wir können keine Gesprächsbereitschaft erkennen“, sagt der Politikstudent. „Ich hatte vor allem das Gefühl, dass Herr Castrillo kein gemeinsames Foto mit uns und dem Gegenentwurf wollte, allein um zu signalisieren, dass dies für ihn kein Thema ist.“ Es dauerte nur wenige Stunden, bis der VRR Lamprecht eine Absage via Email schickte. Das Semesterticket sei so wirtschaftlich nicht tragfähig, heißt es darin.

Emotionale Diskussionen

Für Lamprecht und den Asta ging das alles etwas schnell. Man könne sich in der Kürze der Zeit gar nicht wirklich mit dem Vorschlag befasst haben, lautet der Tenor. Nun hoffen die Studenten auf den Verwaltungsrat des VRR, denn dort, so Lamprecht, werden die politischen Entscheidungen getroffen. Bislang gibt es keinen Termin für ein solches Gespräch. Ein ursprünglich für den 18. Februar angesetztes Treffen wurde verschoben. Eine Verabredung mit der Verkehrsgesellschaft Via ist bislang ebenfalls nicht zustande gekommen. Dabei haben nach Meinung des Asta gerade die kommunalen Verkehrsunternehmen ein großes Interesse an einem zügigen Vertragsabschluss. Allein in Essen nutzen rund 25.700 Studenten das Semesterticket und damit auch die Busse und Bahnen der Evag, weshalb sich auch hier die Frage der Refinanzierung stellt.

Eines dürfte jedoch allen Beteiligten klar sein: Ihnen läuft die Zeit davon. „Um das Semesterticket nicht zu gefährden, muss man sich bis Ende Frühjahr einigen“, sagt Holger Finke, Sprecher des VRR. Dies hänge mit unterschiedlichen administrativen Abläufen an den Hochschulen zusammen. Trotz des immer enger werdenden Zeitfensters gibt sich Finke optimistisch. „Von unserer Seite gibt es keine Deadline. Wir halten das Vertragsangebot aufrecht und gehen davon aus, dass weitere Unis dem Vorschlag zustimmen.“

Die Kritik des Astas, man habe das Gegenangebot nicht ergebnisoffen geprüft, weist Finke zurück. „Wir wollten uns nicht den Vorwurf gefallen lassen, auf Zeit gespielt zu haben. Deshalb haben wir uns schnell zusammengesetzt.“ Für einen Moment kann man erahnen, wie emotional die Diskussion um das Ticket zeitweise geführt wird. Gleich darauf herrscht wieder nüchterner Verwaltungston: „Die Rahmenbedingungen des Asta-Gegenangebots waren für uns nicht akzeptabel.“