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Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle

13.05.2013 | 12:00 Uhr
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
Eine schwerkranke Mülheimerin ist acht Stunden in Polizeigewahrsam genommen worden.Foto: Sebastian Konopka

Essen/Mülheim.   Eine schwerkranke Mülheimerin ist hilfesuchend auf dem Bordstein umhergerobbt. Weil die Frau sich nicht ausweisen und auch nicht auf Deutsch ausdrücken konnte, nahm die Essener Polizei sie in Gewahrsam. Sie vermutete Drogenmissbrauch. Acht Stunden musste die Frau in einer Zelle bleiben - bis ihr Mann sie als vermisst meldete und schließlich fand.

Dass es hierzulande scheinbar sehr einfach ist, als redlicher Bürger, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, wie ein Krimineller behandelt zu werden und in Polizeigewahrsam zu landen, musste eine schwer kranke Mülheimerin dieser Tage erfahren. Acht Stunden sperrten man die Frau im Präsidium an der Büscherstraße in eine Zelle – bis ihr Mann sie als vermisst meldete, nach Essen kam, sie mit Schaum vor dem Mund Boden liegend vorfand.

So schilderte ein Leser und Nachbar des Mannes das Geschehen, in das nahezu jeder ungewollte geraten kann. Und über das Pressesprecher der Polizei in Essen-Mülheim, Peter Elke, sagt: „Die Kollegen haben alles richtig gemacht.“

Es war bei der Gartenarbeit, als der 43-Jährigen, die an einer schweren Lebererkrankung leidet, plötzlich schwarz vor Augen wurde. Da ihr Mann arbeiten und kein Nachbar in der Nähe war, versuchte sie, in Mülheim auf der Heißener Straße Hilfe zu finden. Mit letzter Kraft robbte sie über den Bordstein – bis jemand die Polizei rief, die Frau jedoch liegen ließ.

Die Beamten waren rasch vor Ort, wussten mit der türkischstämmigen Mülheimerin, die sich weder ausweisen noch in der für sie bedrohlichen wirkenden Situation auf Deutsch ausdrücken konnte, wenig anzufangen. „So haben die Kollegen dort eine Frau vorgefunden, die weder ihren Namen sagen, noch sich verständigen konnte. Dass sie schwer krank ist, hat sie den Kollegen nicht deutlich gemacht“, betont Elke. Man sei viel mehr davon ausgegangen, dass es sich womöglich um Alkohol- oder Drogenmissbrauch handele.

Notarzt konnte nichts feststellen

Anstatt in eine Klinik brachte man die Frau ins Präsidium und, nachdem ihre Fingerabdrücke genommen wurden, in die Zelle. „Wir haben versucht, sie zu befragen und einen Notarzt gerufen, der jedoch nichts feststellen konnte“, so Elke. Dennoch hätten seine Kollegen erkannt, dass sie vielleicht krank sei.

Daher habe man sie in einer ständig überwachten Sicherheitszelle einquartiert. Elke: „Ein Kollege ist mehrfach zu ihr gegangen und hat nach ihr geschaut; da hat sie immer geschlafen.“ Als ihr Mann die Wohnung unverschlossen und ohne seine Frau vorfand, meldete er sie umgehend als vermisst. Das berichtet der Nachbar. Als sich in der Wache heraus stellte, dass die Frau in einer Essener Zelle sitzt, „haben wir sie erneut von ei­ner Polizeiärztin un­tersuchen lassen. Ihr Zustand war nicht feststellbar“, sagt Elke.

"Eine innere Erkrankung lässt sich nicht von außen feststellen"

Als ihr Mann sie in Essen nicht ansprechbar und mit Schaum vorm Mund in der Zelle fand, sei der Notarzt gerufen worden, sagt der Nachbar des Mannes. Die Polizei stellt diese Situation anders da; die Polizeiärztin habe ihn gerufen. Wie auch immer: Am Ende brachte ein Krankenwagen die 43-Jährige in eine Klinik.

Ein Fehlverhalten kann Peter Elke nicht feststellen: „Eine innere Erkrankung lässt sich nicht von au­ßen feststellen. Daher ist alles richtig gelaufen. Man kann froh sein, dass die Kollegen sie mitgenommen haben.“ Denn das, so Elke, sei der übliche Ablauf, wenn jemand sich gegenüber den Beamten nicht ausweisen und ausdrücken könne.

Pascal Hesse



Kommentare
17.05.2013
11:25
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15.05.2013
13:28
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von JollyGreenGiant | #68

P.S.
Ich habe noch nie gehört, daß ein Angehöriger in eine Gewahrsamszelle gelassen wird, schließlich handelt es sich um einen Sicherheitsbereich. es erscheint mir also sehr unglaubwürdig, das der Ehemann sie in der Zelle gefunden haben will.
Auch was der zitierte Nachbar für eine Rolle spielt erschließt sich mir nicht wirklich. Wenn er doch so auf Stand der Dinge war, warum hat er nicht geholfen, oder wird hier nur wieder auf Kosten anderer ein markiger Spruch ohne wirkliche Grundlage geschoben?

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15.05.2013
13:22
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von JollyGreenGiant | #67

Ach ortskundiger, es wäre hier besser ein Rechtskundiger zu sein und vor allem von so offensichtlich schematischem Denken abzulassen. Die grünen Schergen gibt es schon lange nicht mehr in NRW und der Petitionsweg, um eine solche handelt es sich rein rechtlich bei einer Dienstaufsichtsbeschwerde, steht jedem offen, also selbst ran an den Speck und nicht nur einfach quatschen. Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten:
1. die Frau wird, wie vorgesehen bei unklarem Bewußtsein, von einem Arzt untersucht und für gewahrsamsfähig befunden. Ergebnis=Gewahrsam, die Rechtsgrundlage ergibt sich aus dem PolG NRW, von dem hier die meisten ohnehin noch nie gehört haben.
2. die Frau wird wie vor von einem Arzt untersucht und auf Grund eines unklaren Befundes für nicht gewahrsamsfähig erklärt. Ergebnis=Überstellung in ein Krankenhaus. Laut obigem Bericht lag ärztlich attestierte Gewahrsamsfähigkeit vor.
So what? Das der durchschnittliche Deutsche ohnehin alles besser weiß als der Fachmann ist bekannt.

1 Antwort
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von motte1710 | #67-1

Vielen Dank für diesen Kommentar, endlich mal sachlich.

14.05.2013
12:28
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von daisyblue | #66


Deutschkenntnisse nutzen leider wenig, wenn es sich beispielsweise um einen epileptischen Anfall handelt, bei dem die/der Betroffene sich nicht mehr äußern kann.
Das hätte wirklich böse ausgehen können, denn die Frau hatte in der Zelle offensichtlich einen erneuten Anfall. Sie hätte umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen, wo die medizinischen Geräte vorhanden sind, die eine gesicherte Diagnose gewährleisten. Erst dann hätten ggf. weitere Ermittlung angestellt werden können. Aus solchen Fehlern kann man lernen.

1 Antwort
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von defcon | #66-1

Es war aber kein epileptischen Anfall, es waren fehlende Deutschkenntnisse die
zu dem Dilemma führten. Nebelkerzen sind hier nicht zielführend.
Da niemand die 43-Jährige von einem Deutschkurs abgehalten hat,
hat sie alleine dafür die Verantwortung zu tragen.

Zum Glück kann sie hier nicht mitlesen, denn dann würde sie nie Deutsch
lernen wollen. Es könnte ja ein Schlaganfall, oder epileptischen Anfall,
oder ..... Deutschkenntnisse überflüssig erscheinen lassen.

14.05.2013
11:45
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von EinFreund | #65

Deutsch lernen...so einfach ist das, oder soll unsere Polizei jetzt TÜRKISCH lernen????

14.05.2013
11:05
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14.05.2013
09:49
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von 3009nico | #63

Glückwunsch Herr Reporter! Mit der tollen Schlagzeile hat er es ja gut hinbekommen, die Polizei mal wieder als Buhmann hinzustellen.
Das eine Person auch vielleicht mal zum eigenen Schutz eingesperrt wird, ist wohl vielen (siehe Kommentare) neu. Da Polizisten überwiegend keine Mediziner sind, wird ein Arzt gerufen. Der entscheidet nun kann sie eingesperrt werden oder muss sie in ein Krankenhaus.

Hoffe nur die Polizisten lesen das hier nicht und werden weiter hilflosen Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen.

Einige der blöden Kommentare hier gehören gelöscht! Und der Reporter in den Hintern ge....

3 Antworten
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von Jorgel | #63-1

Vielleicht landen sie auch irgendwann im Polizeigewahrsam, wenn sie mit Schlaganfall oder unterzuckert auf der Straße liegen. Da kann es nämlich durchaus sein, dass sie nicht mehr oder nur noch verwaschen sprechen können. Also ab in die Ausnüchterungszelle. Sie haben der Polizei ja nicht gesagt das nicht betrunken, sondern krank sind...

Soll heißen, die Polizei MUSS in solchen Fällen den Rettungsdienst verständigen. Der ist für hilflose Personen auf der Straße zuständig und kommt dafür jeden Tag ausgiebig und mehrfach zum Einsatz.

Warum also nicht hier? Dann wäre die Patientin sofort ins Krankenhaus gekommen, wo es entsprechend andere Diagnosemöglichkeiten gibt als sie der Polizeiarzt hat.

Erst nach Stunden wenn sie mit Schaum vor dem Mund in der Zelle liegen, den Rettungsdienst zu verständigen, entspricht nicht den Pflichten der Polizei - und erfüllt schlicht den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung...

Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von DerPinscher62 | #63-2

Das mit der "Schutzhaft "ist nicht neu. Gabs vor 80 Jahren schon mal in großen Stil. Hilfe sieht im übrigen anders aus. Jedenfalls möchte ich nicht solchen "Beamten" in die Hände fallen. Hier ist der gesamte Einsatz schief gelaufen. Es hätte durch die Polizei sofort ein Notarzt zur Einsatzstelle angefordert werden müssen - der hätte mit Sicherheit den Transport ins Krankenhaus angeordnet.

Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von Karl-Napp | #63-3

Jorgel: Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Es wird im Artikel erwähnt dass ein Arzt (also sogar höher qualifiziert als Rettungsdienstpersonal) hinzugezogen wurde und der NICHTS festgestellt hat....
Das soill doch wohl genügen oder muss da dann auch noch ein Oberarzt oder gar Chefarzt hinzugezogen werden????

14.05.2013
09:25
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von ortskundiger | #62

Dienstaufsichtsbeschwerde fertigen!!!! Aber dalli dem würd ich das Handwerk legen!! HAMMER-davon hätte die Frau sterben können.Gute Bessserung der Frau.

Dass es hierzulande scheinbar sehr einfach ist, als redlicher Bürger, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, wie ein Krimineller behandelt zu werden und in Polizeigewahrsam zu landen, musste eine schwer kranke Mülheimerin dieser Tage erfahren.


Was ein reisser.....einen über den Durst trinken und dem grünen Schergen begegnen und ihm einen Vogel zeigen oder sich verbal äussern,bringt einen schon in die Ausnüchterung mit allem pi pa po.....Willkommen in der Demokratie....und wenn Hools sich schlagen dann laufen die Bullen! LACH

1 Antwort
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13.05.2013
22:54
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von Shy_Eye | #61

Wann kritisiert die Polizei das eigene Verhalten Überhaupt mal? Selbst das Verhalten auf der Loveparade wurde nicht wirklich kritisiert, obwohl ziemlich viele Polizisten das Desaster gesehen haben. Also entweder läuft da was im Kopf oder der Ausbildung falsch

2 Antworten
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von K.Putt | #61-1

Was hätte die Polizei noch alles machen sollen ?
Die Dame wurde 2x ärztlich ohne Befund untersucht,
wenn sie einen Befund in Zettelform dabei gehabt hätte,
hätte man ihr helfen können.
Wenn ich im Ausland bin und an einer solchen Krankheit leide, habe ich einen
solchen Hinweis immer am Körper.
Es spricht ja nicht jeder Deutsch !

Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von Jones68 | #61-2

Die hätten 112 wählen sollen im übertragenem Sinne. Alkohol und Drogen war ja anscheinend ganz klar eine Fehleinschätzung. Ich habe einige Jahre Zeitung ausgetragen und zwei mal ist es mir passiert das ich Leute auf der Straße liegend gefunden habe die nicht ansprechbar waren. Ich habe auch die Polizie angerufen, die sind gekommen und hatten auch direkt die Kollegen mit dem Notarztwagen dabei. Es geht doch.. und da war wirklich Alkohol im Spiel. Trotzdem wurde sich ncoh vor Ort ärztlich gekümmert und nicht erst in die Ausnüchterungszelle gesteckt.

Polizei-Bashing ist hier ja auch gar nicht angebracht. Da gibt es doch wie überall gute und weniger gute Leute. Jetzt einfach mal sagen das es nicht so optimal gelaufen ist und beim nächsten mal besser machen ;-)

13.05.2013
22:53
Schwerkranke Mülheimerin suchte Hilfe und landete in Essener Zelle
von K.Putt | #60

Die Tatsache, dass in vielen Einwandererfamilien kaum oder gar kein Deutsch gesprochen wird kann böse Folgen haben.

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