Rückenwind für die junge Generation Bühne

Fünf Tage, elf ausverkaufte Vorstellungen und 1200 jugendliche Zuschauer – in Zahlen gefasst sind die Schultheatertage des Schauspiel Essen schon mal eine Erfolgsgeschichte. Dass diese Geschichte weitergeht, dafür ist ebenfalls gesorgt. Zur Eröffnung des bühnenreifen Klassen-Arbeiten-Zeigens trafen sich der alte und neue Förderer zur „Staffelübergabe“ in der Casa des Schauspiel Essen.

Fünf Jahre lang hat die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung die Theaterpädagogik am Haus unterstützt. „Das Schauspiel Essen hat gezeigt, dass ein Theater auch in unserem medialen Zeitalter mit Kreativität und neuen Initiativen ein Publikum ansprechen kann, das zuvor das Theater noch nicht für sich entdeckt hatte“, lobt Thomas Kempf, Mitglied im Vorstand der Krupp-Stiftung.

Für die „wichtige und notwendige Kontinuität“ , so Kempf, sorgt nun die Anneliese Brost-Stiftung, die sich in den nächsten Jahren dafür engagieren wird, dass die zwei Vollzeitstellen am Haus erhalten bleiben. Esther Aust und Katharina Feuerhake organisieren dabei nicht nur Festivals wie die Schultheatertage, sondern bieten auch zahlreiche Workshops für Jung und Alt.

„Als ich 1985 Jugendamtsleiter in Essen wurde, da gab es noch eine eigene Sparte Kinder- und Jugendtheater“, erinnert sich Dieter Greese als Vertreter der Brost-Stiftung. Nun sei man froh, „dass wieder etwas Neues aufgebaut wurde“, lobt Greese die Arbeit des amtierenden Schauspiel-Chefs, der auch ohne ausgewiesene Sparte das Publikum von morgen spielend erreicht. „30 Prozent unseres Publikums sind Vier- bis 18-Jährige“, erklärt Christian Tombeil. Und die kommen nicht nur ins obligate Wintermärchen, sondern auch in andere Vorstellungen, in den mitreißend-musikalischen „Werther“ beispielsweise. „Ein tolles Zeichen gegen den Trend“, findet der Intendant.

Auch viele Essener Schulen nutzen die Angebote am Schauspiel Essen. Und viele freuen sich besonders über die öffentliche Plattform, die das Schauspiel Essen ausgewählten Schultheater-Produktionen einmal im Jahr zur Verfügung stellt. Dabei ist der Umgang mit klassischen Stoffen wie Shakespeares „Sommernachtstraum“ ebenso zu erleben wie die Verarbeitung aktueller Stoffe wie in Peter Haus’ Jugendstück „Gewitterneigung“, einer „Anatomie eines Amoklaufs“.

Häufig vertreten sind bei den diesjährigen Schultheatertagen auch eigene Stückentwicklungen, als Tanz- und Bewegungstheater für die Kleinen oder auch als differenzierte Auseinandersetzung mit der eigenen Identität wie bei „Wer? Ich!“ vom Viktoria-Gymnasium. Weil bei immer mehr Mensch das Selbst im Vordergrund stehe, so Greese, gerate das Leben der anderen manchmal aus dem Sinn. Theater kann da anschaulich entgegen wirken.