Schreck für Fahrgäste - U-Bahn fuhr mit offener Tür los

Eine U-Bahn fuhr los, obwohl eine Tür noch offen war.
Eine U-Bahn fuhr los, obwohl eine Tür noch offen war.
Foto: Foto: Arne Poll
Was wir bereits wissen
Eine Bahn der Linie U 17 ist losgefahren, obwohl eine Tür noch geöffnet war. Die Verkehrsgesellschaft Evag konnte den Fehler bis heute nicht finden.

Essen.. Es muss ein Alptraum für die Fahrgäste gewesen sein. Da sehen sie die offene Tür der U-Bahn und wollen noch einsteigen. Doch der Zug fährt einfach los – mit offener Tür. In Essen ereignete sich ein solcher Vorfall vor acht Tagen auf der Linie U 17. Am Hauptbahnhof stellte die von Kunden alarmierte Evag fest, dass eine Tür der U-Bahn mit der Nummer 5110 nicht schloss und der Zug trotzdem anfahren konnte.

Bahn wurde aus dem Verkehr gezogen

Genau das darf niemals passieren – dafür sollten auch spezielle Sicherungssysteme sorgen. Die Bahn wurde sofort aus dem Verkehr gezogen und zum Betriebshof gebracht. Die Verkehrsgesellschaft Evag konnte bis heute die Ursache für den Defekt nicht finden. Solange keine Klarheit herrscht, darf die U-Bahn der Baureihe B-100 nicht mehr im Linienverkehr eingesetzt werden. Sie wird jetzt stattdessen von der Fahrschule genutzt. Die Fahrer sollen darauf achten, ob und bei welcher Gelegenheit sich die Tür wieder nicht schließt. Die Techniker hoffen, so einen Hinweis zu bekommen, der ihnen bei der Spurensuche behilflich sein könnte.

Derzeit sind die Zuständigen der Evag-Werkstatt schlicht ratlos. „Bei uns kann sich keiner daran erinnern, dass so etwas in der Vergangenheit schon mal vorgekommen ist“, erklärt Evag-Sprecher Olaf Frei. Zwar klemmt schon mal eine Tür, aber dann müsste automatisch der „Fahrgeber“ am Steuerpult die Stromzufuhr blockieren, so dass der Zug nicht losfahren kann. Doch das war hier nicht der Fall. Auch leuchtete trotz offener Tür die grüne Lampe am Armaturenbrett. Dabei signalisiert diese Lampe eigentlich, dass alle Türen im Zug geschlossen sind.

Zwar handelt es bei dieser U-Bahn um einen älteren Bautyp, doch dessen Fahrzeuge sind bei regelmäßiger Wartung nicht anfälliger, zumal gerade die sicherheitsrelevanten Systeme genau überprüft werden.

45 neue Fahrzeuge

Die Evag will bis zum Jahre 2025 ihre U-Bahn-Flotte für die Linien U11, U17 und U18 bis 2025 durch 45 neue Fahrzeuge austauschen. Die Ausschreibung dafür erfolgt bereits in den nächsten Jahren. Aber auch mit den neuen U-Bahnen hält die Evag an ihrer bisherigen Sicherheitsphilosophie fest. Dazu zählt: Allein der Fahrer – und kein anderer ist der Kapitän an Bord. Er steuert selbstständig die Geschwindigkeit seines Zuges im 9,8 Kilometer langen U-Bahnnetz der Stadt Essen. Nur wenn er die Höchstgeschwindigkeit überschreitet, ein Haltesignal missachtet oder plötzlich das Bewusstsein verliert, wird der Zug automatisch gestoppt.

Die Fahrer der Rheinbahn in Düsseldorf haben es da bequemer. Während der Tunnelfahrt übernimmt ein Computer die Steuerung, nur ein Notstopp ist durch den Fahrer möglich. Er übernimmt erst das „Steuer“, wenn die Bahn in den U-Bahnhof einfährt. In manchen Städten wie auf bestimmten Strecken in London fährt die U-Bahn gar ohne Fahrer.

Evag hatte besseren Riecher

Essen wollte sich an solchen Projekten nie beteiligen – und das schon wegen der hohen Kosten. Im Nachhinein hatte die Evag wohl den besseren Riecher.

Denn auch die Düsseldorfer werden sich in den nächsten Jahren von der 1988 installierten „automatischen Linienführung“ in ihrem U-Bahnnetz verabschieden - und machen den Anfang mit der neuen Wehrhahnlinie durch die City. Der Hebel soll dann wieder ganz in der Hand des Fahrers liegen.