Loveparade
Reden, sonst zerbricht man daran
27.07.2010 | 06:55 Uhr 2010-07-27T06:55:00+0200
Essen.Als Notfallseelsorger der Essener Feuerwehr hat Oliver Laubrock in Duisburg die Helfer betreut. Zehn Stunden Einsatz, die sich bei dem 40-Jährigen unauslöschlich eingebrannt haben.
In der Nacht, als er endlich ein wenig zur Ruhe gekommen war, da hat er sich auf die Fensterbank gelehnt, einfach nur hinausgeguckt auf die menschenleere Kölner Straße. Die Gedanken kreisen lassen. Da war es bereits vier Uhr morgens. Hinter ihm lagen zehn Stunden Einsatz, zehn Stunden, die Oliver Laubrock (40) wohl niemals vergessen wird, die sich unauslöschlich eingeprägt haben. So wie bei vielen, die die Katastrophe bei der Loveparade erlebten. Für den Notfallseelsorger der Essener Feuerwehr, der sich in Duisburg in einem eiligst errichteten Notfall-Zentrum um völlig traumatisierte Jugendliche, um verzweifelte ehrenamtliche Helfer kümmerte, um Rettungssanitäter, Notärzte, Feuerwehrleute, gestandene Männer und Frauen am Rande ihrer Kräfte, ist vor allem ein Satz hängengeblieben: „Es war wie Krieg.“ Immer wieder: „So stelle ich mir Krieg vor.“
Priester-Kollegen im
Gottesdienst alarmiert
Nein, etwas ähnliches hat auch er nicht einmal ansatzweise erlebt. Oliver Laubrock ist seit sechs Jahren Notfallseelsorger bei der Feuerwehr, quasi in Teilzeit, da er in Katernberg als Pastor an St. Joseph wirkt. Eine Gemeinde, die viel Verständnis für seine Feuerwehr-Arbeit hat. Am Samstag, während er in St. Laurentius in Steele das Priesterjubiläum eines Kollegen mit feierte, hörte das Notfall-Handy nicht auf zu brummen. Da ist er wieder einmal mitten im Gottesdienst aufgestanden und rausgegangen: „Die anderen haben schon ein bisschen geguckt. Aber da wusste ja noch keiner, was in Duisburg geschehen war.“ Laubrock, von der Feuerwehr informiert, fuhr sofort zur Hauptwache an der Eisernen Hand, „lieh“ sich ein paar Einsatzfahrzeuge aus, fuhr mit Blaulicht zurück nach Steele, bat dort, der Gottesdienst war fast beendet, ums Wort: „Ich habe kurz die Situation geschildert und um Hilfe gebeten.“
Sechs Priesterkollegen stiegen, teils noch in ihren Gewändern, sofort in die Rettungswagen und fuhren zusammen mit Laubrock nach Duisburg: „Dort haben wir in kürzester Zeit eine leerstehende Halle als Notfallzentrum aufgebaut.“ Tische, Stühle, Liegen, Essen und Trinken besorgt, weit genug weg vom Einsatzort: „Wer zu nah dran ist, ist als Notfallseelsorger verbrannt. Und wer zu uns kommt, sucht vor allem Abstand, will vielleicht einfach nur mal sitzen, zu sich finden, oder etwas essen, oder trinken.“
Oder sprechen. So wie der junge Mann, den ein Rettungswagen brachte: Kein Notfall für die Ärzte. „Er war, um sich selber zu retten, über einen Bauzaun gelaufen, unter dem Menschen eingeklemmt lagen, für deren Tod er sich verantwortlich fühlte.“ Oder der Malteser, ehrenamtlicher Helfer bei so vielen Konzerten, durchaus selbstbewusst und einsatzerfahren, „der mitten in dem Chaos stand, keinen Kollegen mehr sah, keinen Funkkontakt bekam, keinen Notarzt finden konnte, unter dessen Händen ein Mensch starb.“ Oder der Notarzt, der sich entscheiden musste, die Wiederbelebungsversuche abzubrechen, obwohl die Freunde des Sterbenden ihn anflehten, der aber nicht anders handeln konnte, weil andere Opfer bessere Überlebenschancen hatten. „Manche fressen das in sich hinein, sitzen da, schweigen, andere sind kaum zu stoppen, reden nur noch oder machen sarkastische Sprüche.“
Menschen das
Leben gerettet
Mit 16 Mann saßen sie am Ende in der Halle, rund 500 Menschen, meist Einsatzkräfte, haben sie betreut, zugehört, immer wieder versucht, die Versagensvorwürfe zu zerstreuen, den Frauen und Männern vielmehr immer wieder klargemacht, wie vielen Menschen sie das Leben gerettet haben, dass es ohne ihren Einsatz weitaus mehr Tote in diesem furchtbaren Tunnel gegeben hätte.
Oliver Laubrock weiß, dass damit die Arbeit nicht getan ist: „Das wirkt nach, das Erlebte kommt wieder hoch, manchmal nach Tagen, nach Wochen, manchen verfolgt es ein ganzes Leben.“ Die Feuerwehr Essen hat für sich bereits entschieden, das Geschehene aufzuarbeiten, den Einsatzkräften entsprechende Hilfen anzubieten, einzeln oder in Gesprächskreisen. Auch Laubrock wird für sich den Tag aufarbeiten, „das muss man auch, sonst zerbricht man daran.“ Er weiß, er wird über Duisburg sprechen müssen, er darf die Gedanken nicht nur für sich kreisen lassen, wenn er nachts wieder einmal hinaus guckt, auf die menschenleere Kölner Straße.

23:33
Auch meinen Respekt- Da fragt man sich ob man nich auch was machen kann um den Menschen ein wenig beizustehen?
17:00
wenn profitgier menschen leben vördert sieht es genau so aus wie in diesburg
13:29
Da wird einem klar, dass die Tragödie mehr als 20 Tote und 500 Verletzte umfasst: Tausende sind betroffen, eine ganze Region ist in Trauer und Wut vereint und in Gedanken bei den physisch und psychisch verletzten Menschen und ihren Angehörigen und Hinterbliebenen.
11:40
Man kann diesen Menschen überhaupt nicht genug danken!!!
Das was Ihr leistet kann man mit keinem Geld der Welt aufwiegen.
Meinen allergrößten Respekt!
10:43
Chapeau!
10:21
Respekt, einfach nur noch Respekt...