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Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse

29.05.2011 | 06:00 Uhr
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
Zwei Schüler warten an der Essensausgabe. Foto: Ulrich von Born

Essen.   Fünf Millionen Euro wurde in Ausgabeküchen in Schulen investiert. Doch die Nachfrage nach warmem Mittagessen hält sich in Grenzen.

Für 2,25 Euro bekommt man in der Schul-Mensa einen Teller Nudeln mit Bolognesesoße plus Möhrensalat. Fürs gleiche Geld würde man aber auch sieben „Kinder Country“-Riegel am Kiosk vor dem Schulgelände bekommen. Die machen ja auch irgendwie satt. Und das ist das Problem.

Das Turbo-Abi verkürzt die Schulzeit an den Gymnasien, die einzelnen Tage sind deshalb länger geworden. Fünf Millionen Euro wurden deshalb zuletzt an den Essener Schulen investiert. Klassenzimmer wurden zu Ausgabe-Küchen umgebaut. Ohne Herd, dafür mit Warmhaltegeräten. Für richtige Küchen war zu wenig Geld da. In Rüttenscheid wird sogar eine ganz neue Zentralmensa gleich für drei Schulen gebaut, nach den Sommerferien soll sie fertig sein, Kosten: knapp 900 000 Euro. 450 Schüler können dann pro Tag mit Essen versorgt werden, das fertig angeliefert wird.

Einer der größten Essens-Lieferanten ist die städtische Service-Gesellschaft RGE mit Zentralküche im Rathaus. Sie liefert täglich etwa 1500 bis 2000 Essen an 32 Schulen und Kindergärten. Das sind im Schnitt zwischen 47 und 62 Essen pro Tag und Einrichtung. Und das, obwohl die großen Gesamtschulen darunter sind, die so gut wie alle jeweils mehr als 1000 Schüler haben.

Schüler stehen auf Pommes, Pizza, Currywurst und Döner

Wenn sich der Stundenplan ändert, oder wenn auch Snacks wie Frikadellenbrötchen verkauft werden, oder wenn Pommesbuden in direkter Nachbarschaft liegen, dann führe das direkt zu weniger verkauften Essen, berichtet Christian Poncin, Gastronomie-Leiter der RGE. Wenn es nach den Schülern ginge, würde es täglich Pommes, Pizza, Currywurst und Döner geben müssen, aber: „Unsere Speisepläne sind nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gestaltet.“ Also gab es am Montag Nudeln Bolognese, am Dienstag Kartoffeltaschen, am Mittwoch Hähnchenkeule mit Reis und Erbsen, am Donnerstag Seelachs und am Freitag Möhrengemüse.

Schulen, die andere Speiselieferanten haben, machen ähnliche Erfahrungen: „Die Kinder essen lieber Snacks. Warme Gerichte, vor allem solche gut bürgerlicher Art, sind wenig gefragt“, sagt Matthias Rink, Leiter des Grashof-Gymnasiums. Die Schule bezieht ihr Essen derzeit testweise aus der Kantine der Karstadt-Hauptverwaltung; man sei bislang „sehr zufrieden“. Aber: „Mehr als 20 oder 30 warme Essen am Tag“, sagt Rink, „verkaufen wir selten.“ Beliebter seien gefüllte Teigrollen (Wraps), Salate, Pizzaecken. „Und die machen wir alle selbst.“

Mütter in Borbeck kochen täglich frisch

Glücklich können sich solche Schulen schätzen, die richtige Küchen haben, in denen gekocht wird – am Mädchengymnasium Borbeck zum Beispiel. Eine Mädchenschule, fand man 1967 bei der Einweihung, müsse Hauswirtschaftsunterricht anbieten. Also baute man eine Küche ein. Mütter kochen täglich frisch. Immerhin: 50 bis 60 warme Essen, schätzt Schulleiterin Elisabeth Gemein, gehen täglich mindestens weg. „Manchmal sind es auch 130.“

„Die Unterstufenschüler essen noch warm, bei den Älteren ebbt es langsam ab“, berichtet Patrick Rodeck vom Gymnasium Nord-Ost. Gegenüber liegt ein Mc Donald’s . Die Nähe ist verführerisch. Die Restaurants in Altenessen und am Porscheplatz haben längst reagiert: Das „Schüler Menü“ mit kleinem Getränk, Burger und kleiner Pommes kostet 4,09 Euro.

Martin Spletter


Kommentare
30.05.2011
18:02
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von Neill | #18

@amo 17
Ein vollwertiges Mittagessen ist für 3,25 nicht zu teuer. Aber für Milchreis oder Eintopf ist es zuviel.

30.05.2011
14:12
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von JPGroene | #17

@16 Es soll Familien geben die sich 3,25 € für ein Mittagessen nicht leisten können. Das kochen zu Hause billiger ist hilft in einer Ganztagsschule aber nicht weiter.

30.05.2011
13:29
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von amo17 | #16

#9
Man kann lange über die Qualität von Mittagessen diskutieren.
Dass aber ein Essen für 3,25€ zu teuer sein soll, das kann ich nicht nachvollziehen. Ein ordentliches Mittagessen sollte uns schon etwas wert sein.

30.05.2011
12:14
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von kollest | #15

@#14ichsachmaso: Ich fürchte, Ihr Kommentar trifft den Nagel voll auf den Kopf. Mitgebrachtes Essen ist anscheinend wirklich völlig uncool...

30.05.2011
11:07
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von ichsachmaso | #14

Die deutsche Subkultur macht auch vor dem Essen nicht halt. Wer als Kind schon zu Hause nichts hochwertiges bekommt, der wird auch regelmässig zu Pommes, Burger, etc. greifen. Der Deutsche is(s)t nun mal bequem. Und die deutsche Regelwut will es geschmaklich auch wieder allen recht machen. Da muss jeder *********** sein gesegnetes Essen haben. Welche Küche soll das schaffen? Es wäre doch schon ein Erfolg, wenn Eltern sich nur darum kümmern würden, Obst, Gemüse oder eine Knifte ihren Kindern mit in die Schule zu geben. Aber das ist dann wohl nicht cool genug.

30.05.2011
09:07
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von kollest | #13

Und selbstverständlich gibt es zur Auswahl Halal oder vegetarisch; allein an einer Realschule im Essener Norden häufen sich die Beschwerden über das Essen der RGE; sei es von muslimischer Seite (Ist da wirklich nicht ein Fitzelchen Schwein drin???), sei es von anderer Seite (...wieso eigentlich von vornherein Halal???). Als ich noch zur Schule ging (so in den 80er Jahren...), da war die Entscheidung relativ einfach: Pommes und Kuchen und fertig!!!

29.05.2011
14:17
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von sandvik | #12

Das hört sich an wie Krankenhausfrass vor ein paar Jahren.
Kein Wunder wenn da keiner isst.

29.05.2011
14:12
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von sandvik | #11

Krankenhausfrass ist das wenn ich das so lese.
Dann wundert mich nix mehr.

29.05.2011
13:46
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von rawlins | #10

Der Speiseplan ist ja fast so schlimm, wie ich ihn mir vorgestellt habe...

29.05.2011
13:25
Schüler bevorzugen Big Mac statt Möhrengemüse
von Neill | #9

Der Bericht greift ein wichtiges Thema auf, verkennt aber, worin das Problem begründet liegt. Die Verantwortung, dass 10-18jährige Kinder und Jugendliche das in den Schulen angebotene Essen nicht konsumieren, liegt nicht bei den Schülern, sondern bei der Stadt Essen, bzw. ihrer Tochter RGE.

Die RGE selber wirbt wie folgt: „Täglich stehen zwei gesunde Gerichte sowie eine Palette von frischem Obst, Fruchtsäften und Snacks zur Auswahl“.
An meiner Schule gibt es ein warmes Gericht, manchmal Obst (immer nur eine Sorte) als Nachtisch zum Mittagessen, keine Fruchtsäfte sondern stark zuckerhaltige Getränke und als Snacks Pizza und Co. Zudem müssen zu wenige Mitarbeiterinnen die Ausgabe meistern, so dass selbst bei geringer Nachfrage die Schüler mindestens 15 Minuten anstehen müssen.

Hinzu kommt, dass die Qualität des Essens schlecht ist. Oftmals vergeht auch mir als Lehrer der Appetit beim Anblick der Speisen – wenn nicht schon der Speiseplan mich von der Mensa ferngehalten hat. Als vollwertige Mittagessen werden einmal wöchentlich Süßspeisen für 3,25 Euro angeboten – ohne dass es eine herzhafte Alternative gäbe. Auch bei den anderen Angeboten finde ich den Preis oftmals zu teuer. So umfasst das Angebot in der nächsten Woche: Mo: Spinat mit Rührei und Karoffeln (zu teuer), Di: Erbseneintopf mit Bockwurst (zu teuer), Mi: Schnitzel mit Kroketten und Krautsalat, Do Frei, FR: Milchreis mit heißen Kirchen (zu teuer).

Welcher Erwachsene würde bei einem solchen Speiseplan jeden Tag in die Kantine gehen wollen?

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