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Jugendkultur

Rappen für mehr Respekt und Toleranz

14.11.2012 | 14:00 Uhr
Rappen für mehr Respekt und Toleranz
Für die junge Rapperin Céline Bergmann (Mitte) ist Hip-Hop ein Lebensgefühl. Sie gibt Jugendlichen Tipps, wie sie ihren eigenen Liedtext schreiben können.Foto: Pascal Hesse

Essen.   Jugendhilfe Essen lobt Wettbewerb zu Artikel drei des Grundgesetzes. Liedtexter gefragt, keine Sprücheklopfer.

„Das ist doch getürkt, schwul, behindert“ – wer Sprüche wie diese klopft, ist bei Martin Stichler von der Jugendhilfe (JHE) an der falschen Adresse: „Auch wenn solche Sprüche oft nicht böse gemeint sind, ist es nicht cool, so zu reden.“ Er verbucht es un­ter „gruppenbezogenen Menschen-Feindlichkeiten“, was im Sozialpädagogen-Jargon öde klingt, es aber in sich hat – vor allem in Rap-Songs.

Stereotypen transportieren

„Hip-Hop als eine der größten Jugendkulturen transportiert oft Stereotype, die den harten, heterosexuellen Mann als Idealbild zeichnen und andere Gruppen wie Frauen, Homosexuelle, Migranten oder Menschen mit Handicap abwerten. Für uns ist Hip-Hop daher ein sehr wichtiges Thema “, macht er einer Gruppe junger Leute klar, die mehr über den Sprechgesang erfahren wollen. An seiner Seite ist Céline Bergmann, die als junge Rapperin aus Essen ein hehres Ziel verfolgt: „Ich will deutschen Rap niveauvoller gestalten.“

Im Seminar erklärt die 19-Jährige, was die jungen Texter beachten müssen und klärt sie über die Geschichte des Hip-Hop auf. Dass Rap nicht überall einen guten Ruf hat, ärgert sie. „Denn Rap ist eine wunderbare Möglichkeit, sich auszudrücken.“ Lebenserfahrung einfließen zu lassen, das, was die Jugendlichen gerade beschäftigt, ist einer ihrer Tipps. In Kleingruppen entstehen Texte, die etwas gemeinsam haben: Sie beschäftigen sich mehr oder weniger mit Artikel drei des Grundgesetzes. Und nehmen damit am Wettbewerb „Fair…rappt – Respekt in Wort und Sprache“ der JHE teil.

Umgang mit Sprache fördern

„Ziel ist es, junge Menschen fürs Thema zu sensibilisieren und ihren Umgang mit Sprache zu fördern“, sagt Stichler. Noch bis zum 15. Dezember haben Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren Zeit, ihre Gedanken zum Paragrafen in Reime zu fassen und einzusenden – alleine oder gemeinsam mit der Schulkasse oder Jugendgruppe. Dabei sollen sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Es ist nur zu beachten, dass Artikel drei im Mittelpunkt steht – etwa, wenn es um Fremdenfeindlichkeit geht oder Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Migranten, Menschen mit Handicap, Minderheiten oder die Toleranz gegenüber anderen Religi­onen.

Foto: Pascal Hesse

Das Thema passt – gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung , die herausgefunden hat, dass neun Prozent der Deutschen ein rechtsextremes Weltbild haben, im Osten sind es sogar fast 16 Prozent. Schirmherrin des Wettbewerbs ist Nora Hantzsch, die sich unter ihren Pseudonymen „Quing of Berlin“ und „Sookee“ als Rapperin einen Namen gemacht hat. In ihren Texten geht’s vor allem um Toleranz und Respekt.

Wer mit seiner Klasse mitmachen möchte und als Lehrer Hilfestellung in Sachen Rap benötigt, wendet sich an JHE-Mitarbeiterin Katarina Kretschmer: 88 54 371. Sie vermittelt lokale Hip-Hop-Künstler, die in die Schule kommen und beim Vorbereiten helfen. Zu gewinnen sind Workshops am 4. und am 5. Februar 2013, in denen „Sookee“ Techniken zum Verfassen eines Raps vermittelt, viele Sachpreise, Geld für die Klassenkasse und VIP-Karten fürs „Sookee“-Konzert mit der Vorband „Laidesoul“ am 6. Februar 2013 in der Weststadthalle . Konzertkarten zu 8,90 Euro sind ab sofort im Internet bestellbar unter

Die Grundlage: Artikel 3 Grundgesetz

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Fortbildung für Lehrer

An Lehrer und Gruppenleiter richtet sich die Fortbildung „Sexismus im deutschsprachigen Rap – Gesellschaft macht Geschlecht“ am 6. Februar 2013 in Essen. Referentin ist die Rapperin Nora Hantzsch, in der Szene bekannt als „Quing of Berlin“ und „Sookee“. Ihr Fachvortrag samt Diskussion beginnt um 10 Uhr; danach werden die Wettbewerbsergebnisse vorgestellt. Ende: 13 Uhr. Der Ort wird noch bekannt gegeben. Wer Fragen hat oder sich anmelden möchte, wendet sich an Martin Stichler von der Jugendhilfe Essen unter 8854-371 oder m.stichler@jh-essen.de.

Pascal Hesse


Kommentare
14.11.2012
14:35
Rappen für mehr Respekt und Toleranz
von spindoctor | #1

Hat sicherlich einen Grund, dass man das mit Artikel 3 GG, (angehenden) Rappern erklären muss.
Schon seltsam.

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