Randale am Mäuseroulette: OB-Kandidatin unter Verdacht

Tierschützern ist das Mäuseroulette, das auch auf dem vergangenen Weihnachtsmarkt einen Platz fand, ein Dorn im Auge. Foto:Jan Dinter
Tierschützern ist das Mäuseroulette, das auch auf dem vergangenen Weihnachtsmarkt einen Platz fand, ein Dorn im Auge. Foto:Jan Dinter
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
  • Polizei ermittelt gegen Sandra L., zuletzt OB-Kandidatin der Tierschutzpartei wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung
  • Dieselben Vorwürfe richten sich gegen die 19 Jahre alte Tochter der Velberterin
  • Amtstierarzt hatte Mäuseroulette auf dem Essener Weihnachtsmarkt zugelassen

Essen.. Der Anschlag auf das Mäuseroulette in der Mittelalterecke des Weihnachtsmarkts hat für eine ehemalige Oberbürgermeister-Kandidatin ein unangenehmes Nachspiel: Nach Informationen dieser Zeitung ermittelt die Polizei gegen Sandra L., die für die Tierschutzpartei im September ins Rennen um den OB-Posten ging, wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Die selben Vorwürfe richten sich gegen die 19 Jahre alte Tochter der 41-Jährigen aus Velbert.

Mit Skateboard auf den Aussteller eingeschlagen

Gemeinsam sollen die beiden Frauen am 21. November des vergangenen Jahres auf einen Betreiber des Standes an der Kettwiger Straße losgegangen sein, weil ihnen als Tierschützerinnen wohl das Zurschaustellen der kleinen Kreaturen zuwider war.

Wie die Polizei am Montag berichtete, hatte das Duo das Mäuseroulette an der Ecke Flachsmarkt „massiv gestört“. Offensichtlich waren die Aktivistinnen der Überzeugung, dass die Tiere gequält werden. Zunächst hätten sie versucht, mit ihrer „eigenen überlauten Musikbox den Ablauf zu stören“. Dann griffen sie zu roter Sprühfarbe, so die Polizei, beschmierten das Pflaster und einen Aussteller. Zudem sollen sie mit einem Skateboard auf den jungen Mann eingeschlagen haben.

Noch vor Eintreffen der alarmierten Ordnungshüter machten sich die Randaliererinnen aus dem Staub. Zeugen, die die Frauen identifizieren konnten, brachten die Ermittler aber doch noch auf die Spur von Mutter und Tochter.

Amtstierarzt hatte Mäuseroulette zugelassen

Der Zwischenfall hatte die Diskussion um die artgerechte Haltung der Nager auf dem Essener Weihnachtsmarkt neu entfacht. Auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins Groß-Essen, Elke Esser-Weckmann, kritisierte den Zeitvertreib mit den Vierbeinern: „Tiere, ganz egal wie klein oder groß sie sind, sind nicht für diese Art von Amüsement da.“ Esser-Weckmann erwartete von der Stadt als Veranstalterin des Weihnachtsmarkts, eine klare Position zu beziehen.

Die Betreiber des Mäuseroulettes waren im Besitz einer ordnungsgemäßen Zulassung durch einen Amtstierarzt und versicherten, dass es den 16 Tieren gut gehe, die regelmäßig ausgetauscht würden, um nicht unter Dauerstress zu stehen. Beim Mäuseroulette können Mitspieler darauf setzen, in welchem der diversen Holzhäuschen im Rund die Nager zuerst verschwinden.

Sandra L., die zusammen mit ihrem Lebensgefährten gerade einen Tierschutzverein in Velbert gegründet hat, machte von dem Angebot, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, am Montag keinen Gebrauch.