Satirische Späße statt Siegespathos

Wenn ein musikalischer Zyniker wie Dmitri Schostako­witsch eine Neunte schreibt, dazu noch in der heroischen Tonart Es-Dur, dann ist kein erhabenes Pathos à la Beet­hoven zu erwarten. Und so schenkte er dem siegreichen Stalin mit seinem Opus 70 denn auch keine abendfüllende Hymne, sondern eher eine Hommage an Haydn ähnlich wie Prokofjew in seiner „Symphonie classique“, nur besser, geistreicher – eine Witz sprühende sinfonische Miniatur, gerade mal so lang wie der Kopfsatz der monumentalen „Leningrader“.

Blendend disponiert leuchteten die Essener Philharmoniker die Partitur in ihrer satirischen Überbelichtung aus: die quirligen Purzelbäume der Bläser, die verbogene Melodik, die Posaune, die immer wieder vergeblich versucht, zur Blasmusik anzuheben, bis es dann doch in einen finalen Jahrmarkttrubel ausartet. Aber da Schostakowitsch zu ernsthaft zum reinen Clown war, verhalf Gastdirigent Daniel Klajner dem Werk auch zu seiner verhangenen Melancholie und den Schatten werfenden Fragezeichen.

Weniger „trügerisch“ (so das Konzertmotto) gab sich der erste Teil des Programms. In gedeckten Tönen mit Bassetthörnern statt Flöten eröffnete man mit Mozarts „Maurerischen Trauermusik“, um dann in Strawinskys „Feuervogel“ zwischen märchenhaft-zarter Atmosphäre und der entfesselten Urkraft des Zauberers alle klangfarblichen Register zu ziehen und die Musik transparent zum inneren Leuchten zu bringen. Auch mit diesem kurzen Abend bewiesen die Philharmoniker ihre große Klasse