Radstationen: Wie die Parkhäuser für Fahrräder funktionieren

Die Radstation am Essener Hauptbahnhof gibt es seit 1999. Anfangs befand sie sich an der Stelle, an der jetzt ein Discounter sitzt. Seit 2011 stehen die Räder im ehemaligen Posttunnel – 250 Plätze gibt es dort.
Die Radstation am Essener Hauptbahnhof gibt es seit 1999. Anfangs befand sie sich an der Stelle, an der jetzt ein Discounter sitzt. Seit 2011 stehen die Räder im ehemaligen Posttunnel – 250 Plätze gibt es dort.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Radstationen am Hauptbahnhof und in Kupferdreh werden von der Neuen Arbeit der Diakonie betrieben. Dort kann man Fahrräder abstellen, aufpumpen lassen – und ausleihen.

Essen.. Schnell spurtet eine Frau mit ihrem Fahrrad in die Radstation. Mitarbeiter Werner Sakoschek springt auf, nimmt ihr das Rad ab, die beiden verabschieden sich und die Frau eilt weiter zum Bahnhof. „Die Dame kennen wir hier schon. Sie muss ihren Zug erwischen“, erklärt Werner Sakoschek, er arbeitet in der Radstation am Hauptbahnhof. In den Stoßzeiten ist es keine Seltenheit, dass es Kunden sehr eilig haben: Sie holen ihr Rad ab, um zur Arbeit zu fahren oder müssen schnell zum Gleis.

Die Idee der Radstation stammt aus den Niederlanden. Dort gibt es an etwa 100 Bahnhöfen bewachte Fahrradstationen, in denen das Rad vor Wind und Wetter geschützt ist. Außerdem bieten die Stationen dort auch kleine Dienstleistungen wie Mieträder oder Reparaturen. Davon inspiriert setzte sich die Landesregierung 1995 dafür ein, etwa 100 Radstationen an Bahnhöfen zu errichten. Die Station am Hauptbahnhof Essen gibt es seit 1999. Anfangs befand sie sich an der Stelle, an der jetzt ein Discounter sitzt. Seit 2011 stehen die Räder im ehemaligen Posttunnel – 250 Plätze gibt es dort.

Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Diakonie und Bahn

Peter Wefing (60), Abteilungsleiter Fahrrad der Neuen Arbeit der Diakonie Essen, leitet die Radstationen in Essen – am Hauptbahnhof und in Kupferdreh. Ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Essen, der Diakonie und der Deutschen Bahn. Die Station gilt als Maßnahme für den Arbeitsmarkt. Die Mitarbeiter sind Langzeitarbeitslose, die jeweils neun Monate dort beschäftigt sind, als Ein-Euro-Jobber.

„Mit der Radstation sorgen wir dafür, dass Radfahren in Essen sicherer gemacht wird“, sagt der gelernte Zweiradmechaniker. Das wirke sich positiv aus. Anfangs standen etwa 40 Räder um den Bahnhof verteilt herum. „Heute stehen bei uns täglich um die 178 und zusätzlich viele Räder an den Fahrradständern.“ Die Anzahl der abgegebenen Räder steigt stetig. Das Ruhrgebiet wird fahrradfreundlicher. Doch so weit wie das Rad-Mekka Münster sei Essen noch lange nicht: „Die Station dort hat rund 3000 Plätze und trägt sich selbst.“

Leihräder für sieben Euro am Tag

Es können aber nicht nur Räder abgegeben, sondern auch ausgeliehen werden. Pro Tag kostet eines sieben Euro. „Wir haben auch Hotels, die anrufen und für ihre Gäste Räder mieten“, sagt Peter Wefing. Der Unterschied zwischen Kupferdreh und der Station am Hauptbahnhof: „In Kupferdreh leihen wir mehr Räder aus, weil es ein beliebtes Ausflugsziel ist.“ Die 50 Leihräder – 25 pro Standort – gibt es in drei verschiedene Größen, alle haben sieben Gänge – und werden jedes Jahr neu angeschafft. „Die alten Räder verkaufen wir wieder.“

Aber nicht nur die alten Leihräder, sondern auch Fahrräder, die die Diakonie geschenkt bekommt. Sie werden – sofern nötig – wieder fahrtauglich gemacht. „So ermöglichen wir auch Menschen mit kleinem Budget Mobilität“, sagt Peter Wefing.

Verkauft und repariert wird jedoch nicht in den Räumlichkeiten am Hauptbahnhof, sondern in der Fahrradwerkstatt „Freilauf“ an der Langemarckstraße. „Hier haben wir nicht den nötigen Platz für eine Werkstatt“, erklärt Wefing.