Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Rot-Weiss-Essen

RWE-Aktien stehen schlecht wie nie

30.04.2010 | 15:41 Uhr
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie

Essen.Rot-Weiss-Essen-Vereinsspitze wehrt sich gegen die Vorwürfe von Oberbürgermeister Reinhard Paß.

Es gibt Fußballvereine, die werden an der Börse gehandelt, Rot-Weiss Essen zählt zum Glück nicht dazu. Wenn doch, wäre der Aktienkurs am Mittwochabend nach der Etatrede des Oberbürgermeisters wohl mächtig eingebrochen, schwant es RWE-Vorstandschef Stefan Meutsch: Tendenz weiter fallend.

Denn Reinhard Paß hatte den Verein öffentlich „abgeschrieben“. Die Lizenzerteilung für die nächste Saison? „Unwahrscheinlich.“ Die Vereinsspitze? In ihrem Verhalten „selbstgefällig“. Keinen Cent frisches städtisches Geld werde es über die alten Zusagen hinaus geben, sagte der OB angesichts einer vermeintlich neuen Finanzlücke von aktuell zwei Millionen Euro.

Selbstgefällig? Meutsch und sein Vorstandskollege Thomas Hermes verwahrten sich gestern gegen den Vorwurf und zeigten sich nicht nur vom Stil des Stadtoberhauptes „überrascht“. Die vom OB beklagte, unerwartete Finanzierungslücke – für Meutsch und Co ist sie ein alter Hut und für die Stadt, so sagen sie, auch: Die Zahl sei seit einem Jahr bekannt. Städtische Vertreter hätten bei Gesprächen mit am Tisch gesessen, zuweilen auch der Büroleiter des Oberbürgermeisters.

Eine Wette auf die Zukunft

Aussage gegen Aussage, und ein Versuch der Erklärung: In der Tat bürgt die Sparkasse nach dem allseits bekannten Wirtschaftsplan für eine Summe von 2,7 Millionen Euro im Wirtschaftsplan von Rot-Weiss Essen, rückgesichert durch die städtische Grundstückstochter GVE. Dass diese irgendwann fällig wird, sollten ausgiebige Bemühungen um neue, zahlungskräftige Sponsoren verhindern. Eine Wette auf die Zukunft, die angesichts der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise nicht aufging.

Oder hatte sich die Vereinsführung nicht genug bemüht? Im Umfeld des OB gewann man zuletzt wohl den Eindruck, die Vereinsspitze verlasse sich allzu schlafmützig auf die Stadt – und könnte die Füße noch mehr hochlegen, wenn erst einmal der Stadionbau begonnen hat. Motto: Die werden uns kein Stadion bauen und den Verein vor die Hunde gehen lassen, die müssen uns dann eh helfen.

Des Oberbürgermeisters harsche Kritik sollte wohl eine Art Weckruf sein, doch er kam als schrilles Abkanzeln zur Unzeit an – mit heiklen Auswirkungen von potenziellen Sponsoren bis hin zum Deutschen Fußball-Bund. Denn RWE steckt mitten im Verfahren um die Lizenz für die kommende Spielsaison. Und die wiederum ist laut gültigem Ratsbeschluss Bedingung für den Stadionneubau. Die Misstöne aus dem Rathaus vernehme man beim DFB sehr wohl, hieß es gestern auf Vereinsseite. Und was die Akquise angeht: Förderlich seien Paß’ Worte sicher nicht. „Durch seine Äußerung macht der OB die von ihm an uns gestellten Forderungen, neue Sponsoren zu akquirieren, nahezu unmöglich.“

Zufall? Oder gar pure Absicht, wie ihm mancher RWE-Fan unterstellt? Beifall gab es für Reinhard Paß gestern jedenfalls nur aus dem eigenen sozialdemokratischen Lager und von den Linken.

Dabei schien es gestern manchem, als sei der OB selbst ein wenig erschrocken, welches Echo er mit seinen geharnischten Anwürfen gegen die RWE-Spitze ausgelöst hatte. Und war nicht die durch die städtische Pressestelle noch einmal verbreitete grundsätzlich positive Einstellung zu einem Stadionneubau als minimaler Rückzug zu werten? Offenbar nicht, denn auf NRZ-Nachfrage legte Paß noch einmal nach: „Es tut einfach weh, dass das Management scheinbar nichts getan hat, um den Fans eine Perspektive für die Zukunft von RWE zu bieten.“

Und nun? Plädiert der OB für ein Ende mit Schrecken? „Eine fast schon philosophische Frage“, sagt er da, und mag über das Stöckchen nicht springen: Ja, er steht zum großzügigen finanziellen Engagement der Stadt. Und nein, es gibt keinen Cent mehr, dabei bleibt es.

Verhältnis am Tiefpunkt

Kein Zweifel, mit den öffentlichen Äußerungen des OB ist das Verhältnis zwischen Stadt und Verein auf einem Tiefpunkt angelangt. Tiefer geht’s nimmer – das war der Eindruck, nachdem sich der Club am 11. September vergangenen Jahres von Manager und Trainer Thomas Strunz getrennt hatte. Jetzt ist man wiederlegt und sucht das Positive.

RWE, so Meutsch, p l a n t nicht, die Sicherheitsleine zu ziehen, sprich: die Bürgschaft in Anspruch zu nehmen. Doch was, wenn man dazu gezwungen ist? Neue Geldgeber seien in Sicht, sagt Thomas Hermes vom Vorstand, aber „es sind keine Millionenbeträge“. Die gibt es bislang nur von der Stadt. Pardon: gab.

Marcus Schymiczek, Wolfgang Kintscher

Facebook
 
Kommentare
04.05.2010
21:09
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von 1980yann | #20

Lizenz unter Auflagen - und die Auflagen bestehen darin, die fehlenden 2,3 Mio. aufzutreiben.
Das ist nichts als eine Galgenfrist - und dann wird der Verein wohl möglicherweise/wahrscheinlich genau an dem scheitern, was der OB kritisiert hat ...

Wieso soll Paß dann die Unwahrheit verbreitet haben?

04.05.2010
18:54
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von FabianS. | #19

RWE wurde die Lizenz heute unter Auflagen erteilt. Damit steht fest, dass Herr Paß aus welchen Gründen auch immer, öffentlich die Unwahrheit verbreitet hat. Wenn er Größe hätte würde er sich dafür entschuldigen, aber das kann man von diesem Provinzmeier wohl kaum erwarten. Ich gebe zu das Auftreten von RWE war in den letzten Jahren nur als peinlich zu bezeichnen, Herr Paß hat es aber glänzend verstanden das noch zu unterbieten.

03.05.2010
23:37
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von Andy_der_Essener | #18

Nach der Wahl ist vor der Wahl!!
Bei der nächsten Wahl keine Linken und keine SPD wählen.Habe ich so und so nicht gemacht.

03.05.2010
10:14
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von EbbesRache | #17

4
völlig richtig. Schalke ist an allem schuld. Bei aller berechtigten Kritik an Paß ist es unter anderem diese Einstellung, die den RWE dahin gebracht hat wo er jetzt steht. Erstmal auf andere zeigen, bevor vor der eigenen Tür gekehrt wird. Sehr schlau...

03.05.2010
08:31
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von Roentgenstrahl | #16

Glücklicherweise braucht man, um eine Mehrheit im Rat zu bekommen, Argumente. Da reicht es nicht aus, an allen möglichen Stellen nur Parolen und Phrasen zu dreschen.

Außerdem gibt es auch noch kaufmännische Gesichtspunkte, die übrigens den fast einstimmigen Ratsbeschluss mit beeinfusst haben.

02.05.2010
16:33
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von 1980yann | #15

Glücklicherweise braucht es nur eine absolute Mehrheit im Rat, um den Neubau endgültig zu kippen. Wenn die nicht zustande kommt, wird es aber trotzdem schwierig, die nächste Bauphase zu starten, denn dafür braucht man auch eine absolute Mehrheit. Und selbst dann ist Paß nicht gezwungen, ein NEIN der Bezirksregierung mit voller Kraft abzuwehren.

Das sollte allerdings nicht den Rückbau der maroden Tribünen stoppen. Glücklicherweise ist die Stadt Essen nicht Mitglied des DFB und an dessen Vorgaben nicht gebunden. Das ist nur Rot-Weiss und die müssen sich um eine Spielstätte bemühen ... am besten bauen sie sich eine.

Spätestestens wenn der Verein die Bürgschaftsmillionen verbraten sollten, sollte die Stadt an der Hafenstraße den Stecker ziehen.

01.05.2010
11:12
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von fan | #14

Dieser Bürgermeisterist eineSchande für uns !Zum Glückhabe ich ihn und seine Partei nie Gewählt.

SCHÄMEN SIE SICH HERR PAß !!

01.05.2010
10:50
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von blockd | #13

zu 7: Es geht nicht mehr nur darum ob man mit dem Neubau ein paar Monate länger wartet. Das ganze Stadiongelände ist eine Baustelle, wo bereits mit einem Abriss begonnen wurde. Man sollte auch mal an die Sicherheit der mehreren Tausend Besucher denken die weiter treu zu den Heimspielen kommen. Ich glaub der größte Teil der RWE Fans hätte Verständnis gehabt wenn statt Neubau zunächst die Westkurve neu gebaut worden wäre und der Rest halt später wenn sportlicher Erfolg zurück kehrt.Aber was hier in Essen passiert ist einzigartig und noch nie irgendwo anders vorgekommen. Abrissarbeiten beginnen und einen Trümmerhaufen hinterlassen und einfach alles so stehen und liegen lassen. Pass hinterlässt eine Baustelle nach der anderen und belügt die Wähler in Essen. Ob es Stadion, Schulen und Kindergärten oder Schwimmbäder sind. Frag mich wie lange sich das seine eigene Partei noch ansieht wie der ganz Essen runter wirtschaftet.

01.05.2010
03:28
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von GMS | #12

Lustig, dass immer gefordert wird der RWE sollte doch am Hallo spielen, wo dieser ja gar keine zulässige Spielstätte für eine Herrenmannschaft der Regionalliga ist, genauso wenig wie der Uhlenkrug und wenn es so weiter geht, wird das GMS auch nicht mehr zulässig sein in naher Zukunft.
Der Ratsbeschluss kann nicht einfach gekippt werden, wenn RWE in 2 Wochen die Lizenz bekommt wird das Stadion gebaut. Nicht umsonst wurden der GVE knappe 8 Millionen als Zuschuss überwiesen um ein bisschen Spiel im Neubau zu haben..

30.04.2010
23:17
RWE-Aktien stehen schlecht wie nie
von derherold | #11

Daß jemand, der das mit der Bankenkrise nicht so richtig verstanden hat, glaubt, daß die Stadt Essen sich von den Schulden befreien und ein Fußballverein dafür einen relevanten Beitrag leisten kann, überrascht nicht.

Das Stadion wartet seit 30 Jahren und hat demzufolge einen großen Be(i)trag gespart. Daß dies der Stadt in irgendeiner Form geholfen hat, kann ich nicht erkennen.

Im Gegenteil: Das Verfallenlassen der Infrastruktur wird ein Grund gewesen sein, daß die Stadt Essen seit 1992 mehr als 45.000 Einwohner verloren hat. So viel kann man gar nicht sparen, als daß man diesen - vor allem finanziellen - Aderlaß auffangen könnte.

Die Entscheidung diverser Kommunen, Beine statt Steine zu finanzieren, d.h. städt. Personal statt moderner, ansprechender öffentlicher Gebäude, war mE ein einziges Desaster.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3495979/create

Aktuelle Fotos und Videos
Raucher als Kunstwerke
Bildgalerie
Ausstellung
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
Kein Respekt vor Alfred
Vandalismus
Unbekannte Täter besudelten erneut die Krupp-Statue vor der Marktkirche in der Innenstadt mit farbigen Lettern. Damit bewiesen sie eher zweifelhaften Humor.
In sicherer Entfernung
Landespolitik
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann wird als NRW-Minister gehandelt.