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Risse in Nachbarhäusern - Stadt legt Hellweg-Baustelle lahm

26.06.2012 | 06:00 Uhr
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Risse in Nachbarhäusern - Stadt legt Hellweg-Baustelle lahm
80.000 Kubikmeter Erde wurden hier in den letzten Wochen nach Aussage von Anwohnern bewegt - offenbar ohne Baugenehmigung.

Essen-Frillendorf.  Die städtische Bauaufsicht hat die Baustelle für den neuen Hellweg Baumarkt an der Frillendorfer Straße stillgelegt. Eine schwere Bodenverdichtungswalze hatte Risse in den Nachbarhäusern verursacht. Offenbar gab es für die Arbeiten keine Baugenehmigung.

„Hier entsteht Qualität“ steht auf dem Banner geschrieben, das am Bauzaun an der Frillendorfer Straße hängt - dort, wo der neue Hellweg Baumarkt entstehen soll. Das mag Franz-Josef Schmitz gerade nicht bestätigen. Er wohnt im Haus Nr. 1 an der benachbarten Glückstraße. Sein Haus, auf das er stolz ist, hat jede Menge Risse bekommen. „Das ganze Niveau ist baden gegangen“, sagt Schmitz, der einen Brennstoffhandel in derselben Straße besitzt. Auch dort Schäden. Wie in seinem Haus Nr. 3. In die Zehntausende geht seiner Ansicht nach das, was Hellweg mit seinen Vorbereitungsarbeiten verursacht hat. Und das ganz ohne Baugenehmigung, wie Detlef Robrecht, stellvertretender Abteilungsleiter der Bauaufsicht, auf Anfrage bestätigt.

Baugenehmigung fehlt

Das Gelände, auf dem der Baumarkt-Riese seine fünfte Essener Filiale hochziehen will, war früher Standort für das Busdepot der Deutschen Bundesbahn. Von Altlasten sprechen Anwohner hinter vorgehaltener Hand. Eine Kippe für alles Mögliche sei es allemal gewesen. Gewachsenen Boden gebe es da jedenfalls nicht. Also rückte die Baufirma mit einer Bodenverdichtungsmaschine an. Obwohl über den Bauantrag, der erst seit drei Wochen die Verwaltung beschäftigt, noch nicht endgültig beschieden wurde. „Im schweren Erdbau fühlt sich die BW 226 DI erst so richtig wohl“, heißt es in der Werbung. Es handelt sich um eine Polygonal-Walze, die mit ihren 26 Tonnen Gewicht gigantische Erdmassen verdichten kann.

Risse am ganzen Haus

„80.000 Kubikmeter Erde haben die damit in kürzester Zeit bewegt“, sagt Franz-Josef Schmitz. Da ging sein Außenkamin auf der Terrasse glatt in die Knie. Die horizontalen Kellerfenster stehen hoch, weil der Boden darunter nachgab. Risse unter jedem Fenster im Haus zeichnen sich ab. Die Fliesen im Bad fangen langsam an zu bröseln. Immerhin: „Hellweg hat schon einen Teil der Schäden anerkannt“, sagt der Unternehmer. Aber eben nur einen Teil. „Auf meine Liste mit Nachfolgeschäden haben die noch nicht reagiert.“

„Bislang haben wir die vorbereitenden Maßnahmen getroffen. Und sind jetzt an dem Punkt, wo die genehmigungspflichtigen Arbeiten anstehen: der Einbau des Sprinklertanks, die Fundamentarbeiten sowie die Aufschüttungen des Geländes“, heißt es in einer Stellungnahme von Hellweg. Da die Teilbaugenehmigungen für diese Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorlägen, „mussten wir die Arbeiten für circa eine Woche unterbrechen“. Das Unternehmen hoffe, mit der dann vorliegenden Teilbaugenehmigung die Arbeiten vornehmen zu können.

Baustelle vorerst stillgelegt

„Wir haben die Baustelle stillgelegt, weil es überhaupt keine Genehmigung gibt“, sagt Detlef Robrecht. Einige wichtige Grundfragen seien nach wie vor ungeklärt. So wolle die Verwaltung unter allen Umständen untersuchen lassen, wie es sich mit den Altlasten im Boden verhalte. Dann sei die Feuerwehrzufahrt derzeit noch über eine Grünfläche geplant, womit sich die Untere Landschaftbehörde nicht einverstanden erkläre. Schließlich sei auch der Brandschutz noch nicht in trockenen Tüchern. Robrecht: „Die Bauaufsicht hat ein Bußgeldverfahren eingeleitet.“

Heute ist das Gelände Thema in der Bezirkssitzung I. Bezirksbürgermeister Peter Valerius: „Wir sind sehr ungehalten über das bisherige Vorgehen.“ Darüber hinaus müsse der Baukörper komplett verschoben werden, weil sich im östlichen Teil des Areals ein Kanal in 20 Metern Tiefe befände. Dann stünde die riesige Halle vor den Häusern an der Glückstraße. Mit anderen Worten: Erst Risse im Haus und dann auch noch die Sonne weg.

Achim Hodde

Kommentare
26.06.2012
09:53
Risse in Nachbarhäusern - Stadt legt Hellweg-Baustelle lahm
von f31ih | #3

Als Hellweg in Lüdenscheid neu gebaut hat, wurde das Gebäude ohne Genehmigung mehrere Meter höher gebaut - entgegen der Baugenehmigung. Man könnte dahinter Methode vermuten.

26.06.2012
07:38
„Hellweg baut ohne Genehmigung“
von mar.go | #2

Die Fa. Hellweg war schon immer dafür bekannt, rücksichtslos ihre Interessen durchzusetzen.
Bleibt zu hoffen, daß sie diesmal wenigstens ein saftiges Bußgeld zahlen muß!

26.06.2012
06:09
In einem Land in dem Investoren 1,2 Milliarden €
von meigustu | #1

verbauen obwohl noch Klagen gegen ihren Neubau, in dem Fall ein Kraftwerk, anhängig sind, muss man sich nicht wundern, das andere Bauherren die politische Rückendeckung die der Bauherr des Kraftwerks bekommen hat, auch für sich erwarten. Sonst zieht man eben mit seiner Steuersitz dorthin, wo man besser gelitten ist.

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