Reinhard Sprenger - ein ausgezeichneter Provokateur

„Management-Guru“ Reinhard Sprenger.
„Management-Guru“ Reinhard Sprenger.
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Was wir bereits wissen
Der Essener Buchautor Reinhard Sprenger ist der„Kopf des Jahres“. Mit der Wahl will der Marketingclub ein Zeichen für mehr Selbstverantwortung im Revier setzen.

Essen.. Auf der Liste der Persönlichkeiten, die in Essen geboren sind, führt die Online-Enzyklopädie Wikipedia auch seinen Namen: Reinhard Sprenger, Autor von Management-Literatur. Der 61-Jährige hat sich mit den Themen Motivation und Führung den vielzitierten Titel „Management-Guru“ erarbeitet und seine Freiheits-Theorie in mittlerweile neun Büchern formuliert. Das Zehnte ist in Arbeit.

Sprenger provoziert, Sprenger ist unbequem, seine Thesen umstritten. Die Aufmerksamkeit ist ihm gewiss. Das sind die Gründe, warum ihn der Marketingclub Ruhr dieses Jahr zum „Kopf des Jahres“ kürt und ihm den Marketingpreis „Tacken“ verleiht.

Mit der Wahl einen Akzent setzen

Mit der Wahl, so Burghard Hermeier, Rektor der FOM-Hochschule, wolle man einen Akzent setzen. „Wir leben in einer Gesellschaft im Ruhrgebiet, wo viele glauben, die Politik oder die Konzerne müssen etwas machen.“ Sprenger setze mit seinen Theorien das Prinzip Selbstverantwortung dagegen. Er plädiere dafür, dem Individuum Freiräume zu schaffen, es selbst in die Hand zu nehmen. „Dahin müssen wir kommen und diesen Geist und eine Aufbruchstimmung im Ruhrgebiet erzeugen“, so Hermeier.

Auch Sprenger vermisst diese Tugenden heute im Ruhrgebiet, die die Region einst stark gemacht hätten, nämlich „Ärmel hochkrempeln und was daraus machen.“ Er sei erschrocken, wie viele Menschen sich heute in die „soziale Hängematte“ begeben hätten.

Der „Lernort Ruhrgebiet“, wo er in Essen zur Schule ging und später an der Uni in Bochum studierte, haben ihn bis heute geprägt, wie er sagt. Eigentlich wollte Sprenger Sportlehrer werden. Er hatte Phi­losophie, Psychologie, Betriebs- wirt­schaft, Geschichte und Sport studiert. Als es mit dem Lehrerberuf nichts wurde („der Computer hat mich aussortiert“), wechselte er als wissenschaftlicher Referent ins NRW-Kultusministerium, schrieb dort u.a. Reden für Johannes Rau.

Durch Zufall zum Konzern gekommen

Durch Zufall und aus Neugier kam er zum Multi-Technologiekonzern 3M, war dort für Personalentwicklung zuständig und kam erstmals mit der Frage in Berührung: Was muss ich tun, um Mitarbeiter dazu zubringen, die beste Leistung im Sinne des Unternehmens zu bringen. Sein erstes Management-Buch erschien 1991 und hieß „Mythos Motivation“. Fast zeitgleich hatte sich Sprenger selbstständig gemacht und trainiert seither Führungskräfte.

Seit 2006 lebt er in der Schweiz. Sprenger ist mit einer Schweizerin verheiratet, hat vier Kinder. Noch führt ihn regelmäßig das Hobby Musik nach Essen, wo er bei den Bands „Trust“ und „Sprenger“ als Sänger und Songwriter auftritt. Gerade hat er mit „Sprenger“ die 3. CD herausgebracht. Sie heißt: „Wenn der Wind sich hebt“. Am 16. März, wenn die Tacken zur Gala im Stadion Essen verliehen werden, wird es auch eine musikalische Kostprobe geben.