Schornstein schrumpft täglich um drei Meter

Aus der WAZ vom 29. Mai 1975:.  An der Westfalenstraße, die Bergerhausen mit Steele verbindet, verschwindet ein Kamin. Der 101 Meter hohe Schornstein gehört zu den Städtischen Pumpwerken, die bis vor kurzem noch mit Kohle betrieben wurden. Doch seit Anfang des Jahres sind alle Pumpen, die in Essen Trinkwasser fördern, auf Elektro-Betrieb umgestellt worden. Also ist der Kamin an der Westfalenstraße nicht mehr nötig.

Zwei Kaminbauer tragen den Schornstein, Baujahr 1950, nun Stein für Stein ab -- denn weil die Umgebung dicht bebaut ist, auch mit Leitungen und Rohren, kann der Schornstein nicht gesprengt werden. Insgesamt 13 000 Tonnen Material müssen so aufwändig und zeitintensiv bewegt werden. Pro Tag schrumpft der Schornstein so um etwa drei Meter. Die meiste Arbeit macht dabei der Gerüstbau – denn das Gerüst muss schließlich ständig angepasst werden.

An der Westfalenstraße hatten sich an diesem Tag zunächst einige Schaulustige eingefunden – denn angekündigt worden war die Sprengung des Schornsteins. Erst in letzter Sekunde war dieser Vorgang aber als zu gefährlich eingestuft worden.