Reitabzeichen ersetzt im Essener Norden Urlaub

Im „Wikingerschach“, einem Wurfspiel, üben sich Phil, Betreuerin Daniela, Samira, Bryan und Lucy (v.l.) beim Ferienprogramm im Bürgerpark.
Im „Wikingerschach“, einem Wurfspiel, üben sich Phil, Betreuerin Daniela, Samira, Bryan und Lucy (v.l.) beim Ferienprogramm im Bürgerpark.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Was tun in den Ferien? Rund 100 Kinder kommen täglich zu einer der größten Ferienfreizeiten Essens in Jugendfarm und Bürgerpark und absolvieren auch ihr Reitabzeichen.

Essen-Altenessen.. Ein bisschen unruhig ist Scarlett schon, doch Saskia (14) lässt sich davon nicht beeindrucken. Schließlich reitet die Teenagerin schon seit vier Jahren und ein Pony gestriegelt hat sie wahrscheinlich unzählige Male. „Bevor wir mit den Reitübungen anfangen, müssen die Pferde sauber sein, sonst gibt es wunde Stellen“, kommentiert Reittrainerin Sabrina Schmidt. Sieben Mädchen und einen Jungen bereitet sie beim Kinder-Ferienprogramm der Jugendhilfe Essen (JHE) auf der Jugendfarm gerade für das „Steckenpferd“ und das „Kleine Hufeisen“ vor, die zwei kleinen Reitabzeichen. Insgesamt bespaßt die JHE rund 100 Kinder am Tag auf der Farm und im angrenzenden Bürgerpark.

„Unsere Prüflinge für den Reitlehrgang kommen auch sonst zum Reiten her. Und da man in den Ferien einfach mehr Zeit hat, bieten wir für sie nun den Prüfungslehrgang an“, berichtet Sabrina Holtbecker, Sozialarbeiterin der JHE. Mit der Reitlehrerin Sabrina Schmidt üben die Mädchen und der einzige Vertreter des männlichen Geschlechts nicht nur die Pferdeversorgung, das Galoppieren und das Traben, sondern pauken auch ein wenig Theorie. Über den Weg laufen sie dabei in diesen Tagen immer wieder der zweiten Jugend-Feriengruppe „Kulturschock“, die bis zum Ende der Woche einen Jugendfarm-Film abdrehen wird.

„Wir sind meistens nach einigen Tagen ausgebucht“

Seit 2009 bietet die JHE auf ihrer Jugendfarm und im benachbarten Bürgerpark Ferienaktionen an und macht dabei regelmäßig die gleiche Erfahrung: „Wir sind meistens nach einigen Tagen ausgebucht, vor allem in den Sommerferien. Mehr Kinder können wir nicht aufnehmen, weil wir sie bei Regen nicht alle unterbringen können“, erläutert JHE-Teamleiter Frank Felden. Das Farmprogramm bucht man außer in den Weihnachtsferien für jeweils eine Woche, die Betreuung ist zwischen 8 und 17 Uhr garantiert und umfasst auch ein Mittagessen, das Alles für den kleinen Preis von derzeit 24 Euro: Der größte Ferienstützpunkt der stadtweit tätigen Jugendhilfe ist für Eltern und Kinder im strukturschwachen Norden ein Renner. „Unsere Kinder kommen aus den Großräumen Altenessen, Katernberg und dem Nordviertel“, so Felden.

Während er dies erzählt, übt sich JHE-Sozialarbeiter Klaus Orfeld kaum 150 Meter entfernt im Bürgerpark mit den Kleinen, den Sechs- bis Zwölfjährigen, im „Wikingerschach“, einem Wurfspiel. „Hier wird dazu heute in verschiedenen Gruppen Fußball gespielt, per GPS auf Schatzsuche gegangen oder gebastelt“, zählt Orfeld nur einige der Aktionen für die 80 Kinder auf. Für sie sind die Ferien an der Kuhlhoffstraße auch so etwas wie ein Urlaubsersatz – mit oder ohne Pferdeführerschein.