Rüttenscheider Tische-Krieg tobt im Christinenpark

Typisch für das „Miamamia“ sind die pinkfarbenen Stühle. Die Verwaltung aber will den Christinenpark in Essen-Rüttenscheid lieber einheitlich bestuhlen und ihm einen edlen Anstrich verleihen.
Typisch für das „Miamamia“ sind die pinkfarbenen Stühle. Die Verwaltung aber will den Christinenpark in Essen-Rüttenscheid lieber einheitlich bestuhlen und ihm einen edlen Anstrich verleihen.
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Die Außen-Gastronomie im Christinenpark ist der Stadt nicht mehr edel genug. Ein dritter Gastronom soll hinzukommen, die bisherigen Wirte - „Miamamia“ und „Lorenz“ - aber für weniger Fläche mehr bezahlen. Die Verwaltung will den Park einheitlich bestuhlen.

„Alles läuft gut. Warum will man das jetzt ändern?“, fragt Silvio Bauksch, Geschäftsführer des Restaurants „Miamamia“ an der Rüttenscheider Straße. Die Vorschläge der Verwaltung zur Außengastronomie im Christinenpark, die am Donnerstag den Politikern der zuständigen Bezirksvertretung II vorgelegt werden sollen, stoßen bei Bauksch auf wenig Verständnis. Bisher teilt sich das „Miamamia“ die gastronomisch genutzte Fläche im Christinenpark mit dem benachbarten „Lorenz“. Jetzt soll ein dritter Gastronom hinzukommen. „Dagegen haben wir ja nichts“, sagt Bauksch. „Aber warum sollen wir für weniger Fläche mehr bezahlen?“ Die Rechnung der Verwaltung sei unverhältnismäßig. „Und ausgerechnet das Sonnenstück sollen wir abgeben, das bei den Gästen natürlich besonders beliebt ist.“

Flächen seien nicht korrekt berechnet

Um 66 Quadratmeter soll die Außenfläche des „Miamamia“ verkleinert werden, wobei die Verwaltung eine genutzte Fläche von 313 Quadratmetern zugrundelegt. Eine Zahl, über die Bauksch nur lachen kann: „Da hat Grün und Gruga ein Stück des Weges und nicht nutzbare Ecken eingerechnet.“ Er nutze draußen derzeit rund 240 Quadratmeter. „Wir haben nicht nur den ursprünglich ziemlich verwilderten Park hergerichtet. sondern zahlen auch zwölf Monate Pacht für das Stück, das wir nur vier bis fünf Monate im Jahr nutzen.“ „Grün und Gruga“ scheine das nicht zu reichen. Die Verwaltung formuliert ihr Ziel klar: Die Pachteinnahmen sollen die gärtnerische Pflege des Parks finanziell abdecken.

Christinenpark soll der Erholung dienen

Die Idee der Verwaltung, eine einheitliche Bestuhlung für alle Nutzer des Parks vorzuschreiben, hält Bauksch für absurd: „Wo bleibt da die Individualität, das Unternehmertum?“ Gerade die rosafarbenen Bänke seien charakteristisch für das „Miamamia“. Johannes Oppenberg von „Grün und Gruga“ sieht das anders: „Uns liegt daran, den Park optisch ansprechend zu gestalten.“ Er verweist auf Städte wie Maastricht in den Niederlanden, die durch ein einheitliches Erscheinungsbild der Innenstadt an Attraktivität gewonnen hätten. Er könne sich Stühle aus dunklem Holz mit beigefarbenem Leder vorstellen, konkretisiert Oppenberg seine Vorstellungen.

Die Verwaltung müsse auch die Interessen der Bürger berücksichtigen, die den Christinenpark zur Erholung nutzen wollten, ohne die Gastronomie in Anspruch zu nehmen. Gerade in Rüttenscheid gebe es wenig solcher Grünflächen. Deshalb schlägt die Verwaltung vor, insgesamt acht Prozent der Parkfläche, also gut 600 Quadratmeter, gastronomisch zu nutzen.

Problem der Öffnungszeiten

Das Ansinnen der Verwaltung, die Öffnungszeiten von heute 9 bis 22 Uhr auf 11 bis 21 Uhr einzuschränken, hält Bauksch für geschäftsschädigend. „Hier stehen oft schon um 8.30 Uhr die Mütter vor der Tür“. sagt er. Es sei schon schwer genug, den Gästen um 21.45 Uhr zu erklären, dass sie jetzt nach drinnen umziehen müssten. „Wenn schon um 21 Uhr Schluss ist, kommt keiner mehr“, befürchtet der Geschäftsführer. Die derzeitige Regelung funktioniere übrigens gut, es habe noch keine Beschwerden der Nachbarn gegeben.

Dass man die sowieso schon knappe Kündigungsfrist von drei Monaten weiter verkürzen wolle, um es der Verwaltung zu ermöglichen, „bei Nichteinhaltung der Vertragsinhalte kurzfristig das Vertragsverhältnis aufzuheben“, findet Bauksch unmöglich. Er habe alle Auflagen der Stadt erfüllt, um 2007 die Genehmigung für die Außengastronomie zu bekommen. Er habe Arbeitsplätze geschaffen und kräftig investiert, um den Andrang der Gäste, die oft wegen des Gartens kämen, zu bewältigen. „Umsatzeinbußen kann ich mir nicht leisten, ich habe finanzielle Verpflichtungen“, sagt Bauksch und betont: „Der Christinenpark liegt uns am Herzen.“