Reisebüros machen Umsatzplus

Immer häufiger wird Michael Langguth in seinem Reisebüro nach Fernreisen gefragt.
Immer häufiger wird Michael Langguth in seinem Reisebüro nach Fernreisen gefragt.
Foto: WAZ
Trotz Buchungen im Internet: Reisebüros sind weiter gefragt. Besonders Welt-und Fernreisen sind beliebt. Die Ansprüche der Kunden haben sich aber verändert .

Essen. Für Michael Langguth sind es Bausteine, die er für seine Kunden zusammensetzt: den Flug nach Atlanta buchen, Mietwagen für die Fahrt an die Küste der USA bestellen, Hotelzimmer suchen, Eintrittskarten für den Abstecher ins Disneyland besorgen. „Für Fernreisen kommen die Leute zu uns. Das sind so viele Einzelleistungen. Nach denen will man nicht stundenlang im Internet suchen“, sagt Langguth, Inhaber von Wolff-Reisen.

Das Internet – es ist die große Konkurrenz für die traditionellen Reisebüros. Wer heute seinen Sommerurlaub bucht, kann das längst auch von zu Hause aus machen. Flug und Hotel gibt es in ein paar Klicks. Da stellt sich die Frage: Machen Reisebüros eigentlich noch Umsatz? Sind sie inzwischen überflüssig geworden?

Ganz im Gegenteil: Im vergangenen Jahr haben die Reisebüros deutschlandweit ein Umsatzplus von drei Prozent erzielt, wie der Deutsche Reiseverband mitteilt. Bei Büros, die auch Flug- und Bahntickets verkaufen, gab es eine Zunahme um ein bis zwei Prozent . In den Vorjahren sah es ähnlich aus. Für den Sommer 2014 rechnet man sogar mit einer Umsatzsteigerung von fünf Prozent. Nach einem Abwärtstrend sieht das also nicht aus.

Besonders erfreulich auch für die Branche: Die Zahl der Reisebüros hat seit zehn Jahren erstmals wieder zugenommen. Bundesweit sind 100 neue dazu gekommen. In Essen gibt es aktuell 74 Reisbüros, nur eines musste in 2014 schließen. „Unternehmensgründer haben Vertrauen in die Branche“, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband. Die Zahl der Online-Buchungen steige zwar auch an, das Wachstum habe sich laut Schäfer aber abgeschwächt. Ist das Internet also doch nicht so eine große Konkurrenz wie prophezeit?

Zunächst muss man zwischen Pauschal- und Fernreisen unterscheiden. „Wer nach Mallorca oder Fuerteventura will, bucht den Flug inzwischen im Internet“, nimmt Torsten Schäfer an. Büros, die auch Flug-und Bahntickets anbieten, steigerten ihren Umsatz daher nur geringfügig.

„Früher kamen viele noch mit dem Katalog in das Geschäft, hatten sich ihre Reise schon ausgesucht. In zehn Minuten hatte man alles geregelt. Das war natürlich leicht verdientes Geld“, sagt Reisebüro-Inhaber Michael Langguth.

Mit Klassikern wie 14 Tage Mallorca könnten die Büros also heute nicht mehr das große Geschäft machen. Stattdessen sind Fern-, Welt-und Rundreisen gefragt -- das birgt Chancen genauso wie Herausforderungen. „Viele haben bei längeren Reisen keine Lust, sich dafür viele Stunden vor den Computer setzen zu müssen. Wir bauen dann alles zusammen. An der Reise zu basteln – das macht auch uns Spaß“, findet Langguth. Daniel Haase vom Tui Reisecenter in Rüttenscheid hat bemerkt, dass die Kunden mit immer spezielleren Fragen zu ihm kommen. „Heute sind die Kunden schon informiert, kommen dann aber nicht mehr weiter und fragen schließlich uns. Das heißt auch, dass wir mehr wissen müssen.“ Plötzlich anfallende Zusatzkosten, die man sich nicht erklären kann oder die Beantragung eines Visums – das seien Punkte, bei denen die Leute Hilfe suchten.

Trotz erfreulicher Zahlen für die Reisebüros, Torsten Schäfer vom Reiseverband rät ihnen langfristig zu einer Spezialisierung. Sie könnten sich dann mit einer besonderen Expertise einen Vorteil verschaffen. Manche bieten etwa nur Kreuzfahrten, andere nur Reisen nach Asien an. „Das hängt natürlich auch vom Klientel in der Umgebung ab“, sagt Torsten Schäfer.

Das Sta Travel Reisebüro etwa stellt hauptsächlich Fahrten für Jugendliche und Studenten zusammen. Dazu zähle zum Beispiel auch ein Jahr „Work and travel“, wie Mitarbeiterin Marina Bachmann weiß. „Dafür setzt man sich zur Planung länger zusammen. Solche Reisen gibt es nicht schon fertig im Internet.“

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