„Schwanengesang“ mit ansteckender Spiellust

Eigentlich sollte Reinhard Goebel als Spezialist für Alte Musik das dritte Barockkonzert auf Villa Hügel leiten. Doch da er krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste, gab das Folkwang Kammerorchester den Telemann-Abend nun noch stilechter als geplant: im Stehen spielend und dirigentenlos unter der Leitung von Konzertmeisterin Zuzana Schmitz-Kulanova. Damit konnte die erste Geigerin nach zahlreichen exzellenten Soloeinsätzen auch ihre musikalischen Führungsqualitäten darlegen.

Um den „Schwanengesang“ Georg Philipp Telemanns ging es in diesem symmetrisch angelegten Programm, um letzte Werke aus dem Jahre 1766: Ouvertüren, Divertimenti und eine Sinfonia melodica, die freilich nicht im Sinne der längst hereingebrochenen Wiener Klassik ausfiel. Denn der letzte große Barockmeister war genauso wie Bach seinem traditionellen Stil treu geblieben und hatte suitenartig gereihte Tanzsätze von der würdevollen Allemande bis zur quirligen Gigue geschrieben.

Das Orchester fächerte die Werke lebendig und präzis bis in die Fugatopassagen auf, hier in feiner Schwarzweißzeichnung, dort mit farbiger Holzbläserfärbung und hervorragenden Hörnern. Barockmusizieren so ganz ohne Patina, dafür mit ansteckender Spiellust – da machte das Zuhören Spaß