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Rechtsextreme kapern Essener Rosenmontagszug

27.02.2012 | 19:02 Uhr
Rechtsextreme kapern Essener Rosenmontagszug
Zeugen fotografierten die "Unsterblichen" beim Karneval in Rüttenscheid. Foto: privat

Essen.  Eine neue rechtsradikale Bewegung hat offenbar den Rosenmontagszug in Essen-Rüttenscheid für einen gut getarnten Aufmarsch genutzt. Hinter Masken versteckt warben die "Unsterblichen" für ihr Netzwerk - und konnten anschließend in dem Gewühl der Narren abtauchen. Der Staatsschutz ermittelt.

Eine neue rechtsradikale Bewegung hat offenbar den Rosenmontagszug für einen gut getarnten Aufmarsch genutzt. „Plötzlich zogen da so 20 Leute über die gesperrte Rüttenscheider Straße, alle trugen schwarze Kapuzen und weiße Masken“, berichtet eine Anwohnerin. Entfernt hätten die weißen Gesichter ja an die „Occupy“-Bewegung erinnert, die die sogenannte Guy-Fawkes-Maske zu ihrem Markenzeichen gemacht hat.

Doch Guy Fawkes hat prägnante Augenbrauen, einen Bart und ist eher im linken politischen Spektrum verortet. Die Truppe, die über die Rü zog, pöbelte per Transparent: „Demokraten bringen uns den Untergang“. So erinnert sich die Zeugin, deren Begleiter auch geistesgegenwärtig das Foto machte, das wir hier veröffentlichen. Der Schriftzug auf dem Plakat ist leider nicht genau erkennbar, könnte aber mit „Aufwachen“ beginnen.

Die "Unsterblichen" wurden auch am Hauptbahnhof gesichtet

Bevor die Schaulustigen aber realisieren konnten, dass hier keine Karnevalisten , sondern rechte Aktivisten unterwegs waren, hatte sich die Truppe schon wieder zerstreut. Vermutlich war sie im U-Bahnhof Martinstraße abgetaucht und von dort zum Hauptbahnhof gefahren, wo sie später am Tag noch einmal in Maskerade gesichtet wurde.

Auf der Rüttenscheider Straße blieben Flugblätter zurück mit Parolen wie „Unser Volk stirbt und das ist kein Zufall“. Wer die angegebene Website aufruft, wird dort begrüßt: „Du hast die Unsterblichen gesehen und bist neugierig geworden?“ Dann folgt die Selbstdefinition: „Die Unsterblichen sind junge Deutsche, die sich bundesweit auf öffentlichen Plätzen zusammenfinden, um auf das Schandwerk der Demokraten aufmerksam zu machen.“ Von „Völkervermischungen“ und vom Aussterben der Deutschen wird da schwadroniert. Für Sympathisanten der braunen Bewegung finden sich Tipps für Festnahme oder Hausdurchsuchung.

Der Staatsschutz ermittelt

Video
Bei strahlendem Sonnenschein strömten die Essener zum diesjährigen Rosenmontagszug nach Rüttenscheid.

Mancher Besucher des Zuges, der zu Hause die Flugblätter oder die Internetseite las, war geschockt, einzelne wandten sich an die Polizei. Deren Sprecher Ulrich Faßbender sagt, der Vorfall – der erste seiner Art in Essen – sei bekannt, der Staatsschutz ermittelt.

Als sich der rechte Trupp am Rosenmontag noch einmal am Hauptbahnhof formierte, rief ein Zeuge die Polizei. „Wir konnten leider niemanden dingfest machen, weil der Karneval denen die perfekte Tarnung bot und sie wie ein Flashmob organisiert sind.“ Sprich: Sie verabreden sich im Internet zu sehr spontanen Demos.

Spezialität der „Unsterblichen“ sind dabei nächtliche Fackelmärsche, mit denen sie etwa seit Mitte 2011 vor allem durch ostdeutsche Orte ziehen. Archaische Rituale und moderne Medien gehen dabei gut zusammen: Wer einen Eindruck von der gespenstischen Umzügen bekommen möchte, findet entsprechendes Material leicht bei „Youtube“.

So geschickt die Nazis ihre Aufmärsche vermarkten, so wenig melden sie diese vorher an. So ermittelt die Polizei jetzt wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und das Vermummungsverbot. Die Texte loten dagegen offenbar genau die Grenzen der Meinungsfreiheit aus. So sagt Faßbender: „Die bisher von uns geprüften Flugblätter haben keine strafrechtlich relevanten Inhalte.“

Christina Wandt

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