Sehnsucht nach Wärme

Skeptiker haben sofort den Teufel an die Wand gemalt, als Essen den ungewöhnlichen Versuch wagte, Menschen aus der so genannten Trinkerszene an die Arbeit zu kriegen, indem ausgerechnet Bier als Motivation eingesetzt wird.

„Alk für Alkis“ – das ist aber nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Denn beim genauen Hinsehen handelt es sich keinesfalls um Leute, die ein normales bürgerliches Leben führen und bloß zu oft einen über den Durst trinken. Nein, die Zielgruppe des ehrgeizigen Pick-Up-Projekts rekrutiert sich aus Schwerst- und Mehrfachabhängigen. Aus jenen, die spritzen und sniffen, und für die Alkohol nur eine weitere Form der Betäubung ist.

Schwere Drogensucht ist eine Krankheit. Eine, die nicht auf Rezept heilbar ist. Diejenigen, die jetzt als Ein-Euro-Jobber mit Besen und Schaufel durch die City ziehen, haben schon etliche Anläufe unternommen, um dem Teufelskreis zu entfliehen. Auch wenn einige bereits nach wenigen Tagen gescheitert sind: Andere aus der „Putztruppe“ wollen durchhalten. Hut ab!

Kurios: Ausgerechnet das umstrittene Motivations-Bier spielt nur noch eine Nebenrolle. Die Pick-Up- Leute sehnen sich nicht nur nach einem geregelten Alltag, sondern auch nach dem wohlig-warmen Gefühl, endlich wieder Teil dieser Gesellschaft zu sein und keine nutzlosen Aussätzigen.