Schwangere getötet – Nachbarn in Altenessen sind schockiert

Nachbarn aus Altenessen wie Klaudia Paul stehen nach der Bluttat an der Wolbeckstraße, bei der eine junge Mutter und ihr ungeborenes Baby starben, unter Schock.
Nachbarn aus Altenessen wie Klaudia Paul stehen nach der Bluttat an der Wolbeckstraße, bei der eine junge Mutter und ihr ungeborenes Baby starben, unter Schock.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Die 22-Jährige aus Altenessen hatte sich so auf ihre „kleine Prinzessin“ gefreut. Ihr Lebensgefährte steht unter Tatverdacht und ist in U-Haft.

Essen.. Es sind die Schreie der Mutter, die die Nachbarn in Altenessen nie wieder vergessen werden. Die Frau sei auf die Wolbeckstraße herausgerannt und habe immer wieder gerufen: „Mein Kind, mein Kind“, da liegt ihre 22-jährige hochschwangere Tochter bereits tot im Badezimmer. Auch das ungeborene Mädchen stirbt bei der Tat, die sich wahrscheinlich am Sonntag oder Montag zuvor ereignet haben soll. Die Anwohner können die schreckliche Tat nicht fassen: „Sie war noch so jung, das geht mir so nah“, sagt eine Frau. Eine andere Anwohnerin hat einfach nur Angst, „mit so etwas hat doch hier keiner gerechnet.“ Kaum stehen die Streifenwagen vor ihren Häusern, sammeln sich auch die Nachbarn auf der Straße, wollen wissen, was passiert ist.

Es ist Mittwochabend, als Angehörige die Leiche von Mandy M. entdecken, am Donnerstag bestätigen Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der 33-jährige Lebensgefährte der jungen Frau wegen Totschlags in Untersuchungshaft sitzt. Die Polizei hatte ihn noch am Mittwochabend in seiner Wohnung an der Wolbeckstraße festgenommen, da stand er zwar unter Alkoholeinfluss, habe aber keinen Widerstand geleistet. Bei seiner Vernehmung habe er die Tat zwar nicht abgestritten, „will sich an den Hergang jedoch nicht erinnern können“, sagt Polizei-Sprecher Lars Lindemann.

Laut Polizei sei eine Waffe im Spiel gewesen

Inzwischen hat die rechtsmedizinische Untersuchung ergeben, dass die junge Frau „massiver Gewalteinwirkung ausgesetzt war“. Laut Polizei sei eine Waffe im Spiel gewesen, die jedoch noch nicht gefunden worden sei.

Fest steht, dass die Familie von Mandy M. regelmäßig Kontakt zu der werdenden Mutter hatte. Als sie tagelang nichts von der 22-Jährigen hörten, fuhren die besorgten Angehörigen zur Wolbeckstraße, die sich in ein Wohngebiet aus Altbauten und eines mit neuen, gepflegten Mehrfamilienhäusern samt riesiger Grünfläche und Spielplätzen für Kinder teilt. Dort lebte Mandy M. mit ihrem Lebengefährten, der eine Erdgeschosswohnung mit kleinem Garten gemietet hatte. Ob es seine Tochter war, die in den nächsten Tagen zur Welt kommen sollte, ist noch ungewiss. Ihre Mutter aber schrieb auf Facebook: „Der Countdown läuft noch genau 100 Tage – dann halte ich meine kleine Prinzessin endlich in meinen Armen. Wir freuen uns auf Dich.“ Sie nannte es das wundervollste Gefühl, die Tritte ihrer kleinen Tochter im Bauch zu spüren.

Nachbarn haben sie zuletzt am Sonntag gesehen

Polizei Doch Mandy M. und ihr Lebensgefährte wurden nicht die ersehnte kleine Familie. Stattdessen spielen sich vergangenen Mittwoch dramatische Szenen ab, von denen Nachbarn berichten. Kurz nachdem die Sorge der Familie zur tragischen Gewissheit wird, sind unzählige Polizeiautos, Krankenwagen und Seelsorger vor Ort. Auch Nachbarn stehen unter Schock. „Ich habe sie am Sonntagmorgen das letzte Mal gesehen“, sagt Klaudia Paul (50), die gegenüber wohnt. Da habe sich das Paar gestritten. Dabei sei Mandy M. sonst nie schlecht gelaunt gewesen, der 33-Jährige aber sei mitunter arrogant und eher ein Macho gewesen.

Am Mittwoch dann, als Klaudia Paul die lauten Schreie der Mutter hört, ist sie nicht die einzige, die sofort zum Fenster eilt. „Es war so schrecklich“, sagt sie. Immer wenn sie nun auf die Straße schaut, wo das blaue Auto von Mandy M. steht, kommt alles wieder hoch: „Ich werde das nie vergessen.“

Die Ermittlungen der Polizei werden nun in den nächsten Tagen andauern und letztendlich wohl ergeben, ob der Vorwurf weiterhin Totschlag lauten wird – oder möglicherweise Mord.