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Seltene Wasserralle pfeift auf Millionen-Projekt

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Der bedrohte Hirschkäfer bremste einst die Erweiterung des Frankfurter Flughafens. Wenn nur Knabberspuren des possierlichen wie gefährdeten Feldhamsters auftauchen, haben Architekten von Großbauprojekten schon Sorgenfalten auf der Stirn. Jetzt hat auch Essen ein kleines Blockade-Tier: Wo die Emschergenossenschaft an der Stadtgrenze zu Mülheim einen millionenschweren Umbau am Borbecker Mühlenbach plant, leben Wasserrallen. Der geschützte Vogel muss jetzt umgesiedelt werden.

Die Planung ist weitgehend abgeschlossen, die Genehmigung in Arbeit: Am Frohnhauser Weg will die Emschergenossenschaft ein 9.500 Kubikmeter großes, unterirdisches Rückhaltebecken errichten. Eineinhalb Jahre Bauzeit sind vorgesehen, ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag wird an der Stadtgrenze zu Mülheim investiert. Wann’s zum ersten Spatenstich in der Nähe des Borbecker Mühlenbachs kommt, ist allerdings fraglich. Denn bei einer Kartierung, bei der der Bestand von planungsrelevanten Tieren dokumentiert wird, notierten die Experten von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet unter den 45 Vogelarten vor Ort auch die geschützte Wasserralle. Kurios: Zwar sah Diplom-Biogeograf Tobias Rautenberg den scheuen Vogel, der sich gut zu tarnen weiß, nicht. Aber er vernahm dessen besonderen Gesang. „Der ist markant und unüberhörbar“, erklärt Zwitscher-Experte Rautenberg.

Wo die Wasserralle wohnt und nistet, darf im Rahmen des ökologischen Umbaus nicht gebaggert und gebaut werden, um die Artenvielfalt zu erhalten. Deshalb ist die Emschergenossenschaft als Träger der Großmaßnahme gefordert. Die Lösung für das Problem: Der seltene Vogel muss umgesiedelt werden. Daran arbeiten die Experten derzeit. Knapp 800 Meter von der künftigen Baustelle entfernt wird für das Tier ein neues Habitat errichtet. „Die Emschergenossenschaft hat eine sehr geeignete Stelle gefunden“, sagt Tobias Rautenberg.

Dort wurde ein Loch ausgebaggert und ein kleiner Tümpel mit Tal-Aue angelegt. Schilf hübscht das potenzielle Brutgebiet noch auf. Für die Wasserralle, die feucht-sumpfige Umgebung schätzt, eine Oase, wenn nicht gar ein kleines Paradies. „Jetzt hoffen wir, dass es mit dem Umzug klappt“, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft. In den kommenden Wochen werden die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen. Dann ist die Wasserralle gefordert. Der ornithologische Gutachter Tobias Rautenberg wird im Frühjahr erneut an den Frohnhauser Weg kommen, sich dort getarnt auf die Lauer liegen und überprüfen, ob die geordnete Umsiedlung erfolgreich war. Auch dann muss er das seltene Tier nicht sehen, sondern nur hören. Wenn der Vogel-Experte dann sein Okay gibt und das Genehmigungsverfahren der Bezirksregierung abgeschlossen ist, kann das Rückhaltebecken gebaut werden.

Thorsten Schabelon und Dietmar Mauer

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Seltene Wasserralle pfeift auf Millionen-Projekt
Seltene Wasserralle pfeift auf Millionen-Projekt
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2015-01-24 00:11
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