Schwimmen, laufen, ruhen, gucken – der Baldeneysee

Diese mit Büschen eingefasste Bank, ungefähr an der dicksten Stelle des Sees, gewährt einen selten schönen und umfassenden 180-Grad-Blick.
Diese mit Büschen eingefasste Bank, ungefähr an der dicksten Stelle des Sees, gewährt einen selten schönen und umfassenden 180-Grad-Blick.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein besonderer Ort, vielleicht der schönste in der Stadt überhaupt: Der Baldeneysee ist die große Essener Wundertüte, er bietet vieles und künftig vielleicht noch etwas mehr. Hier der Dreiklang unseres Autors: Baden, Lieblingsbank und Vogelschaublick vom Jagdhaus Schellenberg.

Essen.. Man mag einwenden: Über den Baldeneysee in dieser Serie zu schreiben, das ist wie Eulen nach Athen tragen. Denn dass dieses rund acht Kilometer lange, bis zu 350 Meter breite Gewässer zu den besonderen Essener Orten zählt, ist so klar, dass es kaum erwähnenswert zu sein scheint. Jeder hat indes eigene Lieblingsorte an Essens schönster Küste.

Für mich besteht ein guter Tag am See aus einem bestimmtem Dreiklang am Nordufer, und das muss jetzt bitte unter uns bleiben: Schwimmen gehört einfach dazu. Als leidenschaftlicher See- und Flussschwimmer lasse ich mir das eigentlich verbotene Eintauchen in den See nicht vermiesen, so wie auch Schweizer und Süddeutsche nicht im Traum daran denken, auf die Kühlung im Bodensee und im Oberlauf des Rheins zu verzichten. Ruhrverband und Stadt mögen es mir verzeihen. Oder auch nicht.

Gute Schwimmstelle in Höhe Bootshaus Seehof

Eine gute Schwimmstelle befindet sich zwischen dem Bootshaus „Seehof“ und dem Sporthafen an der Lanfermannfähre. Wo der Wanderweg am See einen Knick macht, liegt noch gut erkennbar eine Treppe, auf der man bequem einsteigen und - mindestens ebenso wichtig - genauso wieder aussteigen kann. Dazwischen liegt der Himmel auf Erden. Anders als Freibadwasser ist Seewasser etwas Lebendiges. Es ist weich, riecht gut und ist je nach Tiefe mal kühler und mal wärmer. Bitte schön aufpassen, dass man keinen Schwänen oder gar Booten in die Quere kommt, aber da Schwimmen im Baldeneysee ja ohnehin bis auf weiteres verboten ist und hier ausdrücklich auch nicht zur Nachahmung empfohlen wird, erübrigt sich diese Warnung fast...

Erlaubt ist hingegen der Spaziergang zu meiner Lieblingsbank, die rund einen Kilometer entfernt liegt. Am Förderturm der Zeche Carl Funke hält man sich auf dem Uferweg, läuft vorbei an der Eon-Gastronomie und kommt dann auf Höhe der Marinekameradschaft Kupferdreh zu einer großartig gelegenen Ruhebank. Eingefasst von Büschen, nach vorne heraus aber offen, überblickt man hier an der breiten Knick-Stelle fast den gesamten See. In der richtigen Stimmung, zur richtigen Tageszeit und/oder mit der richtigen Begleitung lässt sich hier leicht ein halber Tag vertrödeln. Die ästhetisch gerade in Detailfragen sonst eher dürftig agierenden Seeufer-Gestalter haben hier mal einen großen Wurf gelandet.

Jagdhaus Schellenberg - am See turmhoch überlegen

Ähnliches kann man dann sagen übers Jagdhaus Schellenberg, das nicht nur räumlich turmhoch die sonstige Gastronomie am See überragt. Mit einem Drink auf der selten schönen Terrasse sitzen, den Blick schweifen lassen und den See aus der Vogelperspektive betrachten - ein perfekter Ausklang meines Tages am See. Und es gibt, je nach Temperament und Stimmung, wohl noch 1000 andere Kombinationen.

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