Saubere Bahnen und Haltestellen kosten Evag Millionen

Nur acht Minuten, dann ist diese Stadtbahn sauber. Vor zwei Jahren wurde die neue Waschhalle im Betriebshof Schweriner Straße eröffnet.
Nur acht Minuten, dann ist diese Stadtbahn sauber. Vor zwei Jahren wurde die neue Waschhalle im Betriebshof Schweriner Straße eröffnet.
Foto: Alexandra Roth
Was wir bereits wissen
Die Evag muss jedes Jahr Millionen investieren, um Busse, Züge, Bahnhöfe und Haltestellen zu reinigen. Besonders Graffiti und Eier sorgen für Ärger.

Essen.. Staubige Scheiben, durch die man kaum noch durchsehen kann, Kaugummis, die auf Polstern kleben und zurückgelassene Cola-Dosen, die auf dem Boden hin- und her kullern. Solche Zustände in Bahnen und Bussen würden viele Fahrgäste innerhalb kurzer Zeit veranlassen, ins Auto umzusteigen. Die Evag weiß: Neben Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit spielt in Fahrgast-Umfragen stets auch das Thema Sauberkeit eine herausragende Rolle.

Die Essener Verkehrsgesellschaft kann nicht verhindern, dass neben Regen, Matsch und Staub ihre Fahrzeuge manchmal auch mutwillig verschmutzt werden. Sie kann nur dafür sorgen, dass der Dreck nicht liegen bleibt. Deshalb werden die Reinigungsintervalle so pedantisch genau festgelegt wie ein Wartungsplan, damit spätestens zum Betriebsbeginn in aller Frühe die Fahrzeuge wieder besenrein sind und auch in regelmäßigen Abständen alles picobello und blitzblank gemacht wird – die Evag nennt es „Grundreinigung“.

Kosten von 1,8 Millionen Euro jährlich

Für das alles sind bis zu 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jede Nacht bis vier Uhr früh im Einsatz und pendeln zwischen den Betriebshöfen Stadtmitte, Ruhrallee und Schweriner Straße. Außerdem organisiert die Evag die Reinigung der Bahnhöfe und Haltestellen – allein die kostet 1,8 Millionen Euro jedes Jahr.

U-Bahn Jürgen Podwojewski hat den Meister Proper fest im Griff. Ein Knopfdruck – und in acht Minuten ist die U-Bahn von außen geschrubbt. Weitere 40 Minuten muss das Trocknungsmittel wirken, das zugemischt worden ist. Der Leiter der Werkstatt für Stadtbahnen hat die Schnellwaschstufe eingeschaltet und lässt vier drei Meter hohe Bürsten auf dem gelben Lack der U-Bahn rotieren. Er steht in der erst vor zwei Jahren fertiggestellten 36 Meter langen Waschstraße für Stadtbahnen auf dem Betriebshofgelände Schweriner Straße. Mindestens 420 Liter Wasser wird für eine U-Bahn benötigt. Und nur für den letzten Waschgang wird Frischwasser auf das Fahrzeug gespritzt. „Bis zu 80 Prozent sind aufbereitetes Wasser“, so Jürgen Podwojewski.

Winzige Saubermänner

Das spart Geld. Nach jeder Fahrzeugdusche wird das gebrauchte Wasser gleich nebenan in einen 2000-Liter-Behälter geleitet, in dem sich unzählige Bakterien über die Schmutzpartikel hermachen. Nach dieser biologischen Behandlung fließt das gereinigte Wasser wieder in drei 10.000-Liter-Tanks der Evag-Waschhalle. In Zukunft will der Betriebshof sogar das Regenwasser auf dem Dach der neuen Hauptwerkstatt für die Waschstraße sammeln.

Bahn Einmal pro Woche muss jede U-Bahn unter die „Dusche“, die Straßenbahn gar alle zwei Tage . Doch damit ist es noch längst nicht getan. Waschtag ist bei der Evag immer: fegen, feucht durchwischen, Fahrerkabine sauber machen, außerdem dreimal die Woche die Innenscheiben (in Bussen nur wöchentlich) und Haltestangen putzen. Alle acht bis neun Wochen steht Großputz in den 45 Stadtbahnen an, in den 89 Straßenbahnen sogar alle sechs Wochen und einmal im Quartal in den 186 Bussen.

Trittbrettfahrer sollen abgehalten werden

Bleiben noch die Sondereinsätze. Nach jedem Fußballspiel werden die Evag-Busse im Betriebshof inspiziert und liegengebliebener Müll eingesammelt. Oft müssen auch Aufkleber entfernt werden, die Fans auf die Scheiben geklebt haben.

Besonders aufwendig ist das ganze Jahr über die Beseitigung der Graffiti-Schmierereien oder der schmierigen Reste von Eiern, die gegen eine Bahn oder einen Bus geworfen wurden. Hier gilt die strikte Regel: Innerhalb von 24 Stunden darf möglichst nichts mehr davon zu sehen sein. „Die Verschmutzungen werden in dieser Zeit durch die Werkstatt entfernt“, betont Evag-Sprecher Olaf Frei.

Auch, um Trittbrettfahrer abzuhalten.