Ruhr Games in Essen: Mögen die Spiele gelingen

Vize-Europameisterin Sandra Mikolaschek
Vize-Europameisterin Sandra Mikolaschek
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Unter dem Motto „Wir fördern euch zutage!“ starteten am Mittwoch die Ruhr Games auf dem Gelände der Zeche Zollverein.

Essen.. Mit flinken Bewegungen saust Sandra Mikolaschek in ihrem Rollstuhl durch die Gänge der Halle 12 auf dem Gelände der Zeche Zollverein, wo gestern die Ruhr Games starteten. Es ist schwierig, an die 17-jährige Vize-Europameisterin heranzukommen, die auch im regulären Liga-Betrieb erfolgreich ist. „Heute komme ich irgendwie nicht zum Luftholen“, sagt sie und rollt schon wieder zum nächsten Match. Organisiert wird das Tunier für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung vom Westdeutschen Tischtennisverband sowie vom Behinderten- und Rehabilitationsverband Nordrhein-Westfalen.

Der Zuschauerandrang hielt sich an Tag 1 noch in Grenzen, doch führt Breitensportreferent Norbert Weyers dies auch auf den Pilotprojekt-Charakter der Spiele zurück: „Natürlich hätten wir gerne noch mehr Schulen für das Tunier gewonnen. Aber meist muss so etwas ja erstmal erfolgreich anlaufen, damit andere nachziehen.“ So hatten sich zunächst nur die Helene-Lange Realschule und die Helen-Keller-Schule beteiligt.

Kritik an Austragungsort eines inkluviven Tischtennis-Turniers

Nicht nur Kinder mit körperlichen Behinderungen sondern auch jene mit Lernbehinderungen und emotionalem Förderbedarf sind mit von der Partie. Eine tolle Aktion, findet Lehrerin Susanne Schmidt: „Für die Schüler ist das ein besonderes Erlebnis. Das ist mal etwas ganz anderes als Englisch oder Mathe.“ Nur sei der Zeitpunkt etwas ungünstig gewählt, da sich viele Schulen zurzeit in der heißen Phase vor den Zeugnissen befänden und noch Klassenarbeiten zu schreiben hätten. „Sonst wäre der Zuspruch vielleicht noch größer gewesen.“

Auf Kritik stößt auch die Wahl des Austragungsortes für ein inklusives Tischtennis-Tunier, das die Veranstalter in der Halle zwölf in den zweiten Stock gelegt haben. „Für die Rolli-Fahrer ist es sehr aufwendig, hier hochzukommen. Mit dem Aufzug kann immer nur einer fahren, und das dauert eben entsprechend lange“, bemerkt Hannes Doessler, Cheftrainer des paralympischen Trainingsstützpunktes Düsseldorf. „Das hat der Veranstalter nicht bedacht.“

Generalprobe der FMX-Show

Und wer sich noch nicht so recht vorstellen kann, mit welchen Schwierigkeiten Rollstuhlfahrer im Alltag konfrontiert sind, kann einen Raum weiter im Selbstversuch einen kleinen Parcours im Rolli absolvieren. Die Übungen sind alltäglichen Hindernissen wie Kopfsteinplaster oder einer Bordsteinkante nachempunden und zeigen bei vielen Teilnehmern: Die ersten Meter im Rollstuhl sind gar nicht so einfach. „Es geht bei dem Parcours vor allem auch darum, Hemmschwellen im Umgang mit behinderten Menschen und vor dem Rollstuhl selbst abzubauen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was der Alltag im Rollstuhl bedeutet“, sagt Sportwissenschaftler Axel Görgens. Mindestens ebenso wichtig sei aber die Erfahrung, dass man das Rollstuhlfahren sehr schnell lernen könne.

Kräftige Adrenalischübe gab es derweil draußen auf dem Hauptgelände, wo die Fahrer FMX-Show bereits eine eindrucksvolle Generalprobe für den Abend hinlegten. In rasantem Tempo rasen die Extremsportler mit ihren Maschinen über eine Rampe, um dann mit einem waghalsigen Sprung in der Luft wieder auf dem Sitz zu landen. „Ich habe mit zweieinhalb Jahren zum ersten Mal auf einem Kindermotorrad gesessen und bisher ist mir zum glück noch nie Schlimmeres passiert“, sagt der Berliner Kai Haase optimistisch. Am Samstag ist die FMX-Show noch einmal um 19.30 Uhrauf Zollverein zu sehen.