RWE-Fanprojekt der Awo bekommt neue Bleibe
21.10.2011 | 17:57 Uhr 2011-10-21T17:57:00+0200
Essen.Das Awo-Fanprojekt ist 15 Jahre alt geworden. Mit dem Abriss des Stadions verliert es seine Bleibe. Im neuen Stadion soll es eine Anlaufstelle geben - aber nur an Spieltagen. Das ist besser als nichts, aber kein Vergleich zum „Café Westkurve“.
Wenn die Fans im Georg-Melches-Stadion ihre Gesänge anstimmen, dann lautet eine Zeile: „Meine Heimat in den Farben Rot und Weiß...“ Seit nunmehr 15 Jahren gilt dies auch für Claudia Wilhelm (43) und Roland Sauskat (56) vom Awo-Fanprojekt. Was damals mit einem Zettel im Fenster anfing, ist längst zu einer Institution geworden. Ihr Büro im Bauch der altehrwürdigen Haupttribüne sieht aus wie ein Fanshop voller Schals, Wimpel und Erinnerungen. Doch gerade für jugendliche Fans, di hier her kommen, geht es nicht nur um RWE. Denn auch für ihre Probleme haben die beiden Sozialarbeiter ein offenes Ohr: Sei es Theater in der Schule oder mit dem Chef, sei Zoff mit der Freundin, Ärger mit der Polizei oder seien Drogenprobleme. Über den Fußball finden Sauskat und Wilhelm den Zugang zu den Jugendlichen und jungen Erwachsenen - und verhindern, dass sich Frust in Aggression oder Gewalt entleert.
Das war der Ansatz, als der Deutsche Städtetag die Initiative ergriff für Fanprojekte im Fußball. Für ihre Arbeit haben Claudia Wilhelm und Roland Sauskat viel Anerkennung erfahren von den Fans - „Bei Heimspielen schütteln wir mindestens 300 Hände“ - und von offizieller Seite. Bei einer kleinen Feier zum 15-Jährigen in der Soccerhalle Goalfever am Donnerstag fielen wieder viele warme Worte. „Das Fan-Projekt ist existenziell für den Verein“, sagt Vereinschef Michael Welling im Gespräch mit dieser Zeitung. Auch wenn es weniger mit gewaltbereiten Hooligens zu tun hat als noch in den 90er Jahren und Jugendliche heute nicht nur Fußball im Kopf haben, sondern wüssten, dass Schule und Ausbildung wichtig seien. „Arbeitslos und kein Geld im Portemonnaie“, wie es von der Tribüne schallt - „das gilt so nicht mehr“, sagt Claudia Wilhelm. Für sie und ihren Kollegen bedeutet dies im Zweifel nicht weniger Arbeit, sondern mehr.
Fast wäre das fanprojekt unter den Tisch gefallen
Umso mehr verwundert es, dass offenbar niemand an das Fanprojekt gedacht hat, als es darum ging das neue Stadion zu planen. Wie die Zeiten sich doch ändern. Als noch RWE-Präsident Rolf Hempelmann mit seinen Stadionplänen Klinken putzte, konnte man den Eindruck gewinnen, es gehe nicht nur um eine neue Fußballarena, sondern auch um den Bau einer Sozialstation für den benachteiligten Essener Norden. Ob das Image fördernd wäre für RWE? Diese Frage stellt sich nicht mehr, denn die Grundstücksverwaltung Essen (GVE) plant als Bauherr anders. Fast wäre das Fanprojekt dabei unter den Tisch gefallen.
Darauf angesprochen, wird Roland Sauskat schmallippig. Als er vor Wochen in der Zeitung sein Wort führte, hat das nicht jedem gefallen. Aber es hat geholfen. „Wir arbeiten an einer Lösung“, heißt es bei der GVE. Die Nähe zu den Fans sei für das Fanprojekt von existenzieller Bedeutung. Nur so könnten Wilhelm und Sauskat zu den Fans Vertrauen aufbauen, sagt Michael Welling, der sich für eine Anlaufstelle stark macht. „Am besten wäre eine im Stadion.“
Doch wie es aussieht, soll den Sozialarbeitern nur während der Heimspiele ein Raum zur Verfügung stehen. Das ist besser als nichts, aber kein Vergleich zum „Café Westkurve“, das dem Stadionneubau bereits weichen musste. Im Fan-Container zimmerten die „Ultras“ für ihre Choreographien Transparente und Spruchbänder. Auf zwei Mini-Fußallfeldern richtete das Fanprojekt Turniere aus. „Das Café Westkurve ist weg und kommt nicht wieder“, bedauert Sauskat. Bei der GVE denken sie darüber nach, neue Container aufzustellen in der nähe des neuen Stadions, damit Sauskat und Wilhelm einen Schreibtisch haben und Fans nicht nur beim Heimspielen eine Anlaufstelle. Ob es eine neue Heimat wird?
12:57
Wer an sozialer Arbeit in einem Verein spart, wird dies teuer bezahlen.
@Ente: Sozialarbeiter ist hier vielleicht nicht mit Diplom-Sozialarbeiter gleichzusetzen. Ich weiß zwar nicht, ob die beiden angesprochenen Personen ein Diplom haben, aber auch wenn nicht, das sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität der Arbeit aus. Ich kenne zig Streetworker, die ohne Diplom fantastische Sozialarbeit leisten.
15:22
Claudia Wilhelm und Roland Sauskat sind nach diesem Artikel Sozialarbeiter!? Das ist neu und wurde nach bisheriger Kenntnis so nicht kommuniziert. Bislang hieß es, dass diese berufliche Qualifikation nicht vorliegt.
12:24
Gut, dass es da Fan-Projekt gibt - so werden zumindest ein paar Probleme kanalysiert. Wenn aber dennoch Dinge wie mit dem Böller gestern geschenen, gehört das mit aller Härte bestraft. So etwas brauchen wir in Essen nicht!