Das aktuelle Wetter Essen 20°C
Prozess

Schuldfrage im Prozess eines tödlichen Unfalls muss neu geklärt werden

10.07.2013 | 17:39 Uhr
Schuldfrage im Prozess eines tödlichen Unfalls muss neu geklärt werden
Vor dem Essener Amtsgericht muss sich ein Rentner verantworten, der einen Unfall verschuldet hatte.Foto: Oliver Müller

Essen.  Ein 67-jähriger Duisburger ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Er soll bei einem Unfall den Tod seiner auf der Rückbank sitzenden Tante verursacht haben. Doch plötzlich steht vor Gericht die Frage im Vordergrund, ob das Krankenhaus die schweren Schädelverletzungen der 78-Jährigen zunächst übersehen hatte.

Der 67 Jahre alte Autofahrer aus Duisburg weist vor dem Essener Amtsgericht jede Verantwortung für den tödlichen Verkehrsunfall am 10. März 2012 in Kettwig zurück. Doch um die Schuldfrage geht es am Mittwoch gar nicht. Geklärt werden soll erst einmal die Frage, ob die massiven Schädelverletzungen des 78 Jahre alten Opfers im Krankenhaus übersehen wurden.

Die Frau saß auf der Rückbank im Wagen ihres 67 Jahre alten Neffen. Laut Anklage hatte er an der Kreuzung August-Thyssen-/Essener Straße die Vorfahrt missachtet und war mit dem Auto eines 34-jährigen Ratingers kollidiert. Die schrecklichen Folgen seien damals gar nicht zu erkennen gewesen, sagt der Rentner, die Tante habe auch nicht geblutet. Sie hätte zum Notarzt sofort gesagt, dass ihr nichts weh tue. Zur genauen Diagnose sei sie ins katholische Krankenhaus in Werden verlegt worden.

Dort sei ein Rippenbruch festgestellt worden. Erst Tage später sei sie ins Uni-Klinikum verlegt worden, wo sie starb. Verteidigerin Wibke Girbert: „Erst in Zusammenhang mit der Verlegung wurde der Schädelbruch festgestellt. Entweder liegt ein Diagnosefehler im Werdener Krankenhaus vor, oder die Schädelverletzung geschah erst lange nach dem Unfall.“

Todesursache soll geklärt werden

Wenn das Gericht dieser Argumentation folgt, wäre der Angeklagte nicht direkt für den Tod seiner Tante verantwortlich und könnte nicht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden. Amtsrichterin Monique Dreher gab deshalb am Mittwoch ein medizinisches Gutachten in Auftrag, das die Todesursache klären soll.

Verantworten müsste sich der Duisburger Rentner, der die Vorfahrt missachtet haben soll, in einer neuen Hauptverhandlung aber auf jeden Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung. Auch sein Unfallgegner leidet noch heute an den Folgen des Zusammenpralls. Der angeklagte Rentner weist ihm die Schuld zu. Der Ratinger soll nämlich unvermittelt hinter einem Lkw mit Hänger ausgeschert sein, um dieses Fahrzeug zu überholen. Der Duisburger Rentner: „Er war für mich nicht einsehbar hinter dem Hänger. Ich konnte doch nicht damit rechnen, dass er sogar über die durchgezogene Linie fährt.“

In einem neuen Prozess, wenn das medizinische Gutachten zur Todesursache vorliegt, sollte er diese Aussage vielleicht überdenken. Amtsanwalt Laurent Piechaczek wies ihn schon auf die Schwächen der Aussage hin: „Laut verkehrsanalytischem Gutachten kann das nicht stimmen.“

Stefan Wette


Kommentare
Aus dem Ressort
Essen hofft auf Zuschlag für die neue Sparkassen-Akademie
Stadtplanung
Die Sparkassen-Akademie, das Weiterbildungsinstitut für die NRW-Sparkassen, sucht einen neuen Standort. Die Stadt Essen hält die Fläche der alten VHS für ideal. Bleibt zu hoffen, dass die Entscheider das ähnlich sehen. Essen hat viel Konkurrenz, entschieden wird bis Ende des Jahres.
Nach der Besetzung - Zukunft des Thyssen-Krupp-Hauses unklar
Hausbesetzer
Ohne Gewalt ging die Besetzung des ehemaligen Thyssen-Krupp-Gebäudes an der Frohnhauser Straße am Montagabend zu Ende. 16 Männer und Frauen hatten für mehr Freiräume für Kunst und Soziales demonstriert. Was das Unternehmen mit dem Haus plant, ist noch ungewiss
Vom Gladbecker Geiseldrama zu den Mafiamorden in Duisburg
Telefacts.tv
Thomas Schweres hat in seinem Journalisten-Leben schon einiges mitgemacht, das Gladbecker Geiseldrama, die Duisburger Mafiamorde, Amok-Läufe. Schweres und sein Sohn rücken dann meist für RTL an, wenn die Blaulicht-Reporter wieder weg sind. Auf der Suche nach der Geschichte hinter der Geschichte.
Polizei Essen sucht nach geistig behindertem Wolfgang
Vermisstenfall
Der 38-jährige Wolfgang ist vor zehn Tagen aus seiner Einrichtung in Essen verschwunden. Er ist zwar regelmäßig ein bis zwei Tage mit Zügen unterwegs, jetzt hat aber seit Tagen keiner mehr ein Lebenszeichen von ihm erhalten. Parallelen zum vermissten Pierre gibt es derzeit nicht, sagt die Polizei.
Essener Energieversorger Steag klagt gegen Spanien
Steag
Beim Essener Kraftwerkskonzern Steag kriselt das bislang ertragsstarke Auslandsgeschäft. Doch die Übernahme durch Stadtwerke aus finanzschwachen Kommunen des Ruhrgebiets erhält den Segen der Behörden.
Umfrage
Die Kettwiger Straße in Essen ist bundesweit unter den Top 20 der meistbesuchten Einkaufsmeilen. Gehen Sie auf der Kettwiger Straße einkaufen?

Die Kettwiger Straße in Essen ist bundesweit unter den Top 20 der meistbesuchten Einkaufsmeilen. Gehen Sie auf der Kettwiger Straße einkaufen?

 
Fotos und Videos
Besuch bei der Feuerwehr Essen
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
50 Jahre Georg-Melches-Stadion
Bildgalerie
Historische RWE-Fotos