RWE-Fan bei Sturz von Stadionzaun lebensgefährlich verletzt

Rettungssanitäter konnten einen RWE-Fan im Stadion Essen wiederbeleben, der während des Niederrheinpokal-Finales vom Zaun vor der Westtribüne gefallen war.
Rettungssanitäter konnten einen RWE-Fan im Stadion Essen wiederbeleben, der während des Niederrheinpokal-Finales vom Zaun vor der Westtribüne gefallen war.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Während des Finales im Niederrheinpokal zwischen Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen ist ein RWE-Fan vom Stadionzaun gefallen. Sanitäter reanimierten den Mann noch im Stadion.

Essen/Oberhausen.. Tragischer Zwischenfall beim Finale des Niederrheinpokals zwischen Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen (6:5 im Elfmeterschießen): Ein RWE-Fan ist gegen 16.45 Uhr vom Sicherheitszaun vor der Westtribüne gefallen und hat sich dabei lebensgefährliche Kopfverletzungen zugezogen. Der Mann Mitte 20 war nach Angaben von Harald Hagen, Einsatzleiter der Polizei, im Bereich W 1 verbotswidrig auf den Zaun geklettert und wahrscheinlich kurz vor, möglicherweise auch kurz nach der Entscheidung im Elfmeterschießen, zu Boden gestürzt: vornüber, dreieinhalb Meter tief. Die Folge: eine offene Schädelverletzung. Rettungssanitäter konnten ihn letztlich zwischen Rahn- und Westtribüne wiederbeleben, während Spieler und Fans den Einzug in den DFB-Pokal feierten.

Unfall Folgenschwerer Absturz: "offenbar kein Fremdverschulden"

Die Feuerwehr Essen forderte während der Reanimation einen Rettungshubschrauber an, der auf dem Platz hinter Rahn-Tribüne und "Alter Westkurve" landete. Wie Harald Hagen berichtet, wurde der Mittzwanziger mit dem Helikopter in die Essener Uniklinik geflogen und dort sofort operiert. Gerüchte, wonach der Fan bereits kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus verstarb, dementierte die Feuerwehr am Donnerstagabend. Demnach dauerte die Operation auch am späten Abend an. Am Morgen sagte ein Sprecher der Feuerwehr auf Nachfrage, dass der Mann die Nacht überstanden habe. Nähere Angaben zu seinem Zustand konnte er nicht machen.

Anscheinend brachte den RWE-Fan ein folgenschwerer Unfall in Lebensgefahr, erklärte Hagen nach einer ersten Sichtung der Videoaufnahmen vorsichtig: "Wir haben die Ermittlungen gerade erst aufgenommen. Es sieht zurzeit aber danach aus, dass es kein Fremdverschulden gibt." Paragraph 5 der Stadionordnung und die Satzung der Stadt verbieten es Zuschauern, auf Zäune beziehungsweise fest montierte Absperrungen zu klettern.

Bereits während des spannenden Elfmeterschießens im mit 18.500 Zuschauern offiziell ausverkauften Stadion waren einige RWE-Fans auf den Zaun vor der Westtribüne geklettert. Das Elfmeterschießen wurde vor der gegenüberliegenden Gottschalk-Tribüne, also vor dem Oberhausener Anhang ausgetragen.

Fans brachen erneut Fluchttor der Westtribüne auf

Was Harald Hagen jedoch am frühen Donnerstagabend betonte: Der Sturz stehe in keinem Zusammenhang zu den Szenen, die auch viele Fernsehzuschauer des WDR sahen: Als die RWE-Spieler nach dem Sieg zu den Stehplätzen auf der Westtribüne gingen, um dort den Sieg mit den Fans zu feiern, versuchten einige Fans im Freudentaumel aufs Spielfeld zu gelangen. Erneut war dabei das Fluchttor in der Mitte der Tribüne die Schwachstelle. Durch das Tor waren Hooligans und Mitglieder der Rockerszene bereits im Vorjahr während des Niederrheinpokal-Derbys gegen den MSV Duisburg in den Innenraum gelangt.

Wie damals schickte Einsatzleiter Harald Hagen die Hundertschaft vor die Stehplatztribüne. Die bildete in Sekundenschnelle eine Kette. Obendrein waren bei fast allen "Eindringlingen" keine Aggressionen im Spiel: Auch deshalb war die Situation binnen weniger Sekunden entschärft. "Wir und der Ordnungsdienst haben sehr schnell reagiert", meinte Hagen. "Die Siegesfeier wurde nicht gestört."

Zwei Polizisten durch Böller verletzt

Allerdings beklagte er auch zwei verletzte Kollegen: Sie erlitten ein Knalltrauma, weil Chaoten zwei Böller von der Tribüne in Richtung der aufmarschierenden Einsatzhundertschaft warfen.

Nichtsdestotrotz war der Einsatzleiter der Polizei Essen am Donnerstagabend mit dem Großeinsatz und dem Verlauf des Hochrisikospiels "sehr zufrieden": "Es waren wie erwartet sehr viele gewaltbereite Fans auf beiden Seiten da, dennoch gab es bislang überhaupt keine gewalttätigen Auseinandersetzungen." Die Strategie der strikten Fantrennung sei aufgegangen. Die RWO-Fans wurden nach dem Spiel mit Shuttle-Bussen direkt zurück nach Oberhausen gebracht. Die 14 Gelenkbusse hatte die Evag gestellt.

Anreise: Keine Schlägereien, Schalke-Fan im Hauptbahnhof festgenommen

Zum Finale im Niederrheinpokal zwischen den Lokalrivalen RWE und RWO hatten sich zwar wie erwartet auch gewaltbereite Anhänger aus den Fanszenen von Bremen, Schalke und Ulm unter die 18.500 Zuschauer gemischt. Die Anreise der Fans war aber friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen.

Etwa 1400 der knapp 4000 RWO-Anhänger waren mit zwei Entlastungszügen der Bahn vom Oberhausener Hauptbahnhof bis zur S-Bahn-Station in Essen-Bergeborbeck gefahren. "Unter den Fans waren wie angekündigt auch Schalker Hugos und Fans aus Ulm, insgesamt etwa 135 gewaltbereite Fans", sagte Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei. Die Fahrten seien aber "problemlos und planmäßig" verlaufen. In Bergeborbeck empfingen etwa 50 Bundespolizisten die Anhänger, die mit Shuttle-Bussen direkt zur Gästetribüne (Gottschalk-Tribüne) gebracht wurden. Während der Ankunft zündeten Unbekannte Böller im Personentunnel der Station, die Polizei leitete drei Ermittlungsverfahren wegen Verstößen ein.

Zufrieden zeigte sich kurz vor dem Anpfiff des Risikospiels auch Harald Hagen, Einsatzleiter der Landespolizei: "Es gab keine Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fangruppen." Um das Stadion herum sei zudem auch die Verkehrslage entspannt gewesen, so Hagen.

Schalke-Fan im Hauptbahnhof festgenommen und verhaftet

Eine Festnahme meldete Bundespolizeisprecher Stall vor dem Anpfiff dennoch: Im Essener Hauptbahnhof kontrollierten einige seiner Kollegen einen Mann in Schalke-Shirt und -Trainingshose. Der hatte die Streife zuvor angesprochen und aggressiv gefragt: "Na Bullen! Auch nichts zu tun am Vatertag?" Als die Beamten den angetrunkenen 35-Jährigen überprüften, stellten sie fest, dass gegen den in Stolberg (Kreis Aachen) gemeldeten Mann gleich drei Haftbefehle vorlagen: "Wegen dreier Eigentumsdelikte muss er jetzt 17 Monate in Haft", berichtete Stall. Die Bundespolizisten brachten ihn direkt in die JVA Essen.