Raupe aus China sorgt für Kahlfraß in Essen

Der Buchsbaumzünsler vermehrt sich in rasantem Tempo und bereitet Gartenbesitzern in Karnap Sorgen.
Der Buchsbaumzünsler vermehrt sich in rasantem Tempo und bereitet Gartenbesitzern in Karnap Sorgen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Norden der Stadt Essen breitet sich der Buchsbaumzünsler aus und befällt ganze Straßenzüge. Der Schädling zerstört Hecken bis zur Unkenntlichkeit.

Essen.. Von ihrer Buchsbaumhecke muss Isabel Lopez sich wohl schweren Herzens verabschieden. Jahrelang hatte die Karnaperin das Gewächs rund um den Garten gehegt und gepflegt – jetzt ist von der Hecke nur noch eingefallenes Gestrüpp übrig. Grund: Der so genannte Buchsbaumzünsler breitet sich zurzeit massiv in Essen aus. „Anfangs hat man nur gesehen, dass vereinzelte Buchsbäume etwas mitgenommen aussahen“, erzählt Lopez. „Das Raupengewimmel habe ich erst entdeckt, als ich die Blätter beiseite geschoben habe.“

Problem im Norden Essens

Mit ihrem Problem ist die 46-Jährige nicht allein – vor allem Gartenbesitzer im Norden der Stadt haben mit dem Schädling zu kämpfen, gilt doch der Buchsbaum als eines der meist verbreiteten Heckengewächse. Ganze Straßenzüge sind beispielsweise in Karnap und im benachbarten Gelsenkirchen-Horst von der Raupe befallen – auch im Garten von Reinhard Bracke, ebenfalls in Karnap, hat sie Spuren hinterlassen: „Ich habe versucht, die Raupen von den Pflanzen zu sammeln, damit sie sich nicht weiterverbreiten können. Leider hat das auch nichts gebracht“, ärgert sich der Hobbygärtner. Zu einem chemischen Schädlingsbekämpfer will er dennoch nicht greifen.

Landschaftsarchitektin Eva Freden beschäftigt der Zünsler und die Sorgen ihrer Nachbarn schon länger – sie erklärt, was hinter dem Phänomen steckt: „Die Botanik-Händler kaufen die Buchsbäume heutzutage oft billig in China ein. Wahrscheinlich wurde der Schädling von dort eingeschleppt. Denn anders als in China hat die Raupe in Deutschland keine natürlichen Feinde.“

2006 sei das Tierchen erstmals in Süddeutschland gesichtet worden – und nun auch im Ruhrgebiet angekommen. Ein Flächenfraß folgte, „der uns in den kommenden Jahren weiter beschäftigen wird“, befürchtet Eva Freden und empfiehlt Betroffenen, die Raupen stets im Hausmüll und keinesfalls in der Biotonne zu entsorgen, da der Schädling sich sonst ungehindert vermehren könne.

Bei Kauf auf Herkunft achten

Auch sollte man beim Kauf eines Buchsbaumes auf dessen Herkunft achten: „Die meisten Gartenfachhandel führen in Deutschland gezüchtete Bäume. Die kosten zwar etwas mehr als der Billigimport aus China, doch dafür ist das Schädlingsrisiko geringer“, rät Freden. Bei dem Insekt handelt es sich um einen gewöhnlichen Schmetterling, der als Raupe die Buchsbaumblätter zerfrisst. Anderen Pflanzen kann der Schädling nichts anhaben.

So kennt die Verbreitung des Schädlings bislang nur einen Profiteur: die Wirtschaft. Baumärkte und Fachhandel verzeichnen zurzeit einen reißenden Absatz von Mitteln zur Bekämpfung der Heckenfresser, bestätigt Florian Preuß, Sprecher der Baumarkt-Kette Hornbach: „In der Essener Filiale war der Buchsbaumzünsler erstmals 2014 ein Thema und seit etwa zehn Tagen ist das Problem akut. Die Kundenanfragen nach Schädlingsbekämpfern häufen sich massiv.“

Doch seien die Kunden größtenteils für Umweltfragen sensibilisiert und griffen häufig zur biologischen Variante statt zur Chemiekeule. Dabei hat sich der Schädling in vielen Fällen schon so weit verbreitet, dass am Ende nur noch eines hilft: wegwerfen. Auch Bernhard Jacobi, Insektenexperte des Nabu, sieht für die Betroffenen wenig Hoffnung: „Der Buchsbaum wird gegen die Raupe keine Chance haben, die Populationsfolge ist viel zu hoch.“ Jacobi prophezeit deshalb: „Die Buchsbaum-Hecken werden leider alle verschwinden.“