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Rocco Capobianco hofft auf Gianna Nannini als gutes Omen

28.06.2012 | 16:00 Uhr
Foto: Olaf Fuhrmann

Essen.   Als er das Spiel der deutschen Elf gegen Griechenland sah, war er schockiert. Dennoch glaubt Rocco Capobianco an einen Sieg seiner Italiener. Wenn es nach Rocco Capobianco geht, wird sich der Ball aber auch am kommenden Sonntag drehen.

Die Frau scheint Sägeblätter statt Stimmbänder zu haben. Damit röhrt sich Gianna Nannini in die Gehörgänge der wenigen Gäste, die im Restaurant sitzen, als Rocco Capobianco die Stirn in Falten legt, seine blauen Augen aufreißt und sagt: „Das Spiel gegen Griechenland – ich war schockiert!“ So viel Spielkultur hat er der deutschen Mannschaft wohl gar nicht zugetraut. „Das war wie im Training. Super.“

Dann flüstert er kurz „Ciao“ zu seinen Kellnern, die in die Pause verschwinden, zieht mit seinem Mund einen Flunsch und schüttelt den Kopf: Noch nie sei eine deutsche Mannschaft so gut gewesen wie in diesem Jahr. „Das wird schwierig für uns.“ Ein weiter Weg. Und eine schöne Analogie zum eigenen Leben des 42-jährigen Gastronomen.

Entfernungen sind relativ

Rocco Capobianco stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf in der Region Kampanien, rund 90 Kilometer von Neapel entfernt. „Aus Scampitella Avellino, das ist dort genau so, als wenn man hier aus Steele kommen würde.“ Entfernungen sind eben nur relativ.

1989 kam er zunächst nach Stuttgart. Von dort aus reiste Rocco Capobianco über Leonberg und Gießen nach Essen, eröffnete 1997 das Restaurant in der Innenstadt, und lebt mit seiner Frau Toto Rosa und den vier Kindern (4, 6, 8 und 10) nun in Steele. Und obwohl die Entfernung zu seinem Heimatort seit 1989 stetig größer geworden ist, ist Rocco Capobiancos Seele nach wie vor: grün-weiß-rot. Natürlich. „Ich will immer, dass Italien gewinnt“, sagt er, lächelt und zuckt mit den Schultern.

Autorennen müssen Fußball weichen

Dafür stellt er für die Zeit der Europameisterschaft auch gerne seine ursprüngliche Leidenschaft zurück: Autorennen . Solange die „Squadra Azzura“ weiterhin im Rennen um den Europameistertitel ist, hat Rocco Capobianco seine Begeisterung für das ohnehin schwächelnde Ferrari-Team bereitwillig in den hinteren Hirnrinden geparkt.

Public Viewing EM 2012

Zwei Fernseher drinnen und ein großer Bildschirm auf der Terrasse zeigen nur Fußball – zumindest für heute. Wenn es nach Rocco Capobianco geht, wird sich der Ball aber auch am kommenden Sonntag drehen. Einen Sieg sagt er für die italienische Mannschaft voraus. In der regulären Spielzeit. Und nicht nur das.

Nannini muss helfen

Rocco Capobianco stützt sich mit seinen Ellenbogen auf den kleinen, dunkelbraunen Tisch und beugt sich nach vorn, dreht den Kopf ein wenig nach rechts und blinzelt verschwörerisch aus den Augenwinkeln: „Wenn wir morgen gewinnen, dann werden wir auch Europameister.“

Können wir nur hoffen, dass Gianna Nannini ein Omen war. Als die Dame vor 22 Jahren ins Mikrofon röhrte, sind wir nämlich Weltmeister geworden.

Philipp Ortmann


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