Schonnebeck muss sich auf mehr Flüchtlinge einstellen

Das Gebäude an der Karl Meyer Straße 42 in Schonnebeck.
Das Gebäude an der Karl Meyer Straße 42 in Schonnebeck.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schonnebeck wird sich auf mindestens eine Anlaufstelle für Flüchtlinge mehr einstellen müssen: die Unterkunft an der Karl-Meyer-Straße 42.

Essener Norden/Schonnebeck.. Schonnebeck wird sich auf mindestens eine Anlaufstelle für Flüchtlinge mehr einstellen müssen. Die ehemalige und auch zukünftige Unterkunft an der Karl-Meyer-Straße 42 wird von der Stadt gemietet, derzeit umgebaut und soll ab Anfang Juli 70 Flüchtlingen Platz bieten. Außerdem rückt die alte Hauptschule Schetters Busch wieder stark in den Fokus. Ortspolitiker schreien auf.

„Wir haben große Anstrengungen unternommen, Flüchtlinge unterzubringen. Man muss auch wissen, ab wann man die Bürger überfordert“, kritisierte Rudolf Vitzthum, Sprecher der CDU, in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung VI. Besonders bitter stößt allen Bezirksvertretern der lange Mietvertrag an der Karl-Meyer-Straße, Laufzeit zehn Jahre, auf. Vitzthums Gegenüber von der SPD, André Vollmer, gab ihm Recht: „Wir nehmen die Leute mit offenen Armen auf, aber wir können nicht mehr. Nehmen Sie Abstand von der alten Hauptschule“, appellierte er. Das knapp drei Quadratkilometer kleine Schonnebeck mit seinen rund 11.000 Einwohnern stellt bislang knapp 120 Plätze an zwei Standorten, der Gerhard- und der Wengestraße.

Runder Tisch Zollverein trifft sich monatlich Wenn man überhaupt im Zusammenhang mit Flüchtlingen von einer „Verteilungsgerechtigkeit“ sprechen kann, dann wird diese Frage angesichts der derzeit im Schnitt 200 neuen Asylbewerber monatlich nicht mehr gestellt. „Uns fehlen in diesem Jahr noch 1403 Plätze. Eventuell müssen wir sogar in Turnhallen gehen“, erläuterte Holger Peters, Büroleiter von Sozialdezernent Peter Renzel, den Politikern. Mit anderen Worten: Die Stadt nimmt derzeit alles, was sie kriegen kann. Zahlreiche andere Standorte auf dem ganzen Stadtgebiet sind aktuell in der Prüfung, im Bereich dieser Ausgabe sind dies u.a. sogar das Handball-Leistungszentrum an der Raumer Straße in Frohnhausen oder das Berufsförderungswerk der Bauindustrie an der Lüscherhofstraße in Bergeborbeck. Schon sicher sind 200 neue Plätze in der ehemaligen Boecker-Zentrale an der Altenessener Hülsenbruchstraße.

Flüchtlinge könnten bereits im Oktober einziehen

Sozialdezernent Peter Renzel hebt angesichts der kurzfristig nach oben korrigierten Zahlen des Bundes – eine Steigerung von 50 Prozent – die Hände. In Schonnebeck hofft er auf Entgegenkommen. „Wir haben Verständnis für die Sorgen des Umfeldes. Der Stellhebel für den sozialen Frieden vor Ort, das wissen wir aus unseren anderen Einrichtungen, ist die lückenlose Betreuung an sieben Tagen in der Woche“, sagt er. An der Karl-Meyer-Straße wird die Caritas Ansprechpartner für Flüchtlinge und Nachbarn sein, außerdem wird auch ein Sicherheitsdienst gebucht. Daneben hofft Renzel auf den Runden Tisch Zollverein, der sich um alle Flüchtlings-Einrichtungen im Bezirk VI kümmert.

Die – wohl dringend nötige – Bürgerversammlung in Schonnebeck will der Sozialdezernent erst nach der Prüfung der Hauptschule Schetters Busch und dem wahrscheinlichen grünen Licht für die Aufrüstung zur Behelfsunterkunft terminieren. In spätestens zwei Wochen will man sich hierüber im Klaren sein, die Verwaltung hält einen Einzug der Flüchtlinge zum Oktober für möglich. Renzel: „Wir würden dann kurzfristig nach den Sommerferien die Bürger einladen.“ Ein leichtes Spiel wird er dann nicht mehr haben.