Schlechtere Job-Chancen für viele Hartz-IV-Empfänger

Langezeitarbeitslose wieder ins Berufleben bringen: Das ist die Aufgabe der Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft (EABG).
Langezeitarbeitslose wieder ins Berufleben bringen: Das ist die Aufgabe der Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft (EABG).
Foto: dpa
Die städtische Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft bemüht sich, Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben zu bringen. Doch diese Aufgabe wird schwieriger.

Essen.. Ulrich Lorch ist ein Mann für schwierige Fälle. Als Chef der städtischen Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft (EABG) kümmern er und seine Mitarbeiter sich darum, Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Die Menschen, die vom Jobcenter an die EABG vermittelt werden, sind vor allem eines: seit vielen Jahren ohne Arbeit. Im Durchschnitt, sagt Lorch, sind seine Kunden mittlerweile 8,3 Jahre arbeitslos. Zwei Jahre zuvor lag die Durchschnittsdauer noch bei 7 Jahren und vier Monaten.

Die lange Dauer der Arbeitslosigkeit ist das größte Hemmnis, warum die Betroffenen keinen Job finden. Hinzu kommen aber weitere Faktoren: 70 Prozent haben keinen Berufsabschluss, 68 Prozent fehlt der Führerschein, 60 Prozent haben Gesundheitsprobleme, 48 Prozent sind überschuldet, 32 Prozent sind älter als 50. Hinzu kommen noch Sprachschwierigkeiten, Suchtprobleme, Vorstrafen usw.

Je mehr solcher Merkmale ein Arbeitsloser aufweist, umso geringer sind seine Chancen auf eine Stelle. Experten sagen, wer mehr als sechs Hemmnisse hat, dessen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt tendieren gen Null. Jeder Arbeitslose, der bei der EABG unterkommt, hat statistisch betrachtet 4,6 solcher Faktoren. Vor ein paar Jahren waren es noch deutlich unter vier. Lorch betont: „Es lohnt sich dennoch, um jeden Einzelfall zu kämpfen.“

Viele landeten erst einmal in einem Ein-Euro-Job

Diese Aufgabe kostet Millionen. Fast 40 Millionen Euro an Leistungen erbrachte die EABG-Gruppe im vergangenen Jahr – der größte Teil davon ist durch öffentliche Gelder finanziert. Die Erfolgsbilanz, die dem gegenübersteht: Zählt man alle Arbeits- und Bildungsangebote zusammen, dann fanden 2014 knapp 600 Menschen zurück ins Berufsleben bzw. begannen anschließend eine berufliche Weiterbildung.

Die meisten landeten erst einmal in einem Ein-Euro-Job. Rund 1600 Arbeitslose kamen bei einem dieser Arbeitsangebote unter. Die Vermittlungsquote in den Arbeitsmarkt liegt hier jedoch nur bei unter zehn Prozent. „Das gehört zur Ehrlichkeit dazu“, sagt Lorch.

Genauso, wie die Tatsache, dass die EABG nicht erhebt, wie lange ihre Kunden den Job anschließend behalten. Dennoch, so betont Lorch, gehe es um mehr. Durch die Ein-Euro-Jobs würden die Arbeitslosen wieder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfahren.

Die Zahl dieser Jobs ist tendenziell jedoch rückläufig. Grund: Das Jobcenter hat mittlerweile deutlich weniger Geld für solche Aufgaben zur Verfügung als noch vor ein paar Jahren. Gleiches gilt auch für den Bereich der beruflichen Weiterbildung. Hier sinken die Teilnehmerzahlen seit Jahren kontinuierlich. Immerhin scheinen die Chancen auf eine Stelle nach einer Umschulung höher zu liegen: 65 Prozent der Umschüler, die 2013/2014 abschlossen, hatten in den ersten sechs Monaten danach eine Arbeit gefunden, so die EABG.

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