Richard Reynolds - Wilderer in vergessenen Gärten
19.03.2010 | 19:32 Uhr 2010-03-19T19:32:00+0100
Essen. Richard Reynolds, Protagonist der weltweiten Guerilla-Gärtner-Bewegung ist zu Besuch in Essen – und legt nur fünf Minuten nach seiner Ankunft los. „Ich habe keine Zeit zu verlieren, hier gibt es viel zu tun“, konstatiert er den Zustand des öffentlichen Begleitgrüns in der Kulturhauptstadt.
Etwas verdattert schauen die Passanten dem Geschehen am Straßenrand zu. Von Kameras umringt krabbelt der Engländer Richard Reynolds am Handelshof in einem städtischen Beet herum und pflanzt Primeln, Hornveilchen und Kohlrabi. Um eine Erlaubnis hat der selbst ernannte Guerilla-Gärtner wohlgemerkt nicht gefragt.
„Das ist gute Erde“, sagt Richard Reynolds und lockert den Boden mit bloßen Händen auf. „Ich habe keine Zeit zu verlieren, hier gibt es viel zu tun“, konstatiert er den Zustand des öffentlichen Begleitgrüns. Angemerkt sei, der 32-Jährige ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünf Minuten in der Kulturhauptstadt. Auf Einladung der „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, Zweig NRW“ präsentiert er in der Buchhandlung Proust sein Werk „Guerilla Gardening“.
Gegen urbane Tristesse
„Es hungert im Ruhrgebiet nach solchen Aktionen, denn die Leute finden nicht zusammen“, sagt Dorothée Waechter von der NRW-Sektion der „Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur“. Die Gesellschaft hat den Engländer nach Essen geholt, der direkt von der „lit.cologne“ anreist. „Das ist reines Gärtnern, aber auch politische Aktion“, weiß Waechter. Vorsorglich habe man auch „Grün & Gruga“ Bescheid gesagt. Aufgetaucht ist jedoch niemand. Ein Fernsehteam hatte Verantwortliche des städtischen Grün-Departments eingeladen. Dort verwies man auf den Begrünungsplan für Ruhr2010. Viele Zuhörer, auch die Älteren, hatten dafür nur Spott übrig.
Der Hintergrund ist ein globales Problem, das auch die Stadt Essen betrifft. Immer mehr städtische Grünflächen fristen inmitten urbaner Tristesse ein kümmerliches Dasein. Auch die Zukunft wird für die Beete, Baumscheiden und anderen öffentlichen Pflanzkübel nicht rosiger: Im Sparpaket der Stadt sind auch Einschnitte bei der öffentlichen Bepflanzung vorgesehen.
Patenschaften bei „Grün & Gruga“
Patenschaften kann man bei „Grün & Gruga“ seit längerem beantragen. 1000 Paten – Bürger und Unternehmen – kümmern sich bereits ehrenamtlich um die kleinen, grünen Inseln im gesamten Stadtgebiet. In Zeiten knapper Kassen ist bürgerliches Engagement gefragter denn je.
Guerilla-Gärtner Reynolds geht jedoch noch weiter. Er hält es nicht für nötig, das Einverständnis bei der Verwaltung einzuholen. 2004 startete der Londoner direkt vor der Tür mit seiner Mischung aus Gärtnern und politisch angehauchter Performance. Vor dem Hochhaus im Bezirk „Elephant and Castle“, in dem er wohnt, begann er das eigentlich ilegale Verschönern öffentlichen Raums. Bereits als Schüler entwickelte er auf dem Internat seinen „grünen Daumen“. Einmal wurde er deswegen fast verhaftet. „Es lag aber nicht an der Aktion an sich, sondern an der zu großen Aufmerksamkeit durch ein Fernsehteam, das mich begleitete“, erinnert er sich. Die Polizisten seien nervös geworden.
Winzige Szene in Essen
Einige lokale Guerilleros sind zur Vorstellung seines Buches gekommen. „Wir wollen lieber anonym bleiben“ ist ihr Tenor. Ein Endzwanziger zeigt dem Engländer seine neueste Entwicklung: eine Saat-Bombe aus Katzensand. Auch Samen bekommt Reynolds von einer Frau geschenkt. Übrig geblieben ist davon nichts. Ein Fleck Essener Erde darf sich bald über „Nachwuchs“ freuen.
11:37
Es tut sich was!!!
Alle Gartenaktivisten, Guerilla-Gärtner und Naturfreunde möchte ich auf das n.a.t.u.r. (das steht für: natürliche Ästhetik trifft urbanen Raum)
Festival aufmerksam machen, welches vom 13.05.-21.05.2011, rund um den Katholikentagsbahnhof in Bochum stattfindet (Katholikentagsbahnhof, Konrad-Adenauer-Platz 3, in 44787 Bochum)
Das Hauptquartier ist täglich von 11 bis 21 Uhr geöffnet, dort könnt ihr euch für die Gartenworkshops und Aktionen anmelden.
Am 15.Mai, ab 14 Uhr, ist ein Treffen von allen Gartenaktivisten des Ruhrgebiets geplant. Ihr könnt eure Aktionen vorstellen, neue planen und euch kennenlernen. Die Szene soll sich vernetzen. Es können auch vor Ort Aktionen durchgeführt werden. Werkzeug, Blumenerde und Samen sind vorhanden.
Ausführliche Informationen zum Festival erhaltet ihr unter folgenden Adressen:
www.natur-festival.de
www.facebook.com/naturfestival, oder auf den Seiten der Ruhrstadt-Gartenmiliz:
http://gartenmiliz.wordpress.com/.
Bitte meldet euch über einen der Kanäle für das erste Garten-Guerilla Treffen im Ruhrgebiet an.Wir freuen uns auf euch.
Beste Grüße sendet,
Till Beckmann
09:55
nicht moppern und miesepetrieges verbreiten, MACHEN!!!!
Einfach nen schönen Stadtspaziergang mit Bierchen, Pflanzensamen oder -zwiebeln, ne kleine Schippe und ab dafür.
Schön und Leicht!
02:50
Und? Welcher Bürger hat schon was gepflanzt? Sich aber über die dreckige Stadt aufregen?
Alles Versager die sich über jedes Knöllchen aufregen!!
09:13
Und in Frankreich gibt es Ville de Fleurs. Jede Ortschaft schmückt sich am Ortseingang mit einer bestimmten Anzahl von Blumen (ähnlich der Sterne-Auszeichnung von Hotels).
Kreisverkehre sind dort z. B. liebevoll verziert.
Aber hier? Die Stadt Essen hat es nicht nötig, jemanden anwesend sein zu lassen. Was wundert es mich? Schriftliche Anfragen von Personen, die sich im Tourismus für Essen eingesetzt haben, bleiben unbeantwortet. Wohnmobilstellplätze hat jede kleine Ortschaft, die Campingplätze sind schön aber viel zu abseits gelegen. In Essen hat man es einfach nicht nötig, etwas zu verschönern.
07:47
Eine nette Idee eigentlich, aber in Zeiten, in denen öffentliche Rasenflächen bzw. Grünflächen nur noch als Müllkippe oder Hundeklo dienen, sind das eigentlich vergebene Mühen.
Ich drücke aber trotzdem den Mitbürgern, die sich hier einbringen, die Daumen!!!
Ansonsten noch ein Ansatz: Es müssen ja auch nicht immer nur die Vorzeigeblumen bzw. Zwiebeln sein, es können ja auch mal einheimische bzw. wilde Naturpflanzen genommen werden.
21:27
Es glaubt doch wohl keiner, das die faulen Essener das Thema aufgreifen und in der Tat umsetzen werden. Oder?
18:43
nein !!!, das geht nicht !! die Essener Hundeklos ( =alle mal noch grünen, mehr braunen Eckchen) sind durch solche wilden Aktionen erheblich gefährdet!
Die sorgsam geplante Aktion der Essener Hundhalter zur Kulturhauptstadt: ? Tonnen Hundekot
passen auf 10 qm Begleitgrün ? WIRD WOHL ABGEBLASEN WERDEN MÜSSEN
14:40
Eine schöne Idee, ich werde mir morgen mal ein paar Blumenzwiebeln in die Tasche stecken...
14:32
Sachbeschädigung! Sofort in den Knast mit dem langhaarigen Bodenschänder!
Nee, ist doch ne nette Idee.
In Deutschland muß natürlich erst einmal der Verwaltungsrat und ein zweites Gremium darüber entscheiden:
Welche Blumen, in welchem Abstand, in welcher Farbe, in welchem Boden, an welchem Ort, mit welcher Wuchshöhe, zu welcher Zeit, usw. usw.
15:08
in meiner bachelor-thesis habe ich das problem der vielen verwahrlosten kleinen flächen angesprochen und daraus ein schönes, simples projekt erschaffen, welches mit geringsten mitteln, ganz essen (bzw. Städte im allgemeinen) zuverlässig aufwerten kann.
nur es will sich noch kein oberer dafür begeistern.