Rein in die Ruhr – nur wann?

Am Spillenburger Wehr in Steele planscht Charleen Prang gemeinsam mit ihrer Tochter Mira-Lynn (v.li.) in der Ruhr - obendrauf gibt es noch ein Küsschen. David Schmitt (r.) paddelt auf seiner Luftmatratze über den Fluss.
Am Spillenburger Wehr in Steele planscht Charleen Prang gemeinsam mit ihrer Tochter Mira-Lynn (v.li.) in der Ruhr - obendrauf gibt es noch ein Küsschen. David Schmitt (r.) paddelt auf seiner Luftmatratze über den Fluss.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Durch die Gründung der lange erwarteten Interessengemeinschaft wird das Thema nun konkreter. Der Badebetrieb könnte vielleicht Mitte 2016 beginnen. Drei Standorte werden geprüft.

Essen.. Das Baden in der Ruhr ist für viele Bürger ein jahrzehntelanger Wunsch. Einen konkreten Starttermin gibt es zwar noch nicht, dafür kommt jetzt Schwung in die Sache. Nachdem das Forschungsinstitut IWW bereits vor einigen Monaten bestätigt hat, dass an durchschnittlich 20 bis 30 Tagen pro Jahr ohne gesundheitliche Bedenken in den Ruhrgewässern gebadet werden könnte, hat sich nun eine lang erwartete Interessengemeinschaft gegründet, welche die „Umsetzung eines Badebetriebs an der Ruhr Baldeneysee vorbereiten will.“ Oberbürgermeister Reinhard Paß unterzeichnete gestern im Regattahaus am Baldeneysee eine entsprechende Gründungserklärung in Gegenwart von rund 60 Vertretern von Sportvereinen und zuständigen Ämtern. Paß ist gleichzeitig Schirmherr der IG „Baden in der Ruhr“.

Die IG soll nun die Möglichkeiten bündeln, „die für die Errichtung und den Betrieb zur Verfügung stehen“, erklärte Wolf Merkel, Leiter des IWW. Eines steht allerdings schon jetzt fest: Mit der Aufnahme des Badebetriebes ist nicht vor Sommer 2016 zu rechnen. Und nach Ansicht von Umweltdezernentin Simone Raskob ist auch dies eine optimistische Rechnung. Bis die ersten Essener ganz legal in die Fluten springen dürften, müssen noch viele Hürden genommen werden.

50 x 10 Meter Wasserfläche

Geklärt werden muss unter anderem noch die Frage der Finanzierung, weshalb sich die Stadt gestern erstmals mit Sportverbänden und Grundstücksbesitzern zusammensetzte. „Wir müssen da eine Partnerschaft entwickeln. Jeder wird sein Päckchen tragen müssen“, sagte Raskob. Momentan ist außerdem noch offen, wer das Schwimmen beaufsichtigt, wie die Haftungsrisiken verteilt sind und wie die Kommunikation mit den Bürgern gewährleistet werden kann – insbesondere bei Unwettern. Außerdem erweist sich die Suche nach einem passenden Standort als schwierig. Ursprünglich hatte die Stadt sieben mögliche Badestellen prüfen lassen, im Fokus stehen jetzt nur noch drei Orte, aber auch die haben ihre Problemstellen. Als „machbarster“ Standort gilt das Seaside Beach-Gelände, weil dort ein großer Teil der nötigen Infrastruktur vorhanden ist. Der Pächter hat bereits Interesse angemeldet. Auch das IWW hält den Seaside Beach für eine gute Wahl, vor allem auch im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit.

Das Areal fällt unter die Kategorie der Naturbadestellen. Gemeint sind damit abgetrennte Badebereiche mit Aufsicht. Bis in die 1950er Jahre befand sich genau dort bereits das frühere Licht- und Luftbad. Allerdings sinkt der Seeboden dort bereits nach wenigen Metern steil ab. Bernd Schmidt-Knop, Betriebsleiter von Grün und Gruga, gibt Entwarnung: „Die Planungsvorschläge entsprechen den Sicherheitsvorschriften und sind von den Mitgliedern der IG akzeptiert worden.“ Demnach soll eine Wasserfläche von zunächst 50 x 10 Metern entstehen.

Sauberes Wasser im Werdener Löwental

Ein zweiter Badestrand könnte nahe des Freibads Steele 11 an der Westfalenstraße entstehen. Geht es nach den Plänen von Simone Raskob, werden die angrenzenden Grundstücke entlang der Ruhrschleife in das Konzept integriert. „Schon jetzt liegen da im Sommer viele Menschen auf der Wiese und halten die Füße ins Wasser“, so Raskob. „Allerdings hat das nicht oberste Priorität.“ Die Zurückhaltung der Stadt könnte auch daran liegen, dass nur unweit der möglichen Badestelle ein Rohr unschöne Dinge ins Wasser spült, wie Wolfgang Rohrberg, Chef des Essener Sportbundes (Espo) kürzlich berichtete.

„Da kann es sein, dass man zwischen Produkten für die Monatshygiene schwimmt.“ Auch hier winkt Schmidt-Knop ab. „Der Einlauf wird im Rahmen der Verbesserung der Kanäle stillgelegt.“ Von vornherein sauberes Wasser scheint es dagegen im Werdener Löwental zu geben – Standort Nummer drei.