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Schwerer ist leichter als leicht

07.02.2008 | 19:10 Uhr

Starke Charakteristika helfen, sich zu profilieren. Die Hövelschule in Altenessen setzt dabei auf individuelle Förderung Hochbegabter. Die Helene-Lange-Schule hat sich den Status einer "Europaschule in NRW" erarbeitet

SCHWERPUNKT SCHULEEr hat das Gesicht eines Denkers. Es ist der Blick, der ihn älter erscheinen lässt. Wenn seine dunkelbraunen Augen neugierig gucken, was die anderen Schüler machen. Und wenn er vertieft ist in die Aufgaben auf dem Blatt. Jir Ardalany ist Neun und geht in die 4. Klasse. Vor Kurzem hat er an einem Mathewettbewerb teilgenommen. Und ein Referat über den Walhai habe er verfasst, berichtet er schüchtern und lächelt.

Für Kinder wie Jir hat die Schulleiterin der Hövelschule in Altenessen ein besonderes Gespür. Ursula Bülhoff leitet die Grundschule "in einem sozialen Brennpunkt", wie sie sagt. Seit 15 Jahren beobachtet sie die Bedürfnisse ihrer - aktuell 270 - Schüler. Und sie merkt, wer "mehr Futter" braucht. Geistiges Futter. Wer mit acht Jahren Sätze von sich gibt wie "Schwerer ist für mich leichter als leicht", wie Zweitklässler Hassan, der zählt zu den Kandidaten.

Und wie Jir. Der brauchte mehr. In allen Fächern. Der Junge mit irakisch-kurdischen Eltern ist der Definition nach hochbegabt. Er lernt schneller, begreift die Zusammenhänge, denkt anders als Altersgenossen. Im Prinzip kann er von Glück reden, dass er auf der Hövelschule gelandet ist.

Dort wissen die Lehrer seit Langem: Nicht nur die, die weniger verstehen als der Durchschnitt, brauchen besondere Unterstützung. Sondern eben auch die Ausreißer nach oben. Seit rund zwei Jahren nimmt die Hövelschule am Projekt "Integrative Förderung hochbegabter Kinder" teil. Damit unterstützt auch die Stadt eine Lernkultur, die alle Kinder individuell fördert . Und zwar alle zusammen in einem Klassenraum.

Damit das funktioniert, müsse eine offene Lernatmosphäre herrschen, so Bülhoff. Die praktizieren an der Hövelschule alle Lehrer. Beinahe täglich steht Freiarbeit auf dem Plan.

In der 3a arbeiten die Schüler dann mit einer Knobel-Mappe oder dem Zahlen-Zauber. "Für die starken Rechner", sagt Bülhoff. So einer ist Marvin Kuhlmann. In Mathe übertrumpft er seine Mitschüler bei Weitem. Wie Jir war er beim Wettbewerb. Und häufig bekommt er von seiner Lehrerin einen Spezialauftrag. Der letzte: Rechenjogging bis in die Millionen. Das ist Stoff aus Klasse 6, für den Drittklässler kein Problem.

Wir Jir ist auch Marvin ein wenig schüchtern. Ein ruhiger Junge, angenehm und überhaupt kein Streber. Dabei gebe es, gerade bei besonders Begabten, auch sehr quirlige Kinder, berichtet Bülhoff.

Als Jir vor zwei Jahren eine Klasse übersprang, hatte er anfangs Eingewöhnungsprobleme. Davon ist jetzt nichts mehr zu spüren. Ob er beneidet werde wegen seiner Noten? Er schüttelt den Kopf. Also seien alle nett? "Ja, das könnte man so sagen", antwortet Jir bedächtig. Und an seinem Blick sieht man, dass er sich jedes Wort ganz genau überlegt.

Von Esther Fernholz

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