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Ruhrbistum gründet 2012 Sekundarschule in Essen

16.11.2011 | 13:00 Uhr
Ruhrbistum gründet 2012 Sekundarschule in Essen
Das Schulzentrum am Stoppenberg in Essen. Foto: Klaus Micke / WAZ FotoPool

Essen.  Die Haupt- und Realschule des bischöflichen Schulzentrums am Stoppenberg sollen zum kommenden Schuljahr schrittweise fusionieren. Das Land muss einen entsprechenden Antrag des Bistums noch genehmigen.

Gerüchte über eine Fusion gab es schon lange, sie versetzten Schüler, Eltern und Lehrer in einige Unsicherheit. Doch wie das so ist mit Gerüchten: Es stimmte höchstens die Hälfte. Am Mittwoch wird nun offiziell die volle Wahrheit verkündet: Das Bistum Essen plant, die Haupt- und Realschule seines bischöflichen Schulzentrums am Stoppenberg vom kommenden Schuljahr an zu einer „Sekundarschule“ zu vereinen.

Die Sekundarschule wird schrittweise ab Klasse 5 aufgebaut. Für die jetzigen Jahrgänge in beiden Schulen ergeben sich keine Veränderungen“, erklärt Bernd Ottersbach, der Schuldezernent des Ruhrbistums. Das Land muss einen entsprechenden Antrag des Bistums noch genehmigen. Dem Beschluss zur Beantragung einer „Sekundarschule“ waren „intensive Beratungen im Bischöflichen Rat sowie den entsprechenden Gremien in der Haupt- und Realschule“ vorausgegangen, heißt es. Vor allem Realschul-Vertreter hatten auch auch „Verlustängste“ artikuliert.

Die „Sekundarschule“ war im Sommer in Düsseldorf parteiübergreifend als der große Wurf gefeiert worden ; SPD, CDU und Grüne hatten die neue Schulform gemeinsam aus der Taufe gehoben. Sie macht Fusionen von Real- und Hauptschulen möglich; Bedingungen sind Ganztagsbetrieb, gemeinsames Lernen der Kinder in den Jahrgängen fünf und sechs sowie verbindliche Kooperationen mit der Oberstufe eines Gymnasiums oder einer Gesamtschule. Das bischöfliche Schulzentrum beherbergt auch ein Gymnasium.

Größtmögliche Förderung der Schüler

Die neue Schule am Stoppenberg soll „durch die größtmögliche Förderung die Schüler befähigen, den individuell höchstmöglichen Schulabschluss zu erreichen“, so Ottersbach. Die „Sekundarschule“ gebe dafür einen Rahmen, dieses Ziel gut erreichen zu können. Man handle mit der Gewissheit, dass der Arbeitsmarkt die Jugendlichen vor weiter wachsende Anforderungen stelle. Der Unterricht in der neuen „Sekundarschule“ wird von Haupt- und Realschullehrern erteilt. Er ist so aufgebaut, dass am Ende die Fachoberschulreife steht – bei Hauptschulen ist das der Abschluss „mit Qualifikation“ („Typ B“), an der Realschule der reguläre Abschluss. Er berechtigt zum Besuch der Oberstufe.

In Klasse sechs sollen die Schüler Fachklassen belegen – entweder mit mathematisch-technischem oder fremdsprachlichem Schwerpunkt. Eine zweite Fremdsprache wird ab Klasse 8 angeboten. „Bei entsprechender Leistung und Befähigung ist der nahtlose Wechsel ins benachbarte Gymnasium Am Stoppenberg garantiert“, verspricht das Bistum. Wer absehbar den Abschluss mit Qualifikation nicht schafft, dem werde „ein Weg angeboten, der zum Erreichen des Sekundarabschlusses I führt“. Dies ist der einfache Hauptschul-Abschluss ohne Qualifikation.

Martin Spletter



Kommentare
17.11.2011
14:49
dummmberger | #7
von Vatrox | #8

Wir reden über Schulpolitik, das ist nun mal auch Parteipolitik und mit dieser muß man nicht einverstanden sein.

Außerdem ist die Sekundarschule die direkte Folge des Urteiles vom OVG. Denn ohne dieses Urteil hätte es den Parteienkompromiss nicht gegeben, der zur dieser Schulform führte.

Genau so wäre die Umwandlung der erfolgreichsten Hauptschule in Essen nicht möglich gewesen, wenn dieser faule Parteienkompromiss nicht stattgefunden hätte. Deshalb muß man dieser Umwandlung auch nicht einverstanden sein.

Besonders wenn man 3 Kinder mit 10 B Abschluß erfolgreich auf dieser Hauptschule hatte, davon eines mit absolvierter Fachhochschulreife, die alle fest im Berufsleben stehen. Was hauptsächlich auf diese Schule und natürlich die Eltern zurückzuführen ist. Weshalb die angeblich fehlende Chancengleichheit der Haupschule von mir schon gar nicht nachvollzogen werden kann.

Wenn das in ihren Augen ideologisch ist, geht mir das hinten vorbei. Ich nehme eben für mich in Anspruch aus persönlicher Erfahrung zu sprechen. Ideologie ist für mich vor allem bestehende Strukturen um jeden Preis zu zerschlagen, statt sie zu reformieren - und sich dabei noch über die eigenen Gesetze hinwegzusetzen.

17.11.2011
01:14
Vatrox | #6
von dummmberger | #7

Reden wir jetzt über Schule oder über Parteipolitik?
Gott sei Dank haben zumindest die Politiker in NRW einmal über die Grenzen ihrer Partei hinweggeschaut.
Die Ablehnung des Schulversuchs Gemeinschaftsschule hat ja nichts mit dieser Schulform zu tun. Im Gegenteil, die Ablehnung als Schulversuch erfolgte ja auch mit der Begründung, ein "Versuch" sei unzulässig, da ja schon nachgewiesen sei, dass diese Schulform funktioniert.

Dass jetzt ausgerechnet die konservativste Hauptschule in Essen die Umwandlung in eine Sekundarschule plant, sollte doch selbst einem Ideologen wie Ihnen zu denken geben. Hier kann man ja wohl kaum rot-grüne Ideologie als Grund annehmen.

17.11.2011
00:39
Schüler bleiben aus?
von Vatrox | #6

Die Hauptschule ist von den Politikern, speziell von SPD und Grünen systematisch benachteiligt und kaputtgeredet worden, weil sie ihre Ideologie der Einheitsschule, Gemeinschaftsschule genannt, durchsetzen wollten. Sie hätten sie am liebsten nicht nur mit der Realschule, sondern auch gleich mit dem Gymnasium zusammengelegt.

Da war aber das Oberverwaltungsgericht vor. Denn weil SPD/Grünen die poltische Mehrheit fehlt, haben sie ihre Gemeinschaftsschule kurzerhand als Schulversuch deklariert. Lächerlicherweise dabei aber gleichzeitig die Umwandlungsquote von mindestens 30 % bis 2015 festgelegt.

Ein Schulversuch muß aber ergebnisoffen sein - und so befand das Oberverwaltungsgericht die Gemeinschaftsschule als "offensichtlich rechtswidrig". Für Schulministerin Sylvia Löhrmann, die dies zu verantworten hat, eine schwere Schlappe.

Dabei ist die jetztige Form, nämlich die Sekundarschule mit Haupt- und Realschule nichts als ein fauler Kompromiss, der mit der CDU ausgehandelt wurde, mit dem aber eigentlich niemand so richtig zufrieden ist.

Bezeichnend dabei ist, das ausgerechnet die erfolgreichste Hauptschule in Essen, die nie mit Anmeldungen Probleme hatte, im Gegenteil Kinder ablehnen mußte weil nicht genügend Plätze vorhanden waren, als erste in Essen umgewandelt wird. Mit dem Ergebnis, dass die Schüler nichts anderes als den gleichen Schulabschluß erreichen können wie zuvor. Sich dafür aber mit den stärkeren Realschülern messen lassen müssen.

17.11.2011
00:01
Was hat sich eigentlich geändert?
von dummmberger | #5

Eine Menge.
Die Hauptschule ist nicht tot, weil Politiker das wollten, sondern weil die Schüler ausblieben.
In vielen Orten werden schon in naher Zukunft nicht mehr genügend Schüler da sein, um Haupt- und Realschule nebeneinander aufrechtzuerhalten. Einmal wegen des Geburtenrückgangs, dann aber auch, weil alle Eltern versuchen, für ihre Kinder die höchstmögliche Schulform zu wählen.

Dass die Politik jetzt endlich die Realitäten anerkennt, ist doch schon mal ein Fortschritt.

16.11.2011
19:28
Was hat sich eigentlich geändert?
von Vatrox | #4

Der Unterricht wird von den gleichen Lehrern erteilt, am Ende steht die Fachoberschulreife, die zum Besuch der Oberstufe am Gymnasium berechtigt. Also nichts anderes wie bisher der 10 B Abschluß der Hauptschule bzw. der Realschulabschluß. Im Prinzip genau wie zuvor.
Für die jetzigen Jahrgänge ergibt sich keine Veränderung, eigentlich für die Nachfolgenden ebenfalls nicht. Das Kind hat nur einen neuen Namen bekommen.
Das ist also der große Wurf für den sich CDU und SPD feiern lassen: Eine neue Schulform die nicht mehr bietet, wie zuvor Haupt- und Realschule.
Erheblich größer wird in Zukunft allerdings die Spanne in einer Klasse vom schwächsten bis zum besten Schüler. Es wird also eine Herausforderung für die Lehrer die besser Begabten nicht zu unterfordern - und die Schwächeren entsprechend zu fördern, z.B. durch zusätzliche Nachhilfe.
Das bedeutet nicht nur ein Umdenken, sondern erfordert vor allem mehr Geld. Andernfalls drohen gerade die Schwachen in der neuen Schulform unterzugehen. Ich bezweifele allerdings das die Politiker, die die Zusammenlegung der beiden Schulformen wollten, auch bereit sind dies in ausreichendem Maß zur Verfügung zu stellen.
Zudem sie sich dann fragen lassen müssen, warum sie diese Gelder nicht schon vorher der benachteiligten Hauptschule haben zukommen lassen, deren Schüler dringend der Förderung bedurft hätten - und sie müssen sich dann auch fragen lassen, ob dahinter nicht politisches Kalkül gestanden hat.

16.11.2011
19:11
Kirchliche Schulen
von SoerenHL | #3

Wie passen sie zu einem Staat, in dem Kirche und Staat getrennt sein sollten? Wieso regen sich viele über Koranschulen auf, haben aber keine Probleme mit kirchlichen Schulen, die so ihre Schäflein prägen können? Bildungsvermittlung sollte neutral sein, gerade wo es auch um Geschichte, Biologie (u. a. Verhütung) usw. geht. Die Christianisierung sollte, wenn überhaupt, außerhalb von Schulen verfolgt werden.

16.11.2011
14:37
und für Nicht-Katholiken?
von 1980yann | #2

Vielleicht wäre auch eine Sekundarschule, die sich auch inhaltlich an alle interessierten Schüler richtet, sinnvoller ... also religionsneutral und konfessionslos.

16.11.2011
13:22
Sekundarschule
von TheoR | #1

Herzlichen Glückwunsch! Die Voraussetzungen sind ideal. Da soll einer sagen, kirchliche Schulen hätten keinen Mut, innovativ Neuland zu beschreiten. Keine Angst, frei nach Seneca: " Ist erst ein Anfang gemacht, erledigt sich das Übrige."

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