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Schaustelle statt Baustelle

04.02.2008 | 20:10 Uhr

In einem ehemaligen Möbelgeschäft an der Brigittastraße zeigen Künstler auf mehr als 1000 Quadratmetern aktuelle Kunst. Erste Ausstellungen von Mitgliedern der Düsseldorfer Kunstakademie

1850 Quadratmeter freie Fläche, verteilt auf vier Etagen an der Brigittastraße 9 in Rüttenscheid: Einst beherbergte das Haus ein Möbelgeschäft, seit einem Jahr steht es leer. "Viel zu schade", fand Brigitte Krieger, deren Vater das Gebäude vor 40 Jahren erbaut hat. Bis sich für die Räume Mieter finden, stellt die 58-Jährige das Haus Künstlern zur Verfügung. Die nächste Ausstellung beginnt am Freitag.

Sandra Setzkorn, Cathrin Figge, Fiona McLardy, Candia Newman, Christian Gode, Benedikt Sunderhaus und Tobias Wagner haben kürzlich die Initiative "Kollegium kunst (off)raum essen" gegründet. Die Bandbreite ihrer Arbeiten reicht von der Hand-Zeichnung über Videoarbeiten, großformatige Malereien und Skulpturen bis hin zu Rauminstallationen. Werke, für die man Platz braucht. Den haben sie nun an der Brigittastraße gefunden.

"Warum die leeren Räume in den Essener Straßen nicht nutzen und ihnen dabei auch noch kulturelles Leben einhauchen?", lautet die Devise der Kunststudenten und -absolventen der Universität Duisburg-Essen. Ein Motto, das sich auch Brigitte Krieger auf die Fahne geschrieben hat: "Für Kunst habe ich mich immer interessiert", erklärt die frühere Sport- und Englischlehrerin. "Außerdem kann man so die Gelegenheit ergreifen und das Viertel etwas mehr beleben."

Brigitte Krieger nennt ihr Projekt "Baustelle = Schaustelle" - weil die Räume vor wenigen Monaten eher einer Baustelle als einer Galerie glichen. Für die ersten Ausstellungen konnte Krieger Mitglieder der Düsseldorfer Kunstakademie gewinnen. Zuletzt eröffnete Ende Januar die Ausstellung von Ulrike Kötz. Die 39-jährige Bildhauerin zeigt im Erdgeschoss des Hauses Objekte wie beispielsweise eine in Phosphorgrün getauchte übergroße Puppenstube.

Mit der Initiative "Kollegium" stellt ab kommenden Freitag nun erstmals eine Essener Gruppe ihre Werke aus. Dabei ist eine äußerst vielgestaltige Schau zu erwarten. Für die Zeit danach suchen die "Kunstkollegen" bereits wieder nach ungewöhnlichen Ausstellungsorten. Ob leerstehende Ladenlokale, Lager- oder Fabrikräume: Das Zusammenwirken von Architektur und Kunst begreift das Septett als neue Interpretationsebene. Denn in unterschiedlichen Räumlichkeiten definiere sich auch das Werk immer wieder neu.

Von Ilias Abawi

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