Rocky Horror Show im Colosseum - Im Reich der schwarzen Mieder

Starke Truppe: Das Ensemble der „Rocky Horror Show“ mit Rob Fowler (vorn re.) in der Frank’n’Furter-Rolle.
Starke Truppe: Das Ensemble der „Rocky Horror Show“ mit Rob Fowler (vorn re.) in der Frank’n’Furter-Rolle.
Foto: BB Promotion
Was wir bereits wissen
Wenn die „Rocky Horror Show“ auf dem Programm steht, spielt auch das Publikum mit. Bühnengaudi mit Konfetti, Klopapier und fiesen Kommentaren.

Essen.. Konfetti, der Mann im Mieder kommt. „Ja ist denn schon Karneval?“, wird sich manch Uneingeweihter bei der Vorstellung der „Rocky Horror Show“ im Colosseum gefragt haben angesichts der vielen Menschen im Saal mit roten Hütchen auf dem Kopf, Spitzenhäubchen im Haar und Strapsen an den Beinen. Sie alle wissen, was in Richard O’Briens kultiger Bühnenshow erste Publikums-Pflicht ist: mitmachen!

Was zu tun ist, wissen alle Eingeweihten: Mit Wasserpistolen spritzen, Leuchtstäbe schwenken, Klopapierrollen durch den Saal werden und ab und an mal ein durchdringendes „boring“ (langweilig) in den Raum werfen, wenn Erzähler Sky du Mont aus seiner großen roten Kladde vorträgt, was einem Spießerpärchen wie Janet und Brad so passieren kann, wenn es eines nachts wegen einer Autopanne im Anwesen eines Sex-Maniacs namens Frank’n’Furter landet. Alles hat hier eine klar vorgegebene Abfolge und trotzdem vibriert der Saal immer wieder vor anarchischer Energie, wenn dieses Kultstück aus den 70ern auf die Bühne kommt. Im Essener Colosseum macht diese transsilvanische Truppe nun bis Sonntag Station. Und erzeugt ihre wunderbare Faszination nach wie vor in dieser unwiderstehlichen Mischung aus extravagantem Trash und hochprofessioneller Darbietung.

Spiel mit sexuellen Identitäten

Angeführt wird das Ensemble von Rob Fowler als triebgesteuerter Schlossherr Frank’n’Furter, dem das schwarze Mieder und die roten Lackstilettos so angegossen passen wie das schiefe Lächeln und die lasziven Posen. Seine erotischen Menschenversuche werden angemessen bizarr in neckischen Schattenspielen durchgespielt, während die sechsköpfige Band oben auf der Empore ordentlich Dampf macht und den zeitlosen Hits von „Time Warp“ bis „Sweet Transvestite“ frische Energie verleiht. Neben Fowler glänzen dabei auch Maria Franzèns Magenta und Stuart Mathew Prices „Riff Raff“ mit starker Stimme und Präsenz.

Alles glitzert so grell, dass einem Lady Gaga im Vergleich wie eine gesetzte Gesellschaftsdame erscheint, wenn in der von Sam Buntrock sacht modernisierten Inszenierung am Ende gar ein Hauch von Pariser Lido aufkommt. Das groteske Spiel mit den sexuellen Identitäten macht immer noch Spaß. Und es ist gar nicht schlecht, wenn man dazu ein gefaltetes Zeitungshütchen auf dem Kopf trägt.