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Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?

08.10.2010 | 13:16 Uhr
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
Protestaktion der Ruhrallee-Tunnelgegner: Ballons kennzeichnen Bohrlöcher in Bergerhausen, die mit Beton aufgefüllt werden sollen Tunnelgegner Frank Rosinger (vorne rechts) klärt über die Folgen des geplanten Baus auf. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.Verkehrsuntersuchung des Ingenieurbüros Helmert weckt Zweifel, ob das Geld für den Ruhrallee-Tunnel gut investiert wäre.

Wie hieß noch die alte Börsenweisheit? „Prognosen sind schwierig – besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Entsprechend rat- und hilflos stehen die Politiker im Essener Planungsausschuss jetzt kopfschüttelnd vor zwei Verkehrsvorhersagen für die Ruhrallee, die einander in ihrem Kern widersprechen. Und die die seit Jahrzehnten hin- und hergewälzte Frage, ob es dort einen Tunnel geben müsste und wenn ja: welchen, in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Denn während der Landesbetrieb Straßenbau für diese zentrale Nord-Süd-Verkehrsader massive Verstopfung bis hin zum Infarkt fürchtet, wenn dort erst einmal der gesamte Verkehr der dann lückenlos geschlossenen A44 an der Ampel steht und damit den Bau des Ruhrallee-Tunnels als zwingend notwendig erklärt, winkt Christoph Helmert rundheraus ab.

Weniger Verkehr im Nullfall

Schon wahr, sagt der Chef eines Aachener Ingenieurbüros, auch künftig wird sich ein Strom von Autos in die Stadt ergießen. Doch was die fertiggestellte A44 an neuen Belastungen beschert, wird dadurch kompensiert, dass die Verkehre aus Heisingen, Byfang oder Überruhr sich neu in Richtung Südwesten orientieren.

Der „Prognose-Nullfall“ für das Jahr 2020 – so heißt das, wenn bis dahin weder Ruhrallee-Tunnel noch die A52-Verlängerung gebaut würden – würde das bisherige Elend also nur fortschreiben, keineswegs verstärken. Eher sei sogar mit einem leichten Rückgang zu rechnen, wo doch die Bevölkerung im Stadtgebiet wie insgesamt im Ruhrgebiet abnimmt.

Dafür also hunderte Millionen investieren? Wäre es nicht besser, man tut nichts und spart sich das Geld, so fragte gestern SPD-Ratsherr Thomas Rotter und erhielt jedenfalls keine Antwort, die diesen Gedanken sofort als abwegig abstempelte. Auch Wolfgang Freye von den Linken stellte zur Debatte, ob Investitionen in den Nahverkehr nicht deutlich mehr bringen würden – bei womöglich geringen Kosten.

Nur Entlastung im Süden der Stadt

Für das Ingenieurbüro Helmert, das mit seiner Verkehrsuntersuchung zum Ruhrallee-Tunnel helfen soll, die städtische Stellungnahme zum Projekt zahlenmäßig zu unterfüttern, steht fest: Sollte der Ruhrallee-Tunnel gebaut werden, entlastet er den Verkehr vorwiegend lokal im Süden der Stadt, eine in Richtung Norden weitergebaute A52 brächte dagegen der gesamten Stadt Vorteile: Zwei Drittel der dort abgewickelten Verkehre würden das städtische Netz entlasten, ein Drittel das regionale Netz im Ruhrgebiet. Wenn also für beide Projekte das Geld nicht reicht, so der Rückschluss, dürfte die Politik also dem (allerdings teureren) A52-Weiterbau vor dem Ruhrallee-Tunnel den Vorzug geben.

Der Rest ist ein weitläufiger Friedhof an Zahlen zu Verkehrsströmen, den Christoph Helmert gestern kenntnisreich erläuterte, der Befürworter und Gegner der Projekte (die auch bei SPD und CDU munter durcheinander diskutieren) aber wohl kaum von ihrer bisherigen Position abbringen dürfte.

Mehr als alles andere, so wurde gestern deutlich, wirkt wohl der Spaltpilz des Zweifels, sich mit hunderten Millionen Euro womöglich nur neuen Verkehr in die Stadt zu holen. Immerhin, der Ruhrallee würde ein neu gebauter Tunnel eine Entlastung von 25.000 Kraftfahrzeugen pro Tag einbringen, so hat es Helmert ausgerechnet. Der Engpass am Anschluss der A52 auf die A40 bliebe aber bestehen. Ob es ihr das wert ist, wird die Politik entscheiden müssen.

Wolfgang Kintscher

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Kommentare
14.01.2011
23:08
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von postin | #20

schön, dass nun klar ist, wer woelly ist. Einer aus der auf Verkehrsinfrastruktur angewiesenen Wirtschaft. Sehr schön, wenn die Produktion mit ihrem Zulieferverkehr außerhalb von Essen bleibt und dennoch der Sitz im schicken E-Süd verbleibt. Verwaltungssitz, nehme ich an. Oder vielleicht sogar Wohnsitz? Dann könnten ja auch in Essen Arbeitsplätze vorhanden sein obwohl es doch verkehrstechnisch angeblich nicht ausreichend ist.
Ohne in die Tiefe zu gehen, ist es so, dass sich Essen seit den Plänen der fortschrittshörigen Politik der Auto-kompatiblen Stadt der 1960er/70er Jahre in eine problematische Lage gebracht hat. Essen sollte auch als Lebensstandort gesehen werden.
Wer sich nicht auf kurzfristige Meinungsmache von allen Seiten verlassen will, kann in der zur Zeit laufenden Städtebauaustellung im Folkwang Museum Urbanität erleben, mit all den bekannten Argumenten der Pro-Autobahn-Lobby und sie mit der Realität z.B. an der A40 vergleichen.

20.10.2010
15:25
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von woelly | #19

schlecht ist richtig

20.10.2010
14:11
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von woelly | #18

#15 von Wallace

Zu Ihrer Frage: Als Mittelständler mit Firmensitz im Essener Süden besuche ich 1-2 mal wöchentlich einen Großkunden in Gelsenkirchen-Schalke. Die Fahrzeit für eine Strecke, bei Stau auf der Ruhralle, 1 - 2 Std. Ein weiteres Fahrziel ist Bottrop, über die Gladbeckerstr. wenn es schlächt läuft auch mal 2 Std. Bei dieser sehr schlechten Verkehrsinfrastuktur (Nord-Süd-Verbindung) habe ich kein Interesse im Stadtgegiet Essen zu investieren. Meine Produktionsstandorte befinden sich daher im Bergischen Land. Die Fahrzeit dorthin beträgt max. 1/2 Std. Da Zeit Geld ist, bleibt es so wie es ist. Daher sage ich, das Ruhrgebiet kann seine hochgesteckten Ziele so nicht erreichen.
Wir brauchen hier zeitgemäße Verkehrsanbindungen! Daher ist eine durchgehende A44 ganz wichtig für unsere Region.

20.10.2010
12:54
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von woelly | #17

#16 von Bergerhauser

Sie sind zu bedauern! Offensichtlich kennen Sie wirklich nicht alle Pläne und Alternativen. Nach dem, was Sie so schreiben, ist Ihnen leider nur die Draufsicht zugänglich. Es gibt aber mehrere Schnittdastellungen zu den verschiedenen Tunnelabschnitten. Dort werden Sie hoffentlich nachvollziehen können, wie die Planungen im Detail aussehen. Als autorisierter Tunnelgegner sollten Sie allerdings umfänglich im Bilde sein. Beeilen Sie sich, sonst läuft Ihnen die Zeit weg. Ob Herr Geißler für Sie Zeit hat wage ich zu bezweifeln - der hat in Stuttgart noch was zu tun, aber ich bin gerne für Sie da.

19.10.2010
21:40
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von Bergerhauser | #16

#13 Wolly rechnet leider nicht richtig!
Oberirdisch bleiben über 30.000 Fahrzeuge auf der Ruhrallee, dass ist immernoch zuviel für eine Spur pro Fahrtrichtung und aus dem Tunnel kommt in Fahrtrichtung Innenstadt und zum Abbiegen auf die A52 in Richtung Düsseldorf 4 Spuren, das sind 8 Spuren an der Rampe nebeneinander. Unterirdisch kommen dann noch mal jeweils zwei Spuren von und in Richtung A40 hinzu. Nachvollziehbar?! Wenn nicht bitte mal in die Pläne schauen. Da ist nix mit 3 Ebenenen! Zählt man die oberirdischen nötigen Einfädlungsspuren hinzu kommt es in der Tat sogar direkt vor der A52 zu noch mehr Spuren.Ob 10 oder 12 ist dann auch egal. Die Bäume zwischen Ahrfeldstraße und A52 sowie mindestens eine Häuserzeile müssten eh weg. Nicht ohne Grund gibt es noch keine Detailplanung zum Nordportal. Das ist und bleibt der größte Bausünde der Planung, die kleingeredt bzw. verschwiegen wird.

19.10.2010
19:40
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von Wallace | #15

„Woelly“ ist aber auch wirklich ein „harter Brocken“. Was spricht denn so sehr für Sie für diese Autobahn? Erhoffen Sie eine großzügige Entschädigung, da Sie sowieso den Gedanken hegen wegzuziehen? Mit heutigem Wissen ist die Idee der 70er/80er Jahre doch wirklich nicht mehr zu befürworten. Versprechungen wurden schon viele gemacht...

18.10.2010
22:52
Blockierter Kommentar.
von krake | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.10.2010
13:04
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von woelly | #13

#12 von Bergerhauser

Ist ja toll, denn die Tunnelgegner haben mal von 12 Spuren nebeneinander gesprochen, und nun ist man über 10 Spuren, bei 8 Spuren angelangt. Das entspricht in etwa der Planung, wobei man aber berücksichtigen muß, dass diese sich auf 3 Ebenen verteilen, wobei die jetzige Ruhrallee, mit 4 Spuren die Ebene 0 ist. Die weiteren Spuren verteilen sich auf zwei weiteren Ebenen darunter in Tunnellage. Man muß es eben nur verstehen und korrekt darstellen. Ist nicht immer ganz einfach.

17.10.2010
19:02
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von Bergerhauser | #12

Die Ruhrallee wird hauptsächlich nur in dem Bereich entlastet wo es nördlich der Ruhrallee keine Wohnbebauung gibt. Dort wo die meisten Menschen wohnen, am Nordportal zwischen Ahrfeldstraße und A52 kommt der meiste Verkehr aus dem Tunnel wieder noch oben und statt 4 Spuren wird es dort zukünftig 8 Spuren geben. Die südliche Entlastung der Ruhrallee wird also im nördlichen Teil sehr teuer erkauft. Diesen Sachverhalt berücksichtigt, das Gutachten bei der innerstädtischen Entlastung nicht. Der Tunnel ist von daher auch abzulehnen.

14.10.2010
12:12
Ruhrallee: Die Autoflut – ein Schreckensmärchen?
von woelly | #11

#10 von meine-Meinung

Nach all dem was Sie nun geschrieben haben, sehe ich etwas klarer und freue mich sehr, dass Sich sich meiner-Meinung anschließen können und nun auch zu den Beführwortern des notwendigen Ruhalleetunel gehören. Verbreitern Sie sich also bitte mit Ihrem fundiertes Wissen und mit Ihrer Meinung weiter. Der Ruhralleetunnel ist für Essen nötig! Danke!

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