RWE-Anhänger nehmen nicht nur Stücke des Rasens mit

Foto: Sebastian Konopka
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Was wir bereits wissen
RWE-Fans und Spieler-Legenden erwiesen dem Georg-Melches-Stadion am Sonntag die letzte Ehre. Nach dem Abpfiff des Abschiedsspiels nahmen die Rot-Weiss-Anhänger nicht nur Stücke des Rasens mit.

Essen.. Nicht ganz so ein großer Andrang wie beim letzten Pflichtspiel, aber dennoch gut besucht war auch das Abschiedsfest an der Hafenstraße, zu dem laut Vorstand Michael Welling etwa 3500 Rot-Weiss-Anhänger jeden Alters kamen. Besonders den alten Fan-Veteranen bot die letzte Sause samt Legenden-Elf eine Quelle der Erinnerung, so auch für Monika und Herbert Kretschig aus Bergerhausen.

„Ich bin seit Sommer 1952 an der Hafenstraße“, erzählte sie lachend. Ihr Mann kam da mit der Jahreszahl 1954 eher ins Hintertreffen. „Da lag ich aber noch im Kinderwagen“, lüftete die 60-Jährige das Geheimnis ihrer Fan-Werdung. Und: „Rahn und Co haben mich auf ihren Knien geschaukelt“, berichtete sie. Der Vater sei mit Rahn bei den Sportfreunden gewesen, sie hätten sich gekannt. Zum Sprung ins RWE-Team habe es damals für ihren Vater leistungstechnisch aber nicht gereicht.

Bei Walter Ruege war seine Zufallsleistung scheinbar schicksalsträchtig: Seit 1979 ist der Burgaltendorfer Stadionsprecher mit Leib und Seele. Eigentlich sollte er damals nur die Technik bedienen, aber da der Sprecher nicht auftauchte, griff er sich kurzerhand das Mikro. Das Spiel der Hafenstraßen-Fußballer gegen die alten Kämpen ist für ihn keine Routine: „Es ist schon eine Ehre, die Stars aus mehreren Jahrzehnten RWE-Geschichte hier zu sehen und sie dann noch ansagen zu dürfen.“

Nostalgische Gefühle kamen auch bei einer lebenden Fußballlegende auf: Willi „Ente“ Lippens kümmert sich als Scout der Jugendabteilung noch um drei Spieler und so richtete er seinen Blick gen Zukunft: „Das neue Stadion ist ein Aufbruch in neue Zeiten.“ RWE-Trainer Waldemar Wrobel konnte sich dem nur anschließen: „Wenn man die vielen Menschen hier sieht, weiß man, wie wichtig der Verein und das Stadion für diese Stadt sind.“

Als passenden Rahmen beschrieb denn auch Michael Welling die Partie der Hafenstraßenfußballer (etwa Willi Landgraf, Frank Mill, Sascha Mölders und die Lorenz-Brüder) gegen die Legenden (etwa Lippens, Pickenäcker, Grein und Kurth). Das Match, tituliert als RWE gegen RWE, endete 5:4 für die Legenden. Im Anschluss kamen die Fans endlich bei der Rasenbeseitigung zum Zug. Nicht nur das Grün, sondern auch Banden suchten sich die Rot-Weissen als Souvenir. Nur eines verzögerten sie mit ihrem schnellen Stürmen des Feldes: den Schuss des Spielballs ins neue Stadion.