Das aktuelle Wetter Essen 8°C
Hochschule

Ranghoher Uni-Mitarbeiter gibt nach Plakat-Eklat erstmals Fehler zu

06.07.2013 | 06:00 Uhr
Ranghoher Uni-Mitarbeiter gibt nach Plakat-Eklat erstmals Fehler zu
Hier war die Ausstellung zu sehen - das Foyer der Uni-Bibliothek.Foto: Klaus Micke

Essen.  Dirk Hartmann, Philosophie-Professor und Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften, hat nach dem Plakat-Eklat an der Uni Duisburg-Essen erstmals Fehler zugegeben. Er sagt: „Die Polizei hätte eingeschaltet werden müssen.“ Die Ausstellung vorzeitig zu beenden, hält Hartmann aber für "nachvollziehbar".

In der Plakat-Affäre an der Uni Duisburg-Essen hat erstmals ein ranghoher Wissenschaftler Fehler eingeräumt. Dirk Hartmann, Philosophie-Professor und Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften, erklärt: „Die Polizei hätte eingeschaltet werden müssen.“

Hartmann ist als Dekan Chef von 13 geisteswissenschaftlichen Instituten, zu denen auch die Anglistik zählt. Ein Anglistik-Seminar hatte die Ausstellung konzipiert, die Bilder und Montagen von anspruchsvollen Comics („Graphic Novels“) mehrere Wochen lang im Foyer der Bibliothek ausgestellt hatte. Es handelte sich um studentische Arbeiten. Sie erhielten dafür Leistungsnachweise.

Muslimische Doktorandin fiel nicht nur einmal auf

Eine muslimische Doktorandin hatte sich mehrfach über Motive beschwert; sie würden ihre „religiösen Gefühle“ verletzen. Zweimal hängte die Frau jeweils ein Bild ab, eins davon zerschnitt sie mit einer Schere, die im Uni-Foyer lag, und überreichte die Schnipsel der Leitung der Uni-Bibliothek. Die Schau wurde daraufhin wenige Tage vor ihrem offiziellen Ende vorzeitig abgehängt.

Die Uni-Leitung plant derzeit keine juristischen Schritte gegen die Doktorandin, die dem Vernehmen nach bereits in der Vergangenheit einmal Irritationen ausgelöst hatte, weil sie nach einem Referat öffentlich erklärte, ihr Vortrag sei Allah gewidmet.

Der Fall soll rekonstruiert werden

„Die Entscheidung, die Ausstellung vorzeitig zu beenden, ist sicherlich in einer erhitzten Atmosphäre zustande gekommen“, sagt Dirk Hartmann. „So gesehen, ist sie nachvollziehbar, weil es tatsächlich darum gehen muss, Bibliotheks-Mitarbeiter vor Gewalt zu schützen.“ Aber: „Es ist nicht richtig, keine Strafanzeige folgen zu lassen“, betont Hartmann. Die gesamte Fakultät erleide Schaden unter diesem Vorgang. Mittlerweile haben auch viele überregionale Zeitungen über den Fall berichtet. „Wir können und dürfen uns bei solchen Sachen nicht wegducken, wir stehen auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, sagt Hartmann. „Es geht nicht allein um Sachbeschädigung, es geht um die aktive Unterdrückung der Freiheit. Das ist nicht hinnehmbar.“ Der Fakultätsrat wird sich Mitte des Monats mit dem Vorgang ausgiebig beschäftigen. „Wir werden den Fall rekonstruieren“, kündigt Hartmann an.

Immer noch gebe es widersprüchliche Aussagen. Zwar war der Leiter des Anglistik-Instituts, Christoph Heyl, zuletzt mit den Worten zitiert worden, der vorzeitige Abbruch sei als Protest gegen die erfolgte Teil-Zensur zu verstehen. Im Institut hält man den Vorgang jedoch trotzdem für „skandalös“. Das geht aus einem internen Schreiben des Instituts an den Uni-Rektor hervor, das dieser Zeitung vorliegt. „Eine Universität darf sich unter keinen Umständen von einer fundamentalistischen Richtung vereinnahmen lassen.“

Martin Spletter



Kommentare
06.07.2013
12:25
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Zensurum8Uhr | #10-1

Das ist hier die übliche Vorgehensweise.
Zunächst kann man Kommentare schreiben, damit die Zugriffstatistik der Seiten positiv nach oben geht.
Wenn die Kommentare zu "ehrlich" sind, wird nach etwa 20-25 Kommentaren die Funktion ausgeschaltet.
Nach einem weiteren Tag werden nun auch die bisherigen Kommentare gelöscht.

06.07.2013
12:21
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

06.07.2013
11:49
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von johannesbombeck | #8

Das Vorgehen der muslimischen Doktorandin ist völlig unakzeptabel. Man stelle sich einmal vor, jeder dem etwas missfällt und der sich beleidigt fühlt hängt Bilder ab oder zerstört diese.
Mir ist allerdings auch unklar wieso neben einer brutalen Vergewaltigungsszene kunstvoll das Wort Allah stehen muss. Vielleicht ging es nicht so sehr darum auf ein Problem aufmerksam zu machen, sondern darum, einen Skandal zu provozieren. Das ist ja auch gelungen.
Damit sich jetzt keiner aufregt: Das Verhalten der Doktorandin ist unmöglich.
Mit ihrer mehrfach mündlich vorgetragenen Kritik hat sich aber auch niemand ernsthaft befasst. Jetzt können wir uns alle erregen, den der Untergang des Abendlandes steht unmittelbar bevor, die Türken stehen vor Wien und die Araber kurz vor Paris.

6 Antworten
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Der.Luedenscheider | #8-1

Es gab zwei Vorfälle:

17.06.: Sie hat das Plakat von Craig Thompson abgehängt. Das war das Plakat mit der Vergewaltigungsszene und dem Wort "Allah".

24.06. Sie hat ein Plakat der israelischen Künstlerin Rutu Modan abgehängt und zerschnitten. Auf diesem Plakat gab es keinerlei Darstellung von islamischen Dingen. Auf diesem Plakat war eine israelische Friedensdemo zu sehen und der Schriftzug "Shalom".

Die Vergewaltigungsszene hat also de facto weniger ihre "religiösen Gefühle" berührt, wie das Plakat einer israelischen Künstlerin. Das ist schon bemerkenswert.

Die TAZ beschreibt deutlich, welchen Hintergrund die zweite Tat hatte.

„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Zensurum8Uhr | #8-2

Sie relativieren, wo es nichts zu relativieren gibt.

Brutale Vergewaltigungsszene?
Die Szene für sich genommen sah wie eine Umarmung aus.

Und warum sollten die Bibliotheksmitarbeiter ernsthaft mit Verblendeten diskutieren?
Es ist doch logisch, dass sie nicht für die Ausstellung verantwortlich waren. Warum ist die ... nicht zum verantwortlichen Prof. gegangen?

„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Der.Luedenscheider | #8-3

Ich habe das Wort "Vergewaltigungsszene" aus anderen und unterschiedlichen Medien übernommen. Habe diesbezüglich bisher auch keine anderen Informationen gesehen. Was war das denn dann für eine Szene auf dem Plakat vorn Thompson? Oder gibt es sogar eine Abbildung im Internet?

Vielen Dank.

„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Zensurum8Uhr | #8-4

Nachtrag: Das zweite zerschnittene Plakat enthielt keine islamrelevanten Bestandteile (ausser man fühlt sich dadurch beleidigt, dass das Judentum älter als der Islam ist), sondern das Wort "Shalom." Wer würde sich durch das Wort "Frieden" beleidigt fühlen?

„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Zensurum8Uhr | #8-5

An den Luedenscheider: Unsere Beiträge haben sich zeitlich wohl überschnitten, insofern war meine Antwort zum zweiten Plakat eigentlich überflüssig und bei der Vergewaltigungsszene war meine Antwort auf johannesbombeck bezogen.

Bezüglich der Szene hab ich meinen Cache durchsucht, aber leider nicht mehr gefunden, möglicherweise war der Link in einem mittlerweile gelöschten Kommentar. "Kleines Mädchen und älterer Schnauzbart, beide nackt und in Umarmung sitzend, Darstellung des Mädchens von hinten, eine Hand des Mannes an ihrem Po, vom Mann ist körperlich eigentlich nichts zu sehen."

„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Zensurum8Uhr | #8-6

Nachtrag: Rechts neben der Szene das Wort "Allah" kalligraphisch dargestellt.

06.07.2013
11:31
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von roosterkatze | #7

So etwas gibt es nur in Deutschland den Zutritt zur Schule verbieten , Schaden ersetzen und wieder ab zurück in die Heimat ! Erspart dem Staat Ärger und Steuergelder !

06.07.2013
11:06
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von yermo | #6

Die muslimische Studentin, die das Kunstwerk zerstört hat, muss exmatrikuliert werden!

Man stelle sich einmal vor die betreffende Person sei irgendwie “rechts” gewesen und hätte irgendwas islamisch angehauchtes beschädigt oder zerstört. Nicht auszudenken! Sogar Kleber und Mioska würden über diesen ungeheueren Skandal berichten.

06.07.2013
10:26
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von jesusonspeed | #5

Es freut mich, dass der Dekan die Worte findet, die das Rektorat zu umgehen versucht. Ansonsten bestimmten die rechtspopulitischen Stumpfsinnigkeiten, wie sie hier in Kommentar 3 und 4 geäußert wurden, den Diskurs.

2 Antworten
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Der.Luedenscheider | #5-1

Meiner Meinung nach wird bewusst vermieden, dass das Zerschneiden eher einen antisemitischen Hintergrund hat, als diese fadenscheinige Behauptung, sie habe sich in ihren "religiösen Gefühlen" verletzt gefühlt.

Ein offener Antisemitismus, der nicht in einem "deutschem Rechtspopulismus" und somit politisch begründet von Ewig-Gestrigen liegt, sondern in einer aktuellen religiösen Weltanschauung. Das ist der Zündstoff in dieser Angelegenheit, der dieses Thema so explizit macht und schwierig, darüber sachlich zu berichten und zu kommentieren.

„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von jesusonspeed | #5-2

Ich kann zu diesem Plakat deutlich weniger sagen als zu dem ersten. Generell bedarf es da erstmal einer Darlegung der Fakten. In der Senatssitzung am Freitag wollte das Rektorat sich wohl auch nicht wirklich dazu äußern.

06.07.2013
10:00
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von resterudi | #4

So eine Hass säende Querulantin ist sofort von der Uni zu verweisen!
Diese gottverfluchten Fundamentalisten gehören ausgewiesen!

06.07.2013
09:31
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von AusOberhausen | #3

Wenn es der Doktorantin nicht gefällt, kann sie doch da hingehen, wo sie sich wohl fühlt. So einfach ist das. Müssen wir uns hier alles gefallen und vorschreiben lassen? Dachte, wir sind ein freies Land............

06.07.2013
09:25
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Der.Luedenscheider | #2

Das Thema enthält ziemliches Potential zur Eskalation.

Das zerschnittene Plakat zeigte Ausschnitte der israelischen Künstlerin Rutu Modan. Auf dem Plakat wurde unter anderem eine Friedensdemonstration gezeigt mit dem Schriftzug "Shalom". Es enthielt laut TAZ keine (!!!!) islamischen Bilder oder Texte. Diese Aktion fand am 24.06. statt. Laut TAZ war der tatsächliche Hintergrund für das Zerschneiden dieses Plakates ein ganz anderer, aber um so unglaublicher. Vorsichtig gesagt, ging es da wohl um Ressentiments gegen einen andere monotheistische Religion.

Das abgehängte Plakat mit Bildern von Craig Thompson war am 17.06. und enthielt tatsächlich Motive, die mit einer fundamentalistischen Einstellung als beleidigend empfunden werden konnten.

06.07.2013
08:31
„Wir hätten die Polizei holen sollen“
von Leseviel | #1

„Eine Universität darf sich unter keinen Umständen von einer fundamentalistischen Richtung vereinnahmen lassen.“

Eine kluge Erkenntnis, die auch an anderer Stelle längst überfällig wäre.

Aus dem Ressort
Stiller Abschied von Else Beitz
Krupp-Stiftung
Sie hat ihren Mann in schwersten Stunden und glanzvollen Zeiten begleitet, war mehr als 70 Jahre mit ihm verheiratet: Nur ein Jahr nach dem Tod von Krupp-Patriarch Berthold Beitz ist nun auch seine Witwe Else im Alter von 94 Jahren gestorben.
Polizei sieht "Hooligans gegen Salafisten" als Gewalttäter
Hooligans
Bei der Randale am Sonntagabend in der Essener Innenstadt, die einen Großeinsatz der Polizei auslöste, mischten auch einschlägig bekannte Personen aus der Essener Fußball-Fan-Szene mit. Beim Marsch durch die Innenstadt provozierten und bedrohten die "Hooligans gegen Salafisten" die Einsatzkräfte.
Unwetter: Regionalexpress-Züge in Duisburg evakuiert
Bahn
In Duisburg mussten am Abend drei Regionalzüge evakuiert werden, nachdem einer der Züge von einer herabfallenden Oberleitung getroffen wurde. Verletzt wurde offenbar niemand. Umgestürzte Bäume hatten am Montag den Zugverkehr im ganzen Ruhrgebiet teilweise zum Erliegen gebracht.
Wie ein höflicher Essener Junge zum Salafisten wurde
Terror-Prozess
Er ist einer der vier Angeklagten im Terror-Prozess um den versuchten Bomben-Anschlag auf den Bonner Bahnhof: Tayfun S., ein Essener Junge. Kein guter Schüler ist er gewesen, aber ein freundlicher junger Mann. So beschreiben ihn viele. Doch er hat noch ein anderes Gesicht, sagt seine Ex-Chefin.
Schießerei in der Essener Innenstadt - Prozess hat begonnen
Prozess
28. März, 21 Uhr, mitten in Essen: Ganz in der Nähe des Einkaufszentrums Limbecker Platz feuert ein Mann sieben Schüsse auf einen Geschäftsmann (37) ab. Das Opfer überlebt schwer verletzt. Der Schwager muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.
Umfrage
Großeinsatz für die Essener Polizei am Sonntag: Hooligans wollten gegen Salafisten demonstrieren. Wie ist Ihre Haltung zum Salafismus?

Großeinsatz für die Essener Polizei am Sonntag: Hooligans wollten gegen Salafisten demonstrieren. Wie ist Ihre Haltung zum Salafismus?

 
Fotos und Videos
Herbstliches Werden
Bildgalerie
Fotostrecke
Trecker Treck
Bildgalerie
Traktor-Wettbewerb